Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 3. März 2020

Die Fans sind die Verlierer

2. März: Verspielt der HSV den Aufstieg?

Obwohl mit Dieter Hecking der erfahrenste Trainer seit Ernst Happel geholt wurde, verläuft die Saison noch schlechter als die letzte. Die Konsequenz ist schon heute absehbar: wieder kein Aufstieg, deutliche Reduzierung der Einnahmen, weitere Schwächung der Mannschaft durch notwendige Verkäufe von Spielern und damit immer weiterer Abstieg ins Mittelfeld der zweiten Liga (oder gar noch weiter). Es ist zum Verzweifeln! Wenn es schon gegen Gurkentruppen wie den FC St. Pauli und Erzgebirge Aue zu saftigen Niederlagen kommt, hat die Mannschaft aber auch nichts in der ersten Bundesliga zu suchen. Die fehlende Qualität und mangelhafte Einstellung der Spieler ist deutlich zu erkennen. Und das ist leider nicht neu beim HSV. Von außen betrachtet sieht es so aus, als hätten die Herren Millionäre keine Lust auf ihren Beruf. Warum auch? Dann zieht man eben weiter zum nächsten Club, bei dem man sich das Konto füllen lässt. Die vielen Anhänger mit normalem Einkommen, die Wochenende für Wochenende mit ihrem Verein fiebern und teilweise Hunderte Kilometer reisen, um die Mannschaft zu unterstützen, sind die wirklichen Verlierer dieser Mentalität.

Holger Herold, Königsbrunn

Ein Knipser muss her

Warum spielt der HSV in der zweiten Bundesliga? Weil er da tatsächlich auch von der Leistung her hingehört. Mit Dieter Hecking hat der HSV seit langem wieder einen sehr guten Trainer, der aber auch die finanziellen Totalschäden von Beiersdorfer und den lang laufenden Ab-findungen, beziehungsweise den Verträgen seiner Vorgänger zu spüren bekommt. Ohne einen Knipser im Sturm, der auch einen Namen hat und nicht erst aufgebaut werden muss, wird es nicht klappen. Schon vor der zweiten Liga hatte der Verein mehr Dusel als Können, sonst wäre er schon die dritte Saison in der selben Liga wie der FC St. Pauli. Selbst wenn der HSV es schaffen sollte, muss spätestens dann kräftig investiert werden, damit der Verein kein Fahrstuhlverein wird.

Frank Bogdan

Das Urteil ist ein wahrer Segen

29. Februar/1. März: Leserbrief der Woche: Sterbehilfe-Urteil verfehlt und 27. Februar: Bundesverfassungsgericht erlaubt Sterbehilfe

Sicherlich wird von Politik und Kirche ein Rahmen gefunden werden, wie z.B. Erstberatung, Bedenkzeit, Zweitberatung, der davon abhalten kann, unüberlegt zu handeln. Für viele Menschen, die sehr überlegt für sich entschieden haben oder entscheiden, wie sie ihr Leben nicht leben möchten, ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ein wahrer Segen. Mit meinen jetzt 72 Jahren weiß ich genau, wie ich mein Leben nicht leben möchte. Ganz sicher nicht in der Pflege mit all ihren Facetten. Jeder, der Menschen in der Pflege bis zum Tod begleitet hat, weiß, wovon ich spreche. Das Leben, dass ich heute leben darf, werde ich genießen, so lange ich kann. Wenn die Pflege droht, möchte ich mein Leben so beenden können, wie ich es möchte. Und das kann ich jetzt. Dafür bin ich sehr dankbar, weil der Tod nun freundlich kommen kann, wenn ich mein Leben gelebt habe und nicht mehr mag.

Gisela Langkamp

Patientenverfügung reicht aus

Es kann doch niemand von irgendjemanden Sterbehilfe verlangen, nur weil er nicht mehr leben möchte. Jeder sollte eine Patientenverfügung haben, aus der hervorgeht, dass man keine lebensverlängernden Maßnahmen möchte, wenn es keine Hoffnung auf Besserung oder Heilung gibt. Kein Arzt wird dann lebensverlängernde Maßnahmen durchführen. Das wäre gegen den Willen des Patienten und damit Körperverletzung.

Renate Sparr

Wahlrecht hat sich bewährt

25. Februar: Eine demokratische Zumutung. Nicht nur für bürgerliche Parteien ist die Wahl ein Desaster – sondern auch für Demoskopen und das Wahlrecht

Herr Iken bezeichnet die Wahl zur Bürgerschaft als „demokratische Zumutung“. Dem möchte ich als aktiver Wahlhelfer aus meiner Erfahrung entgegnen: Alle Wählerinnen und Wähler bei uns waren sehr diszipliniert und aufmerksam. Sie nahmen ihre demokratische Verpflichtung sehr ernst. Ich habe auch keine Klage über ein unzumutbares Wahlsystem gehört. Niemand äußerte, dass ihm zehn Stimmen zuviel des Guten waren. Vielmehr nahmen viele die Möglichkeiten wahr, mehrere Listen und darunter ihre Kandidatinnen und Kandidaten zu wählen, und eben nicht nur die von den Parteien vorgegebenen Landeslisten. (...) Es wird immer wieder die hohe Zahl an ungültigen Stimmzetteln beklagt und auf das komplizierte Wahlsystem zurückgeführt. In meinem Wahllokal gab es bei hoher Wahlbeteiligung lediglich eine einstellige Zahl an ungültigen Stimmzetteln und somit weit weniger als besagte drei Prozent, wobei hier auch noch die meisten ganz ohne Kreuze waren, also eigentlich eine Wahlenthaltung darstellen. (...) Über die Heilungsregelung an sich lässt sich streiten, sicherlich wäre das Wahlsystem nicht weniger verfassungskonform ohne Heilungsregelung. Diese ist nur eine unbedeutende Regelung im gesamten Wahlsystem, jedenfalls waren bei uns wieder nur sehr wenige Stimmzettel davon betroffen. (...) Schließlich der Unmut über die falschen Hochrechnungen der Meinungsforschungsinstitute am Sonntagabend, die aber auch aus fehlerhaften Daten keine korrekte Vorhersage treffen können. Übrigens ist den Parteien das Wahlrecht viel mehr ein Dorn im Auge als uns Wählerinnen und Wählern, weil deren Einfluss auf die Personen in der Bürgerschaft gesunken ist. Verständlich, dass da jedes Argument mit Begeisterung aufgegriffen wird, zumal wenn es von scheinbar berufener Stelle, vom Abendblatt befeuert wird. Mein Eindruck ist: Das Wahlrecht hat sich im Großen bewährt, und wenn die Auszählung am Sonntag abgeschafft und am Montag in einem Rutsch in einem ausgeruhten und konzentrierten Team durchgeführt wird (ob mit oder ohne Heilungsregelung), werden die meisten von Herrn Iken aufgeführten Argumente wie von Zauberhand verschwunden sein.

Bernd Wittmann, Bahrenfeld

Einige gute Ideen

29. Februar/1. März: Als Autos unter der Alster fahren sollten. Vor 50 Jahren einigte sich Hamburg mit dem Bund auf den Bau eines Netzes von Schnellstraßen durch die Stadt. Matthias Iken erinnert daran, warum es anders kam als geplant

Einige dieser Ideen finde ich gar nicht schlecht. Was wäre Hamburg z.B. ohne die damals zum Glück schon im Bau befindliche A7 samt Elbtunnel, die heute von täglich 120.000 Fahrzeugen passiert wird, wenn diese Fahrzeuge durch Hamburg und über die Elbbrücken fahren müssten? Wie viel schöner wäre es für Hamburg, wenn die damals geplante Tangente von der A7 zur A1 gebaut worden wäre? Wie viel schöner wäre es für viele Hamburger, wenn der damals geplante „Düsenflugplatz Kaltenkirchen“, über den ja immer mal wieder diskutiert wird, gebaut worden wäre? Wie viel schöner wäre es für Hamburg, wenn die „Ost-West-Straße“ – heute „Willy-Brandt-Straße“ – als unterirdische Stadtautobahn (darüber wird ja heute schon wieder diskutiert), gebaut worden wäre? Es gibt eine Menge Beispiele, besonders die unterirdischen, die die „Staustadt Hamburg“ heute stark entlasten würden, sowohl im Bezug auf Abgasbelastung als auch Lärm, aber solche Dinge sind ja heute leider unbezahlbar.

Hans-Joachim Schwart

Ein Zipfelchen Macht

28. Februar: ,Diese Partei hat mehr verdient‘. Hamburger CDU arbeitet Wahldebakel auf – und diskutiert vorsichtig über die künftige politische Ausrichtung

Der Chef der CDU-Jugendorganisation Junge Union (JU) Philipp Heißner beklagt, dass „Autofreies Ottensen“ und die „Eimsbüttler Verkehrswende“ die CDU massiv Stimmen gekostet hätten. Würden die Christdemokraten das ernst nehmen, müssten sie die Bündnisse in Altona und Eimsbüttel kündigen. Das tut die Partei aber (noch) nicht, weil ihr das Zipfelchen Macht, welches ihr die Grünen gewähren, wichtiger ist als die eigene Glaubwürdigkeit.

Ernst Christian Schütt, Lokstedt