Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. April 2020

Welch ein Widerspruch!

7. April: Kubicki: Aussperrung der Hamburger ist ,rechtswidrig‘ und Ein gemeinsamer Weckruf für Europa!

Welch ein Widerspruch! Hier zeigen sich die zwei Seelen der Menschen. Einerseits eine „Wir-Bezogenheit“, die andere ausschließt, andererseits das Bedürfnis, Solidarität bis hin zur Selbstaufgabe der eigenen Freiheit zu zeigen. Sicher begründet die Kieler Regierung ihre Entscheidung mit dem Schutz der Gefährdeten. Tatsächlich steht – übrigens auch bei großen Teilen der Bevölkerung – ein ausgeprägtes Misstrauen dahinter. Wo ist die Gefährdung, wenn Menschen, die ansonsten eng in einer Großstadt in ihrer Wohnung zusammenhocken müssen, isoliert im Auto in den nahen Wald des anliegenden Bundeslandes fahren und in relativer Einsamkeit dort spazieren gehen oder Sport treiben? Hamburg ist nun einmal dicht besiedelt. Es wäre Solidarität, wenn ein Flächenland seine Fläche mit dem Nachbarn teilt. Übrigens: Ich wohne an der Grenze zwischen Bezirk und Landkreis Harburg. Hier wird keiner an der Grenze abgewiesen.

Jürgen Schmidt

Solidarität mit Hamburg

Ich bin aus Schleswig-Holstein und schäme mich für die Aussperrung der Hamburger. Ich selber bin chronisch krank und besuche jährlich das UKE. Ich bin mehrfach in Hamburger Krankenhäuser operiert worden. Ich besuche gerne kulturelle Veranstaltungen und Restaurants in Hamburg. Wem schadet es, wenn Hamburger Bürger an der Elbe oder der Ost- und Nordsee spazieren gehen, wenn sie die Abstandsregeln einhalten? Sollten sie krank werden, landen sie bestimmt nicht in Krankenhäusern in Schleswig-Holstein. Wir sind ein Flächenland und haben mehr Möglichkeiten in der Öffentlichkeit die Abstandsregeln einzuhalten, als wenn ganz Hamburg versucht, um die Alster zu gehen. Wenn wir Solidarität nicht im eigenen Land hinbekommen, was erwarten wir dann von EU-Staaten untereinander?

Sonja Starke, Quickborn

Wer stellt Transitvisum aus?

7. April: Grenzstreit: Durch den Norden geht ein Riss. Die „Coronamauer“ soll bleiben

Die Linie U1 der Hamburger Hochbahn verläuft auf der Strecke Volksdorf-Ohlstedt auch über Schleswig-Holsteiner Gebiet, die Haltestelle Hoisbüttel liegt im Kreis Stormarn. Wird diese Haltestelle jetzt vom Landrat in Bad Oldesloe geschlossen und die U-Bahnen müssen sie ohne Halt durchfahren, wie seinerzeit in Ost-Berlin? Parallel zur U-Bahn-Strecke befindet sich in Hoisbüttel die Straße „An der Hochbahn“, die man als Radfahrer benutzt, um von Volksdorf in den Duvenstedter Brook zu fahren. Benötige ich jetzt für diese 600 m Transitstrecke ein Transitvisum? Wenn ja, wer stellt es aus?

Jörg Beleites

Keine Besuche an der Alster

Die Reaktion aus Schleswig-Holstein ist nicht mehr nachvollziehbar. Wenn die Kieler Landesregierung konsequent wäre, müsste sie den eigenen Bürgern verbieten nach Hamburg zu fahren. Denn scheinbar ist die Corona-Ansteckungs-Gefahr in Hamburg besonders hoch. Also, keine Besuche mehr an Alster und Elbe wäre die Konsequenz.

Lutz Jaffé

Offen miteinander reden

4./5. April: Hoffnung für Ferienhauseigentümer? Erstes Urteil sagt, Aufenthaltsverbot sei rechtswidrig

Ich kann gut verstehen, dass die gesundheitliche Versorgung oben in den Küstenregionen nicht für alle gewährleistet werden kann, und es deshalb erforderlich ist, dafür zu sorgen, dass nicht jeder seinen Zweitwohnungssitz aufsuchen kann. Leider öffnen diese Verbote auch denen, die unzufrieden sind mit dem Tourismus an den Küsten jetzt jede Tür, ihre Aggression frei auszuleben, z.B. Autos mit Hamburger Kennzeichen zu beschmieren. Letztendlich zahlen wir unsere Zweitwohnungs- und Grundsteuer sowie den Jahrestourismusbeitrag weiter. Ich würde mir wünschen, dass wir gerade in den jetzigen Zeiten eine offene und ehrlich Kommunikation miteinander zu führen, anstatt unsere Gerichte mit Urteilen zu belasten, die im Moment jedes Gericht anders entscheidet, weil es solche Verbote innerhalb Deutschlands noch nie gab.

Anja Bauer

Energieversorgung sichern

4./5. April: Was kommt, wenn das Virus geht? Wird Covid-19 der Menschheit eine Lehre sein? Ein Essay von Matthias Iken

Jahrelange Zeiten ohne interne und externe Bedrohung haben zu einer gewissen Sorglosigkeit geführt. Die gegenwärtige Krise zeigt uns aber überdeutlich, in welche Abhängigkeiten wir uns begeben haben. Die Versorgungssicherheit mit medizinischen Produkten ist nicht in ausreichendem Maße gewährleistet. Die aus Profitmaximierungsgründen durchgeführte Verlagerung von Produktionsstandorten führt zu nicht akzeptablen Abhängigkeiten. Die Pandemie war nicht vorhersehbar, die unzureichende Ausstattung mit entsprechenden Schutzmaßnahmen und Einrichtungen schon. Die Krise sollte uns dazu bringen, an anderer Stelle über Notfallsituationen nachzudenken. Wenn z.B. die elektrische Energieversorgung großflächig für mehrere Tage ausfällt, sind die katastrophalen Folgen um ein erhebliches größer und gefährlicher als die Corona-Epidemie. Die durch die Energiewende verursachte schlechtere Versorgungssicherheit ist zurzeit schon gegeben. Mit Windrädern und Photovoltaikanlagen kann man die sichere Versorgung durch Kohle- oder Kernkraftwerke nicht ersetzen. Das geht nur mit ausreichenden Speichern für elektrische Energie. Diese Speicher gibt es aber zurzeit nicht im erforderlichem Umfang. Es wird also Zeit, dass die politisch Verantwortlichen hier sachgerecht entscheiden und handeln. Eine ausfallsicherere Stromversorgung ist ein Grundpfeiler, der unsere Gesellschaft trägt. Damit das so bleibt, sollten wir alles dafür tun, was nötig ist. Ob die Krise uns dazu bringt, hier einen Bewusstseinswandel zu erzeugen, wage ich zu bezweifeln.

Werner Berndt

Empörende Entscheidung

6. April: Stell dir vor, es ist Training ... und keiner geht hin. An diesem Montag steigt der HSV und am Dienstag der FC St. Pauli unter Ausschluss der Öffentlichkeit wieder in den Trainingsbetrieb ein

Bei aller Freude über Lockerungen und bei allem Respekt gegenüber den Clubs: Diese Entscheidung finde ich empörend. Das Milliardengeschäft des Profifußballs darf wieder anlaufen, mit immensem Aufwand von Logistik und zig Corona-Tests, und die Kinder sperrt man weiterhin zu Hause in ihren Etagenwohnungen ein? Wir alle dürfen uns nicht bewegen, alle Sportstätten sind gesperrt, der öffentliche Raum verschlossen? Wo bleibt die Verhältnismäßigkeit und Legitimität dieser Entscheidung? Warum nicht Spiel- und Bolzplätze mit Einschränkungen öffnen? Allen öffentlichen Verlautbarungen zufolge verhalten sich die Hamburger ausgesprochen zivilisiert, warum sollte dies hier nicht möglich sein? Die Begründung, Profifußballer würden nicht zu den Risikogruppen gehören, ist nachgerade zynisch. Wer jetzt nicht komfortabel im Eigenheim mit Garten lebt, hat nach dieser Logik einfach Pech gehabt und darf sich auf baldige Wiederaufnahme des Profifußballbetriebs im Fernsehen freuen. Selbst schuld, wenn ihr euch kein Haus leisten konntet, liebe Hamburger. Bislang haben wir uns in der Familie sehr sorgfältig an die geltenden Regeln gehalten, aber solche Entscheidungen lassen meine Bereitschaft zu persönlichen Einschränkungen rapide schwinden.

Ulrike Ertle

Ein großartiges Gespräch

6. April:,Wie ich mal das Regiepult durch die Gegend geschmissen habe ...!‘ Ein Gespräch mit Jürgen Flimm

Danke an Maike Schiller für dieses großartige Gespräch mit Jürgen Flimm! Schade, dass die wunderbaren Jahre seiner Intendanz am Thalia vorbei sind! All die Produktionen, die ich damals im Thalia Theater gesehen habe, viele davon mit Ewigkeitswert! Danke!

Heide Koehne, Jesteburg