Briefe an die Redaktion: 4. März 2020

Tief enttäuscht

3. März: Wieder wie 2015? Griechenland setzt Blendgranaten und Tränengas gegen Tausende Migranten ein, die an der türkischen Grenze in die EU gelangen wollen

Ich bin entsetzt über den Aufmacher der gestrigen Ausgabe. Sowohl über die Schlagzeile als auch über das Foto. Zumal nicht klar wird, ob dieses Foto von 2015 stammt oder die aktuelle Situation abbildet. Damit stimmen Sie ein in den Chor derjenigen Medien, die das Schreckgespenst „Flüchtlingskrise 2015“ hervorlocken möchten. Ihnen muss klar sein, dass Sie damit die Fremdenfeindlichkeit in diesem Land schüren und den rechten Gruppierungen, allen voran der AfD, in die Hände spielen. Ich bin tief enttäuscht über „meine Zeitung“.

Susanne Blessenohl

Auf Freiwilligkeit setzen

2. März: Coronavirus: Jetzt zwei Infizierte in Hamburg – weitere Fälle im Norden. Erkrankte war am Freitag mit dem Flugzeug aus dem Iran gekommen

Mangels Rechtsgrundlage soll es nicht möglich gewesen sein, die Passagiere die Erfassungskarte ausfüllen zu lassen. Da ist man nachträglich noch dankbar, dass Hamburg während der Flutkatastrophe 1962 einen Innensenator hatte, der fast ausschließlich ohne Rechtsgrundlage Hunderte von Menschenleben gerettet hat. Warum hat die Verwaltung in diesem Fall nicht auf Freiwilligkeit gesetzt? Wer von den Fluggästen hätte sich wohl diesem Anliegen verweigert?

Reinhard Hollunder

Strecke verlängern

3. März: Zweiter Citytunnel für Hamburgs S-Bahn. Großprojekt soll Bahnverkehr verbessern und Hauptbahnhof entlasten. Anschluss an zwei U-Bahn-Stationen und eine neue Haltestelle geplant

Da wird schon wieder nicht zu Ende gedacht. Wo sollen die am Diebsteich endenden Züge abgestellt werden? Bis zu den Arenen im Volkspark ist es vom Diebsteich nur ein Katzensprung. Also Strecke verlängern bis zu den Arenen, und wenn man schon dort ist, auch Lurup anschließen.

Gerd Parlow

Stadtbahn ist günstiger

Mut ja, aber bitte auch Realismus. Hamburg plant den Bau der S 4, S 21 und U 5. Nun hat die Bahn die Überlegung zu einem neuen S-Bahn-Tunnel vorgestellt und erntet Zustimmung vom derzeitigen Wirtschaftssenator. Die genannten Kosten dürften unrealistisch sein, denn diese stammen von der Deutschen Bahn. Und viele Fragen bleiben offen, so zum Beispiel, welche Auswirkung diese Planung auf die U 5 hat. Am Hauptbahnhof und am Stephansplatz müssten beide Projekte koordiniert werden. Bei der U 5 handelt es sich übrigens um ein Wahlgeschenk der SPD aus früheren Legislaturperioden. Noch nicht ganz ausgepackt und mit einem unbekanntem Kostenvolumen, das sollte der Finanzsenator wissen. Auch wenn der Bund immer wieder als Zahlender genannt wird, verbleibt doch ein nicht geringer Teil der Kosten in Hamburg. Überfordert das den Haushalt dieser Stadt? Vielleicht geht es im Fall der U 5 auch eine Nummer kleiner? Eine Stadtbahn ist kostengünstiger, schneller zu bauen, erreicht mehr Hamburger und bringt Autofahrer nachweislich auf die Schiene.

Lutz Achilles

Von Hausbruch nach Altona

Seit vielen Jahren platzt der Hamburger Hauptbahnhof aus allen Nähten. Selbst kleine Lösungen (zusätzliche Treppen und Lifte zu den Bahnsteigen) wurden über viele Jahre nicht realisiert. Doch dann kam Ende letzten Jahres Herr Ferlemann, Schienenverkehrsbeauftragter der Bundesregierung, wie Kai aus der Kiste mit dem Plan, einen viergleisigen Tunnel vom Hauptbahnhof nach Altona zu bauen. Der Senat war offensichtlich begeistert. Dieser Ferlemann-Tunnel ist gesetzt, obwohl noch niemand ernsthaft Machbarkeit und Nutzen begründet hat. Bei der Skizze im Abendblatt fragt man sich, wie tief am Hauptbahnhof gebuddelt werden muss, um an den vielen U-Bahn-Tunneln vorbeizukommen. Und dies nur, damit alle Fernzüge und viele Güterzuge nach Skandinavien mitten durch die Stadt fahren? Ist es da nicht sinnvoller, endlich einen viergleisigen Bahntunnel von Hausbruch nach Altona zu bauen? Die Baustellen würden weit weniger beeinträchtigen. Man hätte eine attraktive S-Bahn-Verbindung aus dem Bereich Süderelbe in den Hamburger Westen, die viele Pendlerfahrten durch den A-7-Tunnel überflüssig machen würde. Es gäbe eine zusätzliche Strecke für den Personenfernverkehr mit Umsteigemöglichkeit im jetzigen Bahnhof Altona auf einem Tiefbahnsteig. Außerdem würde der Güterverkehr nach Skandinavien an der Stadt vorbeirollen. So wäre das Geld aus Berlin wohl besser angelegt.

Jürgen Beeck

Leider passiert nichts ...

3. März: Mitarbeiter von Behörden sind mehr und länger krank. Senat sieht Ursache in den schnell wachsenden Anforderungen der Arbeitswelt

Diese hohen Fehlzeiten könnte sich kein mittelständisches Unternehmen leisten – und sie sind ja nur mit schwersten Erkrankungen erklärbar. In der Privatwirtschaft wären Schließungen notwendig, und Kunden würden sich anders orientieren. Rechnet man noch sechs Wochen Urlaub dazu, verbleiben den Gebäudereinigern noch 37 Wochen zum Reinigen. Entweder man stockt auf oder man lagert aus oder man versetzt die Vorgesetzten in die Lage, den psychologischen Ursachen entgegenzuwirken. Leider passiert weder das eine noch das andere, und so wird das ganze Dilemma auf dem Rücken der Bürger ausgetragen. Wie wäre es, die Maßstäbe der freien Wirtschaft anzusetzen und die Verbeamtung zu beenden? Und wenn dann die Mitarbeiter noch ihre Funktion als Dienstleister für ihren Finanzier (den Steuerzahler) verstehen würden, würden die Fehltage drastisch sinken.

Norbert Herzberg, Pronstorf

Thema Flughafen anpacken

2. März: ,Solche Foulspiele darf es nicht mehr geben‘. SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf über Ärger mit den Grünen, ein Treffen mit der CDU und über den künftigen Umgang mit der Opposition

Wenn man ernsthaft Klimahauptstadt werden möchte und deshalb die Pariser Klimaziele akzeptieren muss, dann gehört vom Bürgermeister schon eine Portion mehr dazu als die bisherigen Verlautbarungen. Denn bis jetzt wird auf der Verkehrsseite vor allem der Autoverkehr thematisiert. Dabei wissen wir doch alle, dass der Flugverkehr in Hamburg der größte CO2-Verbreiter ist und hier die meiste Arbeit zu leisten wäre. Und deshalb muss dieses Thema nun endlich angepackt werden. Denn in der Richtung gibt es vonseiten der SPD noch nichts. Im Gegenteil: Das Thema Flughafen wird seit langer Zeit gar nicht mehr in den Mund genommen, so als hätten wir vielleicht mitten in der Stadt einen grünen Park ohne CO2-Probleme.

Karin Wagner

Hausrecht durchsetzen

2. März: Der Skandal von Hoffenheim

Der Drei-Stufen-Plan der Fifa läuft ins Leere. Kollektivstrafen sind nicht nur unwirksam, sondern erhöhen sogar das Aggressionspotenzial der Randalierer in den Stadien, weil sich so auch der DFB als Feindbild anbietet. Die Bundesligavereine müssen endlich ihr Hausrecht durchsetzen und den Hetzern die Rote Karte zeigen. In jedem Fanblock steht bei den Spielen ein vereinsinterner Ordner mit großem Emblem des Heimvereins auf der Brust und sorgt für Fairplay auf den Rängen. Wenn Zuschauer mit Plakaten oder Feuerwerk gegen die Hausordnung verstoßen, wird der Vorfall gemeldet, und der vereinsinterne Ordnungsdienst markiert in einem kurzen Einsatz die Kleidung der Störer mit roter Farbe, d. h. Jacke, Hose und Schuhe werden mit roter Farbe eingesprüht. Danach kommen die Friedensengel und suchen das Gespräch. Beim Verlassen des Stadions erhalten die Chaoten ein Stadionverbot bei allen Bundesligaspielen, und zum Schluss übernimmt die Polizei die Ermittlungen. Mit diesem Prozedere werden die Täter direkt dingfest gemacht und bestraft. Nur so kann den Ausschreitungen bei den Bundesligaspielen Einhalt geboten werden.

Dirk Adamek