Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 3. April 2020

Ein Beispiel nehmen an Bhutan

2. April: Block-House-Chef: „Das ist eine Enteignung“. Geschäftsführer Stephan von Bülow warnt vor den Folgen des Shutdowns

Mit Vergnügen lese ich fern der Heimat als Entwicklungsberater in Bhutan (das Land mit dem Bruttonationalglück) immer gern das Abendblatt. Das Interview mit Stephan von Bülow ruft nach einer Erwiderung: Bhutan lebt vom Tourismus. Mehr als 30 Prozent des Nationaleinkommens wird darüber erwirtschaftet. Bisher gibt es hier vier positiv getestete Fälle, alle – Gott sei Dank – in der Quarantäne abgefangen. Gleichwohl wurden die Grenzen geschlossen und jeder, der nur irgendwie mit Tourismus zu tun hat, steht ohne Einkommen da. Gleichwohl herrscht hier ein Geist der Solidarität im Land und es wird tatsächlich gefragt, was jeder Einzelne noch tun kann, um die Regierung zu unterstützen. Wenn ich nun lese, dass ein hoch bezahlter Manager aufgrund einer rechtsstaatlich sanktionierten Maßnahme, die nicht nur ihm, sondern auch seinen so hoch beschworenen Kunden und Mitarbeitern hilft, gesund zu bleiben, dann kommt mir schon ein wenig die Galle hoch, wenn der Begriff „Enteignung“ verwendet wird. In guten Zeiten möglichst ohne Staat wirtschaften, aber sobald eine Krise da ist, laut nach staatlicher Hilfe rufen – die wir alle bezahlen müssen – das sind Mechanismen, die nichts mit Chancen und Risiken von Unternehmen und wirtschaftlichem Handeln zu tun haben. Wohlgemerkt: Ich bin sehr froh, dass wir Instrumente wie Kurzarbeitergeld haben, die Krisen gut abfedern können. Allerdings sind auch Unternehmen, so wie Privatpersonen gehalten, Vorsorge für Krisenzeiten zu treffen. Ich würde mir wünschen, dass die Krise als Chance begriffen wird, um unser Leben und unseren Lebensstil ein wenig zu überdenken und nicht so weiter zu wirtschaften wie bisher. Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel an diesem kleinen Land Bhutan nehmen und etwas mehr auf Bruttonationalglück und unser persönliches Glück achten und weniger krampfhaft auf das Bruttosozialprodukt schielen.

Dr. Uwe Draeger, Thimphu, Bhutan

Kontrollen in St. Peter-Ording

2. April: Merkel macht klar: Beschränkungen bleiben über Ostern. ,Eine Pandemie kennt keine Feiertage‘ – Bürger sollen auf private Reisen verzichten

Nachdem an den beiden vergangenen Wochenenden trotz Verbots und eindringlicher Appelle wieder zahlreiche Tagestouristen mit Campingmobilen und Autos Sankt Peter-Ording besucht haben, befürchte ich über die Osterfeiertage nichts Gutes für die Einwohner hier. Es gibt einfach zu viele Ignoranten, die aus Risikogebieten mit erhöhter Infektionsdichte kommen, denen es völlig egal zu sein scheint, ob sie das Virus möglicherweise weitergeben. Wenn Appelle und gut gemeinte Ratschläge nicht helfen, dann sind wesentlich umfangreichere und striktere Kontrollen nötig – zumindest an den kommenden Wochenenden zum Wohle der besorgten Einwohner. Bei der geografischen Lage St. Peters kann es nicht so schwierig sein, Uneinsichtige bereits bei der Anfahrt vor Ort zu kontrollieren und bei Verstößen mit einem hohen Bußgeldbescheid sofort heimwärts zu schicken. Auch auf die Gefahr hin, dass diese uneinsichtigen Gäste nicht wiederkommen. Diejenigen Gäste, denen St Peter-Ording tatsächlich am Herzen liegt, befinden sich eh nicht darunter – und diese werden uns nach dieser Krise immer herzlich willkommen sein!

Gerd Heidler von Heilborn,

St. Peter-Ording

Kein Verständnis für Prüflinge

1. April: Verschoben: Abitur startet am 21. April. Schüler erhalten längere Vorbereitungszeit für Prüfungen und weitere Nachschreibetermine – keine Zweitkorrekturen

Der Umgang mit den Abiturienten des Jahrgangs 2020 ist deutlich von fehlendem Verständnis für die Situation der Prüflinge gekennzeichnet. Mein Sohn plant seine Prüfung in Mathe, Sport, Deutsch und Geographie abzulegen. Die Schulbehörde teilte ihm mit, dass er sich binnen fünf Tagen entweder vollständig gegen die schriftliche und praktische Prüfung im Fach Sport, auf die sie sich intensiv und lange vorbereitet haben, zu entscheiden habe oder zusätzlich zu diesen Prüfungen eine Prüfung in einem weiteren Prüfungsfach abzulegen habe. So kurz vor den Prüfungen stellt die Vorbereitung auf ein weiteres Prüfungsfach auf erhöhtem Niveau eine zusätzliche Belastung für die Schülerinnen und Schüler dar, die ihre Prüfungen ohnehin in einer besonderen Situation ablegen werden. Die Schulbehörde erklärt mit dieser Regelung die praktischen Sportprüfungen kurzerhand für unmöglich, obwohl diese unter geringfügig veränderten Rahmenbedingungen, mit dem Willen des Senats diese zu ermöglichen, sehr wohl durchführbar wären. Prüfungen, jeweils mit maximal zwei Schülern, einer prüfenden Lehrkraft sowie einer in räumlicher Distanz beiwohnenden weiteren Lehrkraft wären möglich, ohne die Gesundheit mehr zu gefährden als bei den ohnehin geplanten schriftlichen Prüfungen. Warum entschließt sich die Schulbehörde nicht dazu, die angehenden Abiturienten von zusätzlichen Benachteiligungen frei zu halten? Uns ist bewusst, dass dieser Umstand im Vergleich zu Menschen, die ohne Kontakt zu ihren Liebsten lebensbedrohliche Situationen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen durchleben müssen, ein eher kleines Problem darstellt. Für die betroffenen jungen Menschen ist das Abitur jedoch tatsächlich ein großes Ereignis in ihrem jungen Leben. Schade, dass dies nicht allen Akteuren bewusst zu sein scheint.

Sören Schülke

Sternenhimmel wie früher

1. April: Homeoffice lässt die Sterne strahlen. Der Himmel über Hamburg war lange nicht mehr so klar wie in diesen Tagen. Planetariumsdirektor Kraupe gibt Tipps

Mit großer Freude habe ich am die Tipps des Planetariumsdirektor Kraupe gelesen. Seit ein paar Abenden ist mir das Strahlen der Sterne aufgefallen wie seit meiner Jugendzeit nicht mehr. Seit dem 30. Lebensjahr (jetzt bin ich 90) lebte und lebe ich in Düsseldorf und Hamburg und ich hatte in den großen Städten wegen der „Lichtverschmutzung“ das „Sterne gucken“ verlernt. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, dass ich den spektakulären Anblick des Frühlingssternenhimmels bewusst bewundern kann. Danke dem Hamburger Abendblatt.

Marlies Harm

Es gibt bessere Programme

1. April: Video-Chat mit WhatsApp einrichten. Mit dieser Anleitung lässt sich der beliebte Messenger installieren und nutzen

Ich finde es durchaus ok, dass Sie in Zeiten der menschlichen Isolation Empfehlungen zur Nutzung von Chat-Apps geben. Bedenklich finde ich aber, dass Sie ausschließlich die Installation und Nutzung von WhatsApp detailliert beschreiben. Wie Sie richtig erwähnt haben, gibt es eine Auswahl an verschiedenen Programmen. Gerade aber WhatsApp, das zum Zuckerberg-Konzern gehört, zählt nicht zu den sicheren Programmen. Die Vertraulichkeit persönlicher Daten ist nicht garantiert. Es gibt andere Programme, die mehr Sicherheit bei gleichem Nutzungsumfang bieten. Es wäre angemessen gewesen, wenn Sie zumindest einen Hinweis darauf gegeben hätten. Wir nutzen innerhalb geschlossener, privater Gruppen z.B. Threema, das über drei Sicherheitsstufen verfügt.

Jürgen Krüger

Berührender Nachruf

31. März: Hamburg trauert um Regy Clasen. Mit nur 48 Jahren ist die Sängerin am Sonnabend nach langer und schwerer Krankheit gestorben

Vielen Dank für diesen berührenden, ausführlichen Nachruf auf Regy Clasen. Wir haben die Nachricht von ihrem Tod mit großer Bestürzung und Trauer gelesen. Auch wenn Regy Clasen eine Sängerin und Songwriterin war, die (leider) nicht den „großen Durchbruch“ schaffte und nicht die Bekanntheitsgrade von z. B. Anna Depenbusch, Stefan Gwildis oder Michy Reincke, ihren Wegbegleitern und Freunden, erreichte. Aber sie war und blieb ein wichtiger Bestandteil der deutschsprachigen Hamburger Musikszene. Wer ihre großartige, bewegende Stimme und ihre tiefgründigen Liedertexte live erlebt hat, wird sie niemals vergessen.

Norbert Schelper