Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. März 2020

Ansteckungsmöglichkeiten

12. März: Corona: Hamburg verbietet alle Großveranstaltungen

Großveranstaltungen werden abgesagt, aber bei viel kleineren Menschenansammlungen ist die Übertragungsgefahr viel größer: Was ist mit Bäderland? Müssten nicht auch Schwimmbäder und Saunen sowie alle Fitness-Center geschlossen werden? Nicht die Anzahl an Personen ist maßgebend, sondern wie eng die Tuchfühlung an den jeweiligen Orten ist. Demnach müsste insbesondere der gesamte ÖPNV eingestellt werden. Niesen und Husten in Bahn und Bus, Haltegriffe, die jeder anfasst – ideale Ansteckungsmöglichkeiten!

Jochen Ebert

Quarantäne für Rückkehrer

13. März: Skiurlauber bringt Virus aus Ischgl nach Hamburg mit. Verdacht: Corona breitet sich in Après-Bars aus. Hansestadt lässt Tirol als Risikogebiet prüfen

So nahe beieinander liegen in Corona Zeiten Verantwortungslosigkeit und Verantwortung. Da gibt es tatsächlich doch Leute, die vor einer Woche noch in ein Fast-Risiko-Gebiet zum Ski-Spaß gereist sind, und dann nach Hamburg zurückkehren: wie verantwortungslos! Und: wie verantwortungsvoll die Hamburger Behörden, die angesichts der Rückreisewelle aus dem Skigebieten Österreichs und dem damit sicher verbundenem Ansteigen von Corona Fällen in Hamburg eine gute Entscheidung getroffen haben: die Schulen schließen. Aber im Grunde gehören alle Rückkehrer aus Tirol und Südtirol in Quarantäne, alle.

Dr. Dierk Peters, Bergedorf

Ewiges deutsches Problem

12. März: Zurück aus Italien – und heilfroh. 24-jähriger Reinbeker flog mit Zwischenlandung in Prag nach Hamburg. Kontrollen am Airport gab es nicht

Das ist genau das ewige deutsche Problem: So lange es keinen ‚Befehl‘ gibt, wird nicht kontrolliert, woher die ankommenden Flugreisenden kommen. Bloß keine Verantwortung übernehmen und selbst aktiv werden. Die Flughafenleitung wäre kompetent, wenn sie von sich aus aktiv die Fluggäste befragen würde, die sicherlich volles Verständnis für eine solche Maßnahme hätten. Diese Fahrlässigkeit ist es, die die Zahl der Infizierten in die Höhe treibt und die Suche nach Infizierten erschwert bzw. unmöglich macht.

Gabriele Ebert, Hamburg

Betreuung durch Großeltern

13. März: Wie sich Schulen auf Schließungen vorbereiten

Aktuell werden überall im Bundesgebiet Schulen und Kitas geschlossen. Welch ein Irrsinn. Kinder, die nicht in Kitas oder Schulen betreut werden, landen überwiegend in der Betreuung der Großeltern! Das ist aber genau die soziale Gruppe, die von dieser Erkrankung am schwersten betroffen ist. Wie kann man nur so kurzsichtig handeln. Wer Schulen und Kitas schließt, muss sich auch Gedanken machen, wie die alternative Betreuung aussehen kann, dass heißt: man muss Eltern in die Lage versetzen, die Kinder selbst zu betreuen! Das ist aber offenbar nicht vorgesehen!

Christiane Dornecker

Existenzbedrohend

13. März: Alle staatlichen Bühnen geschlossen

Was für ein scheinheiliges Agieren der Hamburger Regierung in Verkörperung des Herrn Senators Brosda! Die staatlichen Theater werden (zu Recht!) geschlossen, den Privattheatern schiebt er den Schwarzen Peter zu und „appelliert“. Wohl wissend, dass eine Schließung auf freiwilliger Basis ohne finanzielle Absicherung der Verluste für diese existenzbedrohend wäre. Dass daran unter anderem auch Arbeitsplätze hängen, interessiert scheinbar nicht. Wirkliche Verantwortung sieht anders aus!

Gertrud Gerber

Keine Ausfallentschädigung

Brosda hat die staatlichen Theater geschlossen. An die privaten Theater appellierte er lediglich, den Spielbetrieb einzustellen. Das bedeutet jedoch, dass die privaten Theater keine Ausfallentschädigungen bekommen, weil die Schließung ja nicht angeordnet wurde. Für viele kleine und große private Theater sind die mit einer Schließung einhergehenden Einnahmeausfälle jedoch nicht zu kompensieren. Sie würden für immer schließen müssen. Die Politik muss umgehend auch den privaten Theatern Existenz sichernde Maßnahmen zusagen.

Christian Schult

Kostengünstige Lösungen

12. März: Atom-Bauschutt – Nein, danke! Im Norden werden drei Kraftwerke abgerissen. Nur eine Gemeinde ist bereit, strahlungsarme Reste aufzunehmen

Wenn die Strahlung der abgeschalteten Atom-Meilern tatsächlich so gering ist, wie behauptet wird, warum müssen die Gebäude dann überhaupt für immenses Geld abgerissen, durch die Republik gekarrt und auf Deponien verbracht werden? Wenn die Menschen, die in der Nähe eines arbeitenden Kraftwerks wohnten, weitgehend geschützt waren, sollten sie es bei einem abgeschalteten Kraftwerk doch erst recht sein. Man könnte rings um und über die Gebäude nochmals eine dicke Betonhülle bauen, die auch eventuell Reststrahlung fernhält und diese als Aussichtsplattform, Sommerrodelbahn oder ähnliches verwenden. Das wäre in jedem Falle erheblich kostengünstiger, ginge sehr viel schneller und sparte auch drohende Prozesse gegen die Deponierung an anderer Stelle.

Karin Lesser, Rissen

Verantwortungslos

11. März: 1,10 Euro pro Aktie. Hapag-Lloyd erhöht Dividende kräftig

Der Gewinn soll sogleich an die Aktionäre weitergereicht werden. Dies aber ist verantwortungslos. Klüger wäre es, Rücklagen zu bilden, um für die kommenden schlechten Zeiten vorbereitet zu sein. Es würde mich nicht wundern, wenn Hapag-Lloyd bald nach staatlicher Unterstützung rufen würde.

Helfried Dietrich, Norderstedt