Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. März 2020

Kostenfrei Hände waschen

29. Februar/1. März: Erster Corona-Fall – wie Hamburg reagiert. Gesundheitssenatorin: Hansestadt sehr gut aufgestellt

Die Forderung der Gesundheitssenatorin, man solle sich wegen der Ansteckungsgefahren die Hände waschen, ist richtig. Aber: Man braucht Wasser, um sich zu waschen. Weder in den Bahnhöfen oder an den Bushaltestellen, noch in den Supermärkten, auf den Plätzen und Straßen oder auch im Rathaus gibt es die Möglichkeit, sich frei zugänglich und kostenfrei die Hände zu waschen. Die Toiletten in Bahnhöfen und Läden sind rar und zudem nicht kostenfrei. Hunderttausende Menschen bewegen sich deshalb in der Stadt, ohne sich nach der Busfahrt, zwischen dem Einkaufen, vor oder nach Begrüßungen oder auch nach einem Niesanfall die Hände waschen zu können. Wenn der Staat Forderungen an die Menschen stellt, ist er verpflichtet, die Möglichkeiten zu schaffen diese auch einzuhalten. Das bedeutet, dass die Stadt Hamburg in der ganzen Stadt für alle kostenfrei zugängliche Möglichkeiten zum Händewaschen schaffen muss und außerdem die öffentlichen Unternehmen wie Hochbahn, S-Bahn und Hadag ebenso wie Privatbetriebe, Supermärkte, Imbissstuben und Ladenketten verpflichten muss, dasselbe zu tun. Jetzt mit einem Sofortprogramm und nicht irgendwann.

Michael Rothschuh

Zu wenig Kontrolle

Wenn man unsere Minister so hört, ist alles sicher. Weiß Herr Spahn eigentlich, wie der Alltag aussieht? Passagiere aus Norditalien spazieren ohne Kontrolle aus dem Flughafen, ein Arzt kommt aus einer belasteten Region in Norditalien aus dem Urlaub und geht am nächsten Tag ohne Kontrolle in die Uni-Kinderklinik und setzt dort viele Ärzte, Pfleger, Patienten und Eltern 14 Tage außer Gefecht, weil er das Corona-Virus eingeschleppt hat. War er auf dem Mond im Urlaub? Es übersteigt mein Fassungsvermögen. So werden wir das Virus in den nächsten Monaten nicht besiegen.

Renate Clausen

Westen komplett eingeknickt

29. Februar/1. März: Erdogans Militärabenteuer. Der türkische Präsident riskiert mit dem Syrien-Feldzug einen Großkonflikt

Dem Artikel zu Erdogans Militärabenteuer kann man nur zustimmen. Er verdeutlicht allerdings nicht hinreichend, dass der Westen gegenüber Erdogan bereits komplett eingeknickt ist. Während vor kurzem noch klar war, dass Nato, EU und Deutschland die Türkei in ihrem Angriffskrieg nicht unterstützen, wurden gestern sowohl von der Nato als auch von deutschen Politikern ganz andere Signale gesandt. Vermutlich aus Angst vor einer Grenzöffnung. Hier wird ein weiterer Krieg zwischen den beiden großen islamischen Blöcken wie auch im Jemen geführt. Erdogan bekämpft Assad nicht aus gutmenschlichen Gründen, sondern weil er dem schiitisch-alevitischem Lager angehört. Es waren auch keine türkischen Soldaten, die bei dem Luftangriff umkamen, sondern sunnitische „Rebellen“, die wir früher dem IS zugerechnet haben. Der Westen sollte sich aus diesem Religionskrieg heraus halten.

Jürgen Schmidt

Mit zweierlei Maß gemessen?

29. Februar/1. März: ,Wir können die Flüchtlinge nicht mehr halten‘. Militärische Konfrontation zwischen der Türkei und Russland in Nordsyrien. Erdogan droht Europa mit Öffnung der Grenzen

Leidtragend ist, wie immer bei militärischen Auseinandersetzungen, die Zivilbevölkerung, die notgedrungen aus dem Kampfgebiet flüchtet. Sowohl die Nato, als auch die EU schauen hilflos zu. In dem doch ähnlichen Fall der Besetzung der Krim und der kriegerischen Auseinandersetzung im Donbass, war „der Westen“ schnell bereit, Sanktionen gegen den Aggressor Russland einzuleiten. Wäre nicht eine ähnliche Vorgehensweise gegen das Eingreifen der Türkei angebracht, oder gilt in diesem Fall der Satz „wenn zwei das Gleiche tun, so ist es noch lange nicht dasselbe“? Und wäre es nicht endlich angebracht, die Milizen der Separatisten mit Nachdruck aufzufordern, die Kampfhandlungen einzustellen und Syrien zu verlassen. Viel menschliches Leid wäre damit verhindert. Der Wiederaufbau des Landes könnte endlich beginnen und damit auch das „Flüchtlingsproblem“ eine Lösung finden.

Peter Böttcher, Glinde

Aufbau durch SC Victoria

27. Februar: Puan Klent wird zum Dünendorf. 100 Jahre altes Jugendheim auf Sylt soll umgestaltet werden

In ihrem Bericht vermisse ich den Hinweis auf den maßgeblichen Einfluss des SC Victoria Hamburg auf den Auf- und Umbau des Erholungsheims im Jahr 1920. Es war Victorias ehemaliger Vorsitzender (bis 1919) Max Henry Schubart, der in jenem Jahr ehrenamtlich den Vorsitz des Hamburger Jugendverbandes innehatte, und es waren zunächst ausschließlich junge Victorianer, die, nachdem sie aktiv am Umbau des Heims mitgewirkt hatten, im selben Jahr ersten Einzug in das Heim hielten. Und nach dem Zweiten Weltkrieg nahm erneut Max Henry Schubart den Umbau in Angriff, nachdem das Heim im dritten Reich von der HJ requiriert worden war. Wenn auch nicht in dieser Ausführlichkeit, so wäre doch ein kurzer Hinweis auf das Wirken des SC Victoria für Puan Klent wünschenswert gewesen.

Heiner Helmke,

2. Vorsitzender SC Victoria Hamburg