Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 27. März 2020

„Schlappe“ ist nicht passend

26. März: Schlappe für Kieler Ministerin: Abiturprüfungen finden statt. Kultusministerkonferenz beschließt einheitliche Regelung

Ich erwarte eine wertfreie Berichterstattung vom Hamburger Abendblatt. Ich bin außerordentlich dankbar, in einer Demokratie zu leben. Glücklicherweise werden Vorschläge gemacht und diskutiert, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Das Wort Schlappe, ist hier nicht angemessen.

Heide Schmidt-Garbisch

Den Alltag stabilisieren

Bei der Diskussion um das verkürzte Abitur wird häufig nicht bedacht, dass die vorbereitenden Aufgaben eine stabilisierende und den Alltag normalisierende Funktion für Schülerinnen und Schüler haben. Viele sind getroffen darüber, dass dass der Schulalltag ein abruptes Ende genommen hat, dass sie nicht bewusst Abschied genommen haben. „Schulfrei“ bedeutet nicht immer eine Entlastung.

Birte Abel

Es geht nur um Gewinn

26. März: Meine „Tagesschau“-Vision. Krimiautor Klaus-Peter Wolf über eine Nachrichtensendung, wie sie vielleicht in acht bis zehn Wochen läuft. Hoffentlich

Die Vision von Klaus-Peter Wolf erinnert mich an ein Lied des geschätzten Reinhard Mey: „Vernunft breitet sich aus in der Bundesrepublik Deutschland“. Aber eher geht besagtes Kamel durch besagtes Nadelöhr. Allein die Tatsache, dass trotz der Krise die Börsen nicht geschlossen wurden, und der Kursverfall weiter öffentliche Gelder in private Kassen umsteuert, zeigt, worauf es „den Eliten“ in der Welt wirklich ankommt: Gewinnen. Was auch immer. Und um jeden (expressis verbis) Preis. Das wird auch ein Virus nicht aufhalten. Nur der Sensenmann kann solchem Treiben Einhalt gebieten. Aber es wird jeden Tag Nachwuchs für dieses globale Casino erzeugt. Aber gleichwohl Danke für diese Vision. Zumindest zaubert sie kurzzeitig ein Lächeln in die Gesichter derjenigen, die an sowas auch schon gedacht haben.

Andreas Kaluzny

Unzumutbare Einschränkung?

25. März: ,Brave‘ Besitzer von Ferienwohnungen fühlen sich benachteiligt

Der Virus hat die Welt im Würgegriff, und ein Anwalt reicht Klage ein, um das Recht auf Freizügigkeit, gegen den „Beschränkungswahn“ verteidigen zu wollen? Wer versteht das, angesichts der drohenden Gefahr für Leib und Leben und den unglaublichen Anstrengungen, die auf allen Ebenen der Gesellschaft zur Abwendung geleistet werden. Ist nicht jedem eine Einschränkung zuzumuten? Wie kann man den Rechtsstaat aus diesem Grund gefährdet sehen? Es ist nicht ersichtlich und auch nicht zu verstehen, aus welchem Grund sich einige Ferienhausbesitzer den Aufforderungen der jeweiligen Landräte widersetzten und damit „Erfolg“ hatten. Wie muss man sozialisiert sein, um nicht Verständnis für die Befürchtungen und Sorgen der Verantwortlichen in den einzelnen Landkreisen zu haben? Damit ist das übergriffige, gemeine Verhalten einiger Menschen den Ferienwohnungsbesitzern gegenüber nicht zu entschuldigen. Aber eine Klage, weil es jetzt nicht mehr zurück ins Ferienhaus geht? Die Landesregierung hätte eine verbindliche Regelung schnell treffen müssen. Wo ist der Unterschied zwischen Besitzer und Nutzer einer Immobilie? Wir haben auch „unsere“ Insel verlassen, traurig, nicht über die verfrühte Abreise, den leeren Strand hätten wir nicht genießen können, sondern traurig und in Sorge um alle Lieben.

Regina Venzke

Blumen statt Klage

Ein Hamburger Rechtsanwalt lässt sich mit seiner Klage gegen Landräte in Schleswig-Holstein porträtieren, da er nicht in sein Ferienhaus an der Nordsee fahren durfte und garniert das Ganze mit der rhetorischen Phrase, er wisse nicht, wie er die (Rechts-)Lage seinen Kindern erklären solle. Ich hätte da eine Idee: Er könnte den Kindern erklären, dass im richtigen Leben manchmal Fehler passieren, in Ausnahmesituationen, wie der jetzigen besonders. Aber das gerade deshalb dann Besonnenheit ein guter Ratgeber ist. Und hätte er die Zeit, die er mit der Klage verbracht hat, dann vielleicht lieber genutzt, der Arzthelferin oder dem Kassierer seines Vertrauens ein paar Blumen vorbeizubringen, hätten die Kinder das verstanden, denke ich, und vielleicht mehr als aus der Klage gelernt.

Dr. Frank Laurich

Erfreuliches Verhalten

Besitzer von Ferienwohnungen, die sich gesetzeskonform und moralisch vollkommen richtig verhalten haben, blicken voller Neid auf die, die sich aus egoistischen Motiven nicht an die Regeln gehalten haben. Sie sollten sich statt dessen an ihrem richtigen Verhalten „erfreuen“. Die Ignoranten hingegen, denen der Erhalt ihrer „Wohlfühlatmosphäre“ wichtiger ist, als Gesetze einzuhalten, beschweren sich darüber, dass sie von den Einheimischen nun misstrauisch beäugt werden. Ja Leute, geht’s noch? Jetzt fehlt nur noch, dass sich in dieser außergewöhnlichen Situation, in der wir uns gerade befinden, die Gerichte mit diesem „Kinderkram“ befassen müssen. Liebe Ferienhausbesitzer, denkt bei all Eurem „Schmerz“ vielleicht auch mal an die vielen Obdachlosen, welche noch nicht einmal einen Erstwohnsitz haben und jetzt noch mehr auf sich selbst gestellt sind.

Dieter Buchholz

Dank an die Raumpflegerinnen

25. März: ,Höhere Löhne für die Helden des Alltags‘. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fordert mehr Geld für Kassiererinnen oder Pfleger – und hält eine Verschiebung der Grundrente für möglich

Zu diesem Thema möchte ich mal anmerken,das man vielleicht auch an das gesamte Raumpflegepersonal aus den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern mal ein Danke übrig hat. Bis jetzt hört man immer nur Verkäufer, Pfleger und Krankenhauspersonal. Aber wir schuften in dieser schlimmen Zeit mindestens genauso hart, denn wir sind es, die den ganzen bakteriellen Mist entfernen. Aber uns vergisst man ganz gern!

Martina Rozyk

Haltlose Vorwürfe

24. März: Zum Leserbrief ,Leben im goldenen Käfig‘ und 20. März: ,Auf einmal hören wir den Wissenschaftlern zu‘. Ein Gespräch mit der Klimaschützerin Luisa Neubauer

Was kann denn Frau Neubauer für Menschen, die sich nicht an Vorgaben halten, nur weil sie zufällig in ihrem Alter sind? Da fehlt es wohl eher an elterlicher Erziehung, Aufsicht, Beschäftigung und Respekt vor den staatlichen Organen. Die Ursachen hierfür liegen sicher nicht bei Umweltaktivisten oder Philosophen. Die Entbehrungen der Nachkriegszeit und das gern zitierte „wiederaufbauen Deutschlands“, berechtigen nicht dazu, unnötige Vorwürfe zu äußern, Neid zu schüren und haltlose Behauptungen (60 Prozent der Jugendlichen feiern Corona-Partys) aufzustellen

Christof Marheinecke, Hamburg

Urlauber tragen keine Schuld

24. März: Corona: Zahl der Neuinfektionen steigt nicht mehr an

Das die Hamburger Behörden keine genauen Zahlen der Coronavirus-Infizierten in den einzelnen Bezirken angeben möchten, weil sie die Gefahr einer Stigmatisierung sehen, löst bei mir Kopfschütteln aus. Das setzte ja die Annahme voraus, dass die infizierten Personen sich fahrlässig infiziert haben und Mitschuld an der Ausbreitung hätten. Keiner der Infizierten trägt irgendeine Schuld. Es trägt eher zur Aufklärung bei, wenn man weiß, dass in Hamburg die Quote deshalb so hoch ist, weil in Hamburg die sogenannten „Skiferien“ waren. Aber wer käme ernsthaft auf den Gedanken, die Skiurlauber zu stigmatisieren? Sie hatten halt Pech, dass ihr Urlaubsland sich im Nachhinein als Risikogebiet herausgestellt hat. Dass in Blankenese, Othmarschen und Flottbek gewöhnlich mehr Menschen wohnen, die in den Skiurlaub fahren als in Billstedt oder Harburg, ist Realität, in der ich aber keine Stigmatisierung erkennen kann.

Rüdiger Clausen