Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. März 2020

Sollte man den ÖPNV meiden?

9. März: Spahn: Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern absagen

Es ist erstaunlich, dass bisher in keiner Weise erwähnt wurde, wie es sich mit dem ÖPNV verhält. Gilt das in diesem Fall nicht? Es ist keine Rede davon, wie hoch die Ansteckungsgefahr in Nahverkehrszügen, U-Bahnen, S-Bahnen und Bussen ist. Wie viele Millionen Menschen nutzen den ÖPNV? Müsste nicht dazu aufgefordert werden, den ÖPNV zu meiden?

Norbert Jünge, Hamburg

Geschichten aus dem Zug

7./8. März: Hamburger KRITiken: Warum eine Fahrt nach Berlin die Augen öffnet

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über die Bahnverbindung Hamburg-Berlin gelesen. Ich fahre diese Strecke berufsbedingt ja sehr oft und könnte viele Geschichten erzählen. Viel Zustimmung erhalte ich von Mitleidenden (Fahrgästen) für folgende Bemerkung: Die eigentlich selbstverständlichen Kriterien für eine gelungene Zugfahrt sind: 1. Zug ist pünktlich (wirklich pünktlich und nicht DB-pünktlich …), 2. Toiletten funktionieren, 3. Bordrestaurant funktioniert, 4. WLAN funktioniert, 5. Waggons stehen in der richtigen Reihenfolge. Es gibt nur ganz wenige Züge, die alle diese Kriterien erfüllen.

Dr. Wieland Schinnenburg, Mitglied des Deutschen Bundestags

Berufsabhängige Unterschiede

7./8. März: Frauen verdienen 3014 Euro, Männer aber 3468 Euro

Männer verdienen im Schnitt 500 Euro mehr als Frauen. Das wäre wirklich eine Ungerechtigkeit, wenn man dabei die gleiche Tätigkeit betrachten würde! Der Einkommensunterschied wurde aber im Schnitt bei allen Berufszweigen festgestellt. In gut verdienenden technischen Berufen der Industrie sind 90 Prozent der Mitarbeiter männlich, im schlecht verdienenden Friseurhandwerk sind diese weiblich. Es handelt sich doch wohl eher um berufsspezifische Einkommensunterschiede. Man könnte es als ungerecht empfinden, dass eine Friseurin nur die Hälfte des Einkommens anderer Berufszweige erreicht. Dieses ist aber eher dem Markt geschuldet, als einer Geschlechterungerechtigkeit. Jeder ist frei darin, sich einen Beruf zu wählen und auch nach welchen Gesichtspunkten dieses erfolgt. Weibliche Schulabgänger haben die gleichen Voraussetzungen einen gut bezahlten Beruf zu erlernen, tendieren aber eher zu Berufen im sozialen Bereich oder im Dienstleistungssektor. Die Bezahlung ist hier eher schlechter und dann ist auch klar, wer zu Gunsten der Familie in Teilzeit arbeitet.

Michael Krohn

Sind das Wertmaßstäbe?

5. März: Straftäter rammt Hamburger Polizeiwagen – Zielfahnder stirbt. 57-Jähriger lag acht Tage im Koma. Seit 1996 war in der Hansestadt kein Polizist mehr gewaltsam getötet worden

Unsere Mehrheitsgesellschaft hat schon eigenartige Wertmaßstäbe. Wir akzeptieren Euphemismen wie „Intensivtäter“ als Bezeichnung für einen Schwerstkriminellen. Wir finden es normal, 5000 Euro pro Monat für einen „unbegleiteten Minderjährigen“ zu investieren und der Witwe dieses Opfers brutaler Gewalt achselzuckend zu sagen: Sieh zu, wie Du klarkommst mit Deinem Kind, kannst ja einfach mal Spenden sammeln. Wir empfinden ca. drei Jahre Knast als angemessene Bestrafung für diese Tat. Und fänden irgendwelche Mahnwachen und Lichterketten in diesem Fall völlig abwegig, denn die gibt es nur nach „Rechter Gewalt“. Und dann wundern wir uns, dass diese „Mehrheitsgesellschaft“ langsam erodiert, weil sich Teile davon politisch umorientieren.

Wolfgang Malota, Hamburg

Umweltpolitik ist verlogen

7./8. März: So sehr schadet Fliegen dem Klima wirklich. Muss man sich schämen, wenn man noch in einen Jet steigt? Wann kommen umweltverträgliche Flugzeuge? Antworten auf die wichtigsten Fragen

Ihr Bericht deckt den Zusammenhang zwischen der exzessiven Zunahme des Flugverkehrs und dem Klimaproblem in sehr klarer Weise auf. Gleichzeitig ist er ein Beleg für die Verlogenheit der Umweltpolitik. Denn der Hauptgrund für das ungebremste Wachstum einer einzelnen Branche auf Kosten der Gesamtheit, auch im globalen Maßstab, liegt in den viel zu niedrigen Preisen im Luftverkehr. Eine solche Preispolitik wird durch die Mitarbeit des Staates, nämlich durch den Verzicht auf eine Treibstoffsteuer und die Mehrwertsteuer auf Flugtickets, aktiv gefördert. Der Staat hätte die Mittel in der Hand diesem Irrsinn, der gleichzeitig eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber den anderen Verkehrsträgern bedeutet, ein Ende zu bereiten. Aber nichts geschieht. Warum? Ist es die Angst vor einer mächtigen internationalen Lobby oder ein unreflektierter Wachstumsfetischismus? Dabei sollte jeder Politiker, gleich welcher Couleur, mittlerweile wissen, dass ein solches „Wachstum“ den Klimawandel weiter anheizt und brandgefährlich wird, vor allem für künftige Generationen. In Hamburg kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Wenn man in 15 Jahren 26 Millionen Passagiere erwartet, also stolze 50 Prozent mehr als heute, so bedeutet das auch, dass man mit erheblichen Steigerungen der Lärmbelästigung rechnen muss, die derzeit schon in Teilen der Stadt unerträglich ist.

Jan Hensmann, Hamburg

Das haben wir oft gehört

7./8. März: ,Wir müssen jetzt der Wirtschaft helfen‘

Also auch Herr Laschet will die Bürokratie in Deutschland abbauen und die Planungsverfahren beschleunigen. Eine lobenswerte Absicht. Aber wie oft haben wir das schon von Politikern jeglicher Couleur gehört? Ich darf daran erinnern, dass vor Jahren Roland Koch gemeinsam mit Peer Steinbrück den Auftrag hatte, genau dies zu tun. Hat jemand je gehört was sie erreicht haben und auf welchen Gebieten sie erfolgreich waren? Ich kann mich nicht erinnern. Einige Jahre später erhielt Edmund Stoiber in Brüssel eine Sonderaufgabe, die Bürokratie und Verfahrensabläufe in der EU zu durchforsten und wenn möglich zu straffen und zu verbessern. Mitarbeiter wurden ihm für diese wichtige Aufgabe zur Seite gestellt. Hat jemals irgendjemand etwas über das Resultat dieser Bemühungen gehört? Was wurde erreicht? Viele Wirtschaftsverbände stöhnen über die Flut der Vorschriften, insbesondere auch die Landwirtschaft. Ganz schlimm scheint es auf dem Gebiet der Krankenhäuser, der Pflegeheime und bei den niedergelassenen Ärzten zu sein, die sich vor geforderten Dokumentationen nicht retten können. Dadurch fehlt ihnen die Zeit, sich ihren Patienten zuzuwenden. Es scheint so zu sein, dass das Heer der Beamten, die diese Vorschriften erarbeiten, mehr Macht im Staate haben als es der Gemeinschaft guttut. Alle Parteien sollten endlich alarmiert sein und es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben sehen, diesen Missstand möglichst zu beseitigen oder mindestens zu vereinfachen.

Ekkehard Below

Wessen perfekter Liebling?

4. März: Was Philipp Amthor besser macht als Friedrich Merz … und wie er und Christoph Ploß sich die Zukunft der CDU vorstellen. ,Schwiegermutters Lieblinge‘ zu Gast bei Entscheider treffen Haider

Mit seinen Äußerungen tut Herr Amthor genau das, wovor besonnene Politiker warnen: Vorurteile bedienen und Staatsverdrossenheit fördern. Er beklagt, dass Wähler sofort bestraft würden, wenn die Steuererklärung zu spät abgegeben werde und dass der Staat nicht schnell genug durchgreife, wenn es um die Ausreisepflicht von Ausländern gehe. Gerade er als Jurist sollte wissen, dass es sich im ersten Fall nicht um eine Strafe handelt, sondern um einen Verspätungszuschlag, weil die Finanzämter in ihrer Arbeit behindert werden und dass der Staat sich sehr wohl um die Abschiebung ausreisepflichtiger Ausländer kümmert, dies aber oft nicht so schnell gelingt, weil das Heimatland nicht mitspielt. Mit dieser Unterscheidung zwischen schlecht behandelten Deutschen und Ausländern, denen zu nachsichtig begegnet wird, bedient er die Argumente rechter Populisten. Er wäre so der perfekte Liebling einer AfD-Schwiegermutter.

Barbara Dickow