Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. März 2020

Leute, geht nicht ins Konzert!

11. März: Senat erlässt Corona-Dekret für Kitas und Schulen

Leute, geht nicht mehr auf Konzerte und Veranstaltungen bzw. zu Fußballspielen! Wartet bitte nicht darauf, bis es verboten wird. Ein paar Monate ohne Konzerte tun doch niemandem weh. Denn damit seid ihr es eventuell, die das Virus zu schnell verbreiten. Geht bitte alle einmal in euch. Und noch eine Bitte an alle Jüngeren: Schützt unsere alten Menschen, denn sie sind vor allem gefährdet. Danke.

Birgit Kraft, Hamburg

Die Schweiz macht es uns vor

Wozu braucht Deutschland einen Gesundheitsminister? Unser Föderalismus ist eine gute Errungenschaft, aber in Krisenzeiten wie zur Zeit eher kontraproduktiv. Herr Spahn gibt Empfehlungen u. a. Großveranstaltungen abzusagen, aber jedes Bundesland jeder Landkreis handelt eigenständig. Dies hat zur Folge, dass Deutschland einem Flickenteppich gleicht. Warum kann in diesen Zeiten im Interesse aller nicht der Föderalismus begrenzt außer Kraft gesetzt werden, und die Anweisungen des Bundesgesundheitsamtes müssen befolgt werden. Die Schweiz macht es uns vor. Besonders interessant dürfte die Lage in Hamburg nach dem Ende der Skiferien am Wochenende werden, wenn jedes unserer Bezirksämter separat entscheidet, was wann, wo und wie stattfindet. Wer überprüft, ob sich die Rückkehrer aus den Risikogebieten freiwillig in eine 14-tägige Isolation begeben und die Schul- und Kita-Kinder nicht zur Schule bzw. in die Kita gehen werden?

Susanne Krebs, Hamburg

Einsatz der Bundeswehr?

Bei dem politischen, journalistischen und gesellschaftlichen Umgang mit dem Coronavirus frage ich mich, warum noch nicht darüber diskutiert worden ist, die Bundeswehr im Inneren einzusetzen und an der Lösung der Coronakrise zu beteiligen. In den Jahren 1978/79 habe ich dort in einer Einheit zur Ausbildung von Sanitätern gedient. In dieser Zeit habe ich erlebt, wie die Bundeswehr eingesetzt wurde, um die Folgen der Schnee-„Katastrophe“ Ende Januar ‘79 meistern. Verständlich, dass man die Corona-Pandemie nicht gern als Katastrophe bezeichnen möchte. Hatte man jedoch nicht während der Ebolakrise ausreichend Zeit, sich Gedanken zu machen, wie die mögliche Ausbreitung eines virulenten Erregers beizeiten eingedämmt und deren Folgen abgeschwächt werden könnten? Es gibt in der Bundeswehr Einheiten, die sich fortlaufend mit einem ähnlichen Szenario beschäftigen und Pläne für eine solche Krise nicht nur in der Schublade liegen haben, sondern diese auch regelmäßig durchspielen und üben. Als niedergelassener Arzt konnte ich beobachten, wie wenig strategisch die Information an die Bevölkerung und die planmäßige Erfassung von Erkrankten durch die Gesundheitsinstitutionen strukturiert waren und immer noch sind. Jeder kann und muss sich so gut wie möglich aus Medien informieren.

Dr. Frank Goebels

Schwierige Situation

11. März: Gewerkschaft: Gastrobetriebe setzen Mitarbeiter unter Druck

Der Gewerkschaft NGG scheint die Tragweite der Corona-Krise für das Gastgewerbe und ihrer Mitarbeiter nicht bewusst zu sein. Das Hamburger Gastgewerbe befindet sich in der schwierigsten Situation seit fast 20 Jahren, seit den 9/11-Ereignissen in New York und eine Normalisierung ist nicht absehbar. Als sehr personalintensive Branche mit einem hohen Anteil an Lohn- und Gehaltskosten sind in bestimmten Fällen zur Existenzsicherung der Betriebe auch Personalanpassungen im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften unausweichlich.

Franz J. Klein, Präsident DEHOGA

Keine panikmachenden Zahlen

11. März: Wird es so schlimm wie in Italien? Merkel zu Corona: ,60 Prozent der Menschen werden damit etwas zu tun haben.‘

Was ist das jetzt wieder für eine Aussage von Frau Merkel: Werden sich 60 Prozent infizieren? Oder betreffen diese 60 Prozent auch Menschen, deren öffentliches Leben durch z.B. Verzicht auf größere Veranstaltungen beeinträchtigt ist? Es fehlen auch Daten über Krankheitsverläufe bzw. Risikogruppen. Soweit ich weiß, ist der Krankheitsverlauf bei gesunden Menschen mit einem guten Immunsystem harmloser als bei Menschen mit z.B. Vorerkrankungen. Hier sollten wir genauer informiert werden, als uns nur panikmachende Zahlen „um die Ohren zu hauen“. Auch verstehe ich nicht, warum nur Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen abgesagt werden sollen, Menschenansammlungen mit z.B. 500 Personen aber nicht.

Michael Liedtke

Was zählt zu seinen Stärken?

11. März: Machtkampf an der HSV-Spitze. Seit Monaten gibt es zwischen Club-Chef Bernd Hoffmann und Sportvorstand Jonas Boldt sowie Finanzvorstand Frank Wettstein heftigen Zwist

Der am HSV Interessierte weiß schon aus der ersten – mit Verlaub – gescheiterten Amtszeit von Herrn Hoffmann, dass Team- und Integrationsfähigkeit wohl eher nicht zu seinen Stärken zählen. Deshalb sind die nun in seiner zweiten Präsidentschaft wieder auftretenden Probleme eigentlich keine Überraschung. An die Spitze des HSV gehört, wie bei anderen erfolgreichen Vereinen, ein Mensch mit Integrationsfähigkeit und (Fußball-) sportlichen Sachverstand – und wenn Letzteres nicht selbst gegeben ist, zumindest die Bereitschaft, den für Sport zuständigen Vorstandskollegen uneingeschränkt zu unterstützen.

Klaus W. Ziegenbein, Hamburg

Realistische Einordnung fehlt

9. März: Wie der Verkehr der Zukunft aussieht. Der Hamburger Wissenschaftler Knut Haase über E-Bikes, Flugtaxis und autonomes Fahren – und warum vieles für Tempo 30 spricht

Es ist sehr begrüßenswert, dass sich das Hamburger Abendblatt regelmäßig vergleichsweise intensiv mit dem Thema Verkehr beschäftigt. Unter der betreffenden Überschrift wäre allerdings eine realistischere Behandlung wünschenswert gewesen. Begonnen wird gerade mit den zwei fragwürdigsten Marginalkomplexen, den E-Scootern und den Flugtaxis. Es folgt eine Einordnung der Zukunft des autonomen Fahrens, die sehr wenig mit derjenigen der führenden Fachleute bzw. Fachinstitute auf diesem Gebiet zu tun hat. Beim Carsharing wäre der Hinweis auf die Notwendigkeit einer strikten Reglementierung geboten gewesen, um die weltweit beobachtete Zunahme des Automobilverkehrs und Kannibalisierung des ÖPNV aufgrund dessen einzudämmen bzw. zu verhindern. Statt vor allem auf die Digitalisierung bzw. „künstliche Intelligenz“ im Straßenverkehr zu setzen, sollte man sich endlich gerade auch in Hamburg zumindest ebenso intensiv auf die intelligente Nutzung der seit Langem verfügbaren analogen Optionen konzentrieren.

Dr.-Ing. Andreas Kossak, Hamburg

Ein Signal an die Schüler

9. März: Der lange Weg zur Schule in der HafenCity. Seit fünf Jahren wird der Schulcampus Lohsepark geplant. Jetzt gibt es Streit um die gesundheitlichen Belastungen durch Bahn- und Autoverkehr

Man hat nicht erst vor fünf, sondern schon vor fünfzehn Jahren versäumt, einen ausreichend und gut positionierten Schulstandort mit zu planen. „Ein Forum zur Quartiers - und Schulplanung hat es nie gegeben“, so Marianne Wellershoff, die Initiativensprecherin. Fast schon symptomatisch ist die Hamburger Wurschtigkeit bei der Gebäude -, Schulhof- und Freiflächenplanung für die Jugend: Pufferzonen zur Abschirmung der Verkehrsadern fehlen, der Fußballplatz wird nur im Mini-Format errichtet, Schulhöfe kommen aufs Dach und der Schulcampus wird eingequetscht zwischen der stark befahrenen Versmannstraße und einer genauso stark befahrenen Bahntrasse. Wie es aussieht, müssen die Planer gar nicht an dem vorgesehenen Standort festhalten, da es eine Alternative am Baakenhöft gibt. Das ist allemal besser, als an der Versmannstraße „mit dem Kopf durch die Wand zu gehen“.

Bruno Brandi