Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Februar 2020

Gesunden Verstand nutzen

11. Februar: Deutschland, eine hysterische Republik. Irgendwie spielen derzeit alle verrückt: Die CDU, die Thüringer Parlamentarier, Corona-Angst – und ,Sabine‘

Matthias Iken hat es in seinem „hysterischen“ Essay mal wieder auf den Punkt gebracht. Thüringen, „Sabine“ und Corona sind keinesfalls zu bagatellisieren, sollten aber auch nur das sein, was sie sind, nämlich Vorwarnungen. Aufgrund dieser hätte ich meinen Balkon und die Fenster besser „taifuntauglich“ vernagelt. Auch die Berichte über das Coronavirus beachte ich, habe aber die Grippe mehr im Focus und lasse mich deswegen sinnvollerweise rechtzeitig impfen, trotz eventueller Impfrisiken. Anstatt aus jeder Tickermeldung ein „Riesenbuhei“ zu machen, sollte man sie kritisch beurteilen, nicht außer Acht lassen, aber seinen gesunden Verstand benutzen. Der Kopf ist nicht nur dazu da, einen Hut draufzusetzen.

Elke Wegner

Hysterie verzögert Lösungen

Vielen Dank, Herr Iken, für Ihre zutreffende Beschreibung des Zustandes der Medienlandschaft in diesen Tagen. Artikel wie dieser und auch das Foto dazu zeichnen eine seriöse Zeitung aus. Aufgeregtheit und Hysterie, das wissen Menschen mit Berufserfahrung in Gefahrberufen, stören nicht nur bei der Lösung von Problemen mit Windstärken und Wasserständen, wie wir sie – regelmäßig wiederkehrend – erleben. Und was den politischen Bereich betrifft, stellt sich die Frage, was wir in der heutigen Medienlandschaft bei der Wiederholung von Ereignissen, wie den Sturmfluten von 1962 und 1976 oder dem RAF-Terror, wohl erleben würden.

Uwe Hansen

Parteien, haltet zusammen!

11. Februar: Thüringer Parteien suchen weiter Wege aus der Krise

Zum Fall „Kemmerich-Thüringen“ ist viel geredet und geschrieben worden. Und jeder Kommentar ist um Erklärungen und Statements bemüht. Meist sind es Entschuldigungen, Erklärungsversuche oder Schuldzuweisungen. Aber was hilft das alles? Antwort: nichts. Treten wir gedanklich gemeinsam einen Schritt zurück, dann erkennen wir das Muster einer einzelnen, rassistisch-faschistischen, antidemokratischen Partei, die auf demokratischem Wege legal und fehlerlos politisch an Boden gewinnt. Dieses Muster kennen wir aus der Geschichte unseres Landes. Die Wählerinnen und Wähler dieser Partei erkennen leider das Muster nicht, ebenso wenig die möglichen Folgen einer Art nationalsozialistischer Schreckensherrschaft. Nie wieder! Und obwohl Politiker aller anderen Parteien unsere Geschichte kennen, arbeiten sie immer noch entweder für sich persönlich oder für den Landesverband ihrer Partei und dann eventuell auch im Sinne ihres Bundesparteivorsitzes. Für alle Politikerinnen und Politiker kann und muss es in diesen Stunden nur ein einziges Ziel geben: Der Zusammenhalt aller antifaschistischen Parteien. Und dabei ist es für unser Deutschland vollkommen gleichgültig, wer mit wem zusammenarbeitet. Denn es gibt definitiv keine Alternative. Deutschland bleibt Deutschland, aber bitte mit scharfem Blick, viel Mut, klarem Verstand und einem gemeinsamen Ziel ohne Sandkastenspiele.

Hannes Westphal

Die Linke ist antikapitalistisch

10. Februar: Die Selbstfesselung. Die CDU hält zu AfD und Linke die gleiche Distanz. Das ist politisch zu kurz gedacht

Wenn die CDU jetzt von allen Seiten kritisiert wird, dass sie Die Linke und die AfD gleichermaßen als Parteien des politischen Randes ansieht, sollte man sich ins Gedächtnis rufen, was Die Linke zur letzten Bundestagswahl als Wahlprogramm verabschiedet hat. Da wird als zentrales Ziel die Abschaffung/Überwindung des kapitalistischen Wirtschaftssystems formuliert. Dieses Ziel ist mit der Verfassung kaum vereinbar. Von daher ist die CDU gut beraten, sichtbaren Abstand zur Linken zu halten. Ansonsten verliert sie ihren Markenkern als Partei der sozialen Marktwirtschaft mit unabsehbaren Konsequenzen für das Wahlverhalten der bisherigen CDU-Wähler. Die weitere Stärkung des rechten Randes stünde da wohl zu befürchten.

Bernd Plath, Hamburg

Dreckige Manipulation

8./9. Februar: ,Das wird die FDP aus der Bürgerschaft schwemmen‘. Die indirekte Kooperation von FDP und CDU mit der AfD dürfte laut Experten auch die Hamburg-Wahl stark beeinflussen

Warum hat der Gesetzgeber keine Möglichkeit dagegen vorzugehen, dass eine Partei – in diesem Fall die AfD – einen eigenen Kandidaten nominiert, um ihn dann nicht zu wählen. Für eine so offensichtliche, dumm-dreiste Manipulation fällt mir nur eine Vokabel ein: dreckig!

Regine Ulbrich, Buchholz

Schnell Maßnahmen ergreifen

10. Februar: Straßen voll Schrottautos – Bezirk machtlos

Die geschilderte Problematik wird mehr als zurecht thematisiert. Wird die Vermüllung der Stadt durch viele Bürger in Eigeninitiative und der Stadtreinigung beständig reduziert, ist man bei den missbräuchlich abgestellten Fahrzeugen, persönlich in einer nachteiligen Situation. Die angeführten Bereiche wie Hammer Deich/Großmannstraße und Umgebung geben ein katastrophales Bild ab. Nicht nur das Belegen von Parkräumen, auch das tägliche, selbstverständliche Zustellen von Fuß- und Fahrradwegen ist ein nicht hinnehmbarer Zustand. Es sind eben auch nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern der begleitende Müll, sowie abfallende bzw. abgeschraubte Teile, die dann einfach liegen bleiben oder zur Seite gestellt werden. Über Monate stehen Fahrzeuge im Grevenweg, wahrlich keine Ausnahme. Es sollten gravierende, nachhaltig wirkende Maßnahmen ergriffen werden, damit sich die praktizierte Selbstverständlichkeit nicht endlos manifestiert, und so etwas wie Gewohnheitsrecht daraus abgeleitet wird.

Andreas Scholz

Konzept nur für Gesunde

8./9. Februar: Weniger Autos, mehr Grün. Von der SPD geführte Stadtentwicklungsbehörde stellt Konzept für eine attraktivere Innenstadt vor

​Ich bin empört darüber, dass unsere Stadt systematisch umgebaut werden soll für die Belange gesunder Menschen. Auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen haben das Recht, die Mönckebergstraße aufzusuchen, sei es um einen Arztbesuch zu tätigen oder eines der vielen Geschäfte aufzusuchen. Niemand ist freiwillig mit dem Rollator unterwegs. Aber diese Menschen sind darauf angewiesen, dass ein Bus direkt vor der Arztpraxis bzw. dem Geschäft hält. Da ist es nicht akzeptabel, auch nur darüber nachzudenken, die Buslinien von der Mönckebergstraße auf die Steinstraße zu verlegen. Die Entfernungen sind für gesunde Menschen klein, aber für Mobilitätseingeschränkte unüberwindlich. Das ist Ausgrenzung einer ganzen Menschengruppe und hat mit Inklusion nichts mehr zu tun.

Gabi Isbarn

Religion oder Tradition?

8./9. Februar: Leserbrief der Woche: Verschleiern ist politisch und 4. Februar: Die Unterwerfung. Wer die Vollverschleierung akzeptiert, verleugnet die Werte der Aufklärung

Den Leserbrief von Dr. Karim empfinde ich als authentisch und wichtig. Und doch fehlt mir ein Aspekt: Der Aspekt des impliziten Männerbildes. Die verhüllte Schülerin fühlt sich „erhöht“: Erhaben über die dekadente sexistische deutsche Gesellschaft, wie ich es zuweilen zu hören bekam? Ist das Verhüllen nicht sexistisch? Bei Diskussionen über Kopftuch, Niquab und Burka wird immer wieder betont, dass das so dargestellte Frauenbild nicht in unsere Gesellschaft passt. Doch wir haben in unserer freiheitlichen, gleichgestellten Gesellschaftsordnung auch nicht das Männerbild des „Kerls“, der jedes weibliche Wesen anmacht, das nicht ordnungsgemäß verhüllt ist. Vielleicht sollten Richter etwas klüger zwischen Religion und Tradition unterscheiden. Die freie Ausübung von Religion ist ein Menschenrecht – die Fortschreibung von Traditionen aus Männergesellschaften nicht.

Dr. Ursula Augener