Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. März 2020

Sind die Politiker nachlässig?

19. März: Was wir von China lernen können. Mit strenger Quarantäne, umfangreichen Tests, Disziplin und massivem Personaleinsatz konnte die Verbreitung des Coronavirus eingedämmt werden

In Wuhan leben gut elf Millionen Einwohner, dort haben sich ungefähr ein Prozent angesteckt. Jetzt scheint das Problem gelöst zu sein. Warum? Ist es die konsequente Ausgangssperre, oder haben die Chinesen etwas gemacht, was wir nicht wissen? Haben sie Medikamente „ausprobiert“, was wir nicht wollen? Die Chinesen gehen wieder zur Arbeit, man hat ungefähr 20 Neuinfektionen pro Tag, mehr nicht. Wenn das mit der Ausgangssperre zu tun hat, warum sind unsere Politiker so nachlässig? Immer nur tröpfchenweise Maßnahmen, keine Konsequenz, nur keinem wehtun, nur Empfehlungen. Bei uns auf dem Spielplatz ist übrigens mehr Betrieb als sonst. Empfehlungen helfen nicht, auch bitten hilft nicht. Wir verlieren nur Zeit und vielleicht auch Menschenleben, denn unser Gesundheitssystem wird nicht so schnell reagieren können, wie wir möglicherweise krank werden. Wenn man die Zahlen von Wuhan zugrunde legt, wären ein Prozent in Deutschland ca 800.000 Infizierte. Vor wenigen Monaten wollte man noch jedes dritte Krankenhaus schließen! Und jetzt fehlen nicht nur Betten, nein vor allen Dingen Personal! Ein Umdenken sollte sehr bald stattfinden.

Rainer Appelhoff

Wo bleibt die Demut?

19. März: Titelseite: Hamburgs Gastronomen rufen um Hilfe

Ich empfinde das Foto von Herrn Mälzer auf der Titelseite als unglaublich. Wo bleibt Demut? Millionäre erwarten Hilfe vom Staat? Wo leben wir?

Thomas Nolle

Ein weiser Satz

18. März: Jenseits von Corona. Wie die Schriftstellerin Tania Blixen einmal einen geheimnisvollen Brief überreicht bekam – mit einer nachdrücklichen Bitte...

Wie schön. „Es wird nicht so bleiben“ hat mich sehr gerührt. Wenn man mal eine schwere Zeit hatte und die hatte ich letztes Jahr, ist die Freude über die Weisheit dieses Satzes sehr groß. Und auch die Weisheit, dass wenn es einem gut geht, es zu realisieren und wertzuschätzen, ist schön. Vielen Dank und gute Gesundheit.

Jutta Scheffler

Logopäden nicht vergessen

19. März: Sie sind weiter im Dienst – für alle Hamburger. Wie Busfahrer, Erzieher und Kassierer ihren Alltag in Zeiten des Coronavirus erleben

Zu Recht berichten Sie über die Existenzängste im Einzelhandel, Tourismus, und in der Gastronomie. Ebenfalls zu Recht wird anerkennend über die Arbeit von VerkäuferInnen, BusfahrerInnen, Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern berichtet. Allerdings ist es mir wichtig, auf eine Berufsgruppe aufmerksam zu machen, die leider, wie so oft, keine Erwähnung findet. Die Heilmittelerbringer (Physio- und Ergotherapeuten, Masseure/Medizinische Bademeister, Logopäden und Podologen). Wir alle sind von der Bundesregierung aufgerufen, weiterhin für unsere Patienten da zu sein. Das sind wir und wir tun das gerne! Allerdings bedeutet dies zurzeit 40 bis 50 Prozent weniger Patienten, da diese aus Angst wegbleiben. Da, aufgrund der schlechten Vergütung in der Vergangenheit, keine Rücklagen gebildet werden konnten, bangen viele Kolleginnen und Kollegen um ihre Existenz, während sie weiterhin für die Gesundheit der Gesellschaft da sind. Ich würde mich freuen, wenn auch diesem Thema Aufmerksamkeit gewidmet würde.

Thomas Glogau, Verband Physikalische Therapie Hamburg/Schleswig-Holstein

Problem schon lange bekannt

Die Beschäftigten im Gesundheitswesen und im Lebensmitteleinzelhandel leisten Außerordentliches. Ihnen gilt unser aller Dank. Allerdings sollten wir auch nicht vergessen, dass zum Beispiel das „Hamburger Bündnis für mehr Personal im Gesundheitswesen“ schon lange auf den massiven Personalmangel und die horrende Belastung in diesem Bereich hingewiesen hat. Leider haben fast alle Bürgerschaftsparteien den berechtigten Forderungen dieses Bündnisses kein Gehör geschenkt. Ich würde mir weniger Sorgen machen, wenn auch in Hamburg nicht die Ökonomisierung und Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser an erster Stelle stehen würde, sondern eine gute Pflege und Versorgung der Patienten. Dieser Aufgabe ist die Politik nur sehr unzureichend nachgekommen. Aber vielleicht setzt ja hier ein Umdenken ein, wenn wir einigermaßen aus der Krise herausgekommen sind. Auch die Kassiererinnen im Lebensmitteleinzelhandel tun alles, um die Versorgung für die Hamburger aufrecht zu erhalten. Schön, dass Frau Merkel warme Worte für diese Berufsgruppe gefunden hat. Noch schöner wäre es allerdings, wenn sich die Bundeskanzlerin für einen Mindestlohn von 13 Euro einsetzen würde und eine deutliche Erhöhung des Kurzarbeitergeldes.

Dr. Arne Andersen

Ein Menschleben ist mehr wert

18. März: Leserbrief: Maßnahmen gerechtfertigt? und 17. März: Beschränkungen für viele Läden, Restaurants, Spielplätze, Reisen. Gaststätten müssen um 18 Uhr schließen

Ich finde es verantwortungslos solche Zeilen zu veröffentlichen. Es sind doch ungefähr 25 Prozent potenzielle Todeskandidaten innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland und Europa und da wird der wirtschaftliche Schaden gegengerechnet, ich denke ein Menschenleben sollte mehr zählen! Sehen Sie doch nur nach Italien, da muss schon selektiert und entschieden werden, wer weiterleben darf oder nicht! Auch stimmt die Behauptung nicht, dass gegen die Influenza nicht ausdrücklich gewarnt wird, jedes Jahr wird eindringlich empfohlen sich zu impfen, nur wird dies wohl massenhaft ignoriert, deshalb diese hohen Todesraten. Denn gegen Influenza gibt es bereits Impfstoffe, gegen das Coronavirus noch nicht. Ich wäre noch drastischer vorgegangen, ich hätte alle aus dem Ausland Einreisenden unter Quarantäne gesetzt, denn dann wäre die Verbreitung nicht so gravierend für die Bevölkerung und der wirtschaftliche Schaden wäre somit auch geringer.

Hans-Georg Drews

Absurder Prozess

18. März: Gerichte verhandeln nur dringende Fälle. Prozess gegen SS-Wachmann würde platzen, wenn am Freitag nicht verhandelt werden sollte

Wie absurd geht es eigentlich in diesem Staat zu? Da wird der Prozess gegen einen 93-Jährigen wegen angeblicher „Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen“ gegen einen damals 17-Jährigen als „wichtig“ eingestuft. Wichtig für wen? Der Prozess, der allein schon eine Farce ist, bewirkt nur eins: einen weiteren Zulauf zur AfD und eine weitere Zunahme des Antisemitismus. Auch der Ausgang des Prozesses dürfte schon klar sein, bevor er überhaupt begonnen hatte. Ein weiterer Baustein zum Zweifel an unserer nicht hoch genug einzuschätzenden Demokratie.

Rüdiger M. Wöllert

Ein Gedicht

16. März: Wie schwer wird das Virus die Wirtschaft befallen? Börsencrash, Pleiteangst, Kurzarbeit – Europa droht wegen Corona in eine Rezession zu rutschen

Zutreffend weist Matthias Iken auf den „Schwarzen Schwan“ hin, mit dem der gebürtige libanesische Essayist Nassim Nicola Taleb in der wissenschaftlichen Debatte erstmals ein Ereignis bezeichnete, „das extrem selten und sehr unwahrscheinlich ist – im Falle seines Auftretens aber alles verändert“. Das erleben wir im Augenblick tatsächlich mit dem Corona-Virus. Kann man angemessen davon sprechen, ohne Verse zu bemühen? So sei es gewagt:

Kennst du ihn, den Schwarzen Schwan?

Sieh’s Corona-Virus an:

Unwahrscheinlich, unerwartet

hat den Anflug es gestartet;

hat zur Landung angesetzt,

näherkommend hier und jetzt -,

alles (ohn‘ schon zu ermatten)

weltweit düster zu umschatten…

Klaus Lutterbüse