Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. April 2020

Mut machen in dieser Zeit

3. April: Hamburg greift durch: Wer Abstand nicht einhält, muss 150 Euro zahlen

Mein Mann und ich lesen seit vielen Jahren das Abendblatt täglich, im Urlaub auch online. Nun in der Coronakrise vergeht uns mehr und mehr die Lust auf die Lektüre. Nicht genug, dass auch in den Medien nur Furcht und Schrecken verbreitet werden, müssen wir heute eine Headline lesen, wo mit Geldstrafen gedroht wird, wenn man einen bestimmten Abstand zum Nachbarn nicht einhält. Wir sind alle erwachsen und niemand möchte krank werden, Sanktionen an dieser Stelle sind wohl mehr als unangebracht und als Headline noch einmal mehr! Ist es nicht viel mehr an der Zeit, den Menschen Mut zu machen, anstatt sie zu verunsichern und zu bedrohen? Gut war gestern der Artikel zu Herrn Prof. Püschel – ich zitiere: „Durch eine starke Fokussierung auf die vergleichsweise wenigen negativen Abläufe werden Ängste geschürt, die die Menschen sehr belasten!“ Der ganze Artikel war zum ersten Mal ein Blick auf den Coronavirus, der dem Ganzen die Angst und vor allem die Panik durch fachliche Kompetenz entkräftet hat.

Andrea Sempell

Nüchtern und emotionslos

2. April: ,Corona – „Von den Toten lernen für die Lebenden‘. Chef des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin beruhigt: Es seien bislang keine speziellen Gefahrenmomente erkennbar

Endlich einmal ein Beitrag eines renommierten Mediziners, der die Coronakrise nüchtern und emotionslos behandelt und der die Ängste vieler Menschen nachvollziehbar als gegenstandslos ansieht. Vor allem hat Prof. Püschel klar gemacht, dass auf Grund seiner Untersuchungen nur diejenigen mit dem Coronavirus infizierten Menschen sterben, die an schweren Vorerkrankungen gelitten haben. Diese Erkenntnis sollte allen Menschen die Zuversicht wiedergeben, unbeschadet eine Infektion zu überstehen.

Dr. Claus Rabe

Die Krise als Chance begreifen

3. April: Sportplatz: Der Fußball der Zukunft muss sich ändern. Jetzt geht es für die Proficlubs nur um Überleben – danach braucht es eine Debatte um die Verteilung der Millioneneinnahmen

Alle Lebensbereiche sollten schon jetzt auf den Prüfstand, nicht nur der Leistungssport. Die Ideen dazu allerdings machen da nicht viel Hoffnung. Die Lebenserfahrung sagt, es ist unwahrscheinlich, dass sich eine solche Jahrhundertkatastrophe so wiederholt. Krisen wandeln sich wie Viren und treten überraschend und in unerwartetem Gewand in unser Leben. Rücklagen? Modifizierte Spielerverträge? Veränderungen im Verteilungskampf um TV-Rechte? Was soll das bringen? Das heilt den kranken Spitzensport nicht. Das braucht viel tiefere Einsichten. Zugegeben: Eine Umkehr von eingefahrenen und einträglichen Strukturen zu entwickeln, ist nicht leicht und diese umzusetzen eine Ochsentour. Das scheitert aber nicht an Vertragsmodalitäten, fehlenden Rücklagen oder TV-Übertragungsrechten, das scheitert, wenn nicht jeder Fußballfan – vielleicht befördert durch die erzwungene Corona-Fußball-Abstinenz – zu Einsichten gelangt. Und so sollte das in allen Lebensbereichen sein, wenn wir die Krise auch als Chance begreifen. Bleiben Sie wohlauf!

Uwe-Carsten Edeler

Falsche Angaben gemacht

2. April: Richtigstellung zum Leserbrief: Skandalöse Preise für Masken

In meinem Leserbrief vom 2. April kritisierte ich, dass eine Langenhorner Apotheke Schutzmasken zu skandalösen Preisen veräußere (acht Euro pro Stück). Der Apotheker teilte mir heute dazu telefonisch mit, dass ich falsche Angaben gemacht hätte. Richtig sei, dass die in Deutschland hergestellten Masken nicht aus Papier, sondern aus hochwertigem Textilien seien, dass sie – anders als die Verkäuferin sagte – den Träger selbst und nicht nur andere effizient schützten, mehrfach waschbar seien, besonders dicht abschlössen. Ein Preisvergleich im Internet zeigte, dass diese Masken zwischen sieben und elf Euro verkauft werden, der Preis also zur Zeit nicht skandalös zu nennen ist.

Monika Füllgraf

Was bedeutet Enteignung?

2. April: Block-House-Chef: ,Das ist eine Enteignung‘. Geschäftsführer Stephan von Bülow warnt vor den Folgen des Shutdowns

Ich kann leider meine Enttäuschung und Empörung nicht für mich alleine behalten. Unser geschätztes Hamburger Abendblatt gab im Großformat Herrn von Bülow die Chance, seine politische und wirtschaftliche Position zu skizzieren. Wenn Herr von Bülow das als Enteignung bezeichnet, was unsere demokratischen Vertreter in dieser schwierigen weltweiten gesellschaftlichen Phase für unsere Ordnung und Sicherheit beschließen, dann muss ich feststellen, dass er keine Ahnung hat, was Enteignung in einer liberalen und demokratischen Gesellschaft bedeutet. Die Beschlüsse wurden nach Abwägung aller Vor- und Nachteile unabhängig von parteipolitischer Richtung getroffen. Herr Block muss aufgrund seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stellung in Hamburg seiner Verantwortung gerecht werden und darüber nachdenken, ob Herr von Bülow als Geschäftsführer überhaupt noch tragbar ist.

Dr. Hanno Hames, ehemaliger Geschäftsführer der Hamburger Wasserwerke