Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. Februar 2020

Veloroute integrieren

5. Februar: Der Vier-Kilometer-Park am Wasser. Senat will für 55 Millionen Euro den ,Alster-Bille-Elbe-Grünzug‘ errichten

Ein super Beschluss des Hamburger Senats, neben ständiger Bebauung und Verdichtung und der damit verbundenen Versiegelung und „Entgrünung“ der Stadt auch mal wieder was für die grüne Lunge zu tun. Hoffentlich mit vielen Neupflanzungen von großen Bäumen. Sehr lobenswert, eine solche Achse quer durch dicht bebaute Stadtviertel zu legen. Aber bitte einen Gedanken weiter denken: In dieses Band von der Elbe zur Alster sollte eine breite Veloroute integriert werden. Gerade für die südlich der Elbe wohnenden Menschen wäre das eine tolle Möglichkeit, in Hamburgs Zentrum zu kommen. Bitte den Plan umgehend umsetzen.

Rolf Wißmann, Seevetal-Maschen

Ein Griff in die Mottenkiste

4. Februar: Der Kampf gegen billige Lebensmittel. Kanzlerin Merkel spricht mit den Handelsketten Lidl, Aldi, Rewe und Edeka über eine bessere Bezahlung der Bauern

Jetzt macht die Kanzlerin die Preise der Discounter zur Chefsache. Von „höheren“ Preisen darf dabei natürlich nicht die Rede sein, von „staatlich verordneten Mindestpreisen“ schon gar nicht. „Auskömmlich“, heißt es, sollen sie sein. Ein Griff ganz tief in die sprachliche Mottenkiste. Verwunderlich nur, dass jahrelang von gleicher Seite auskömmliche Löhne verweigert, dass sittenwidrig niedrige Einkommen geduldet wurden, so dass sich ein Trend zum Zweit-, und Drittjob entwickelte. Jene mit den sittenwidrig hohen Gehältern wird die „Mahnung“ der Kanzlerin nicht treffen.

Norbert Richter

Hohe Folgekosten

Dumpingpreise für Lebensmittel, Hofsterben, Nitrat im Grundwasser, Regenwaldabholzung zur Sojaproduktion zwecks Verfütterung in unserer konventionellen Massentierhaltung, Insektensterben, Artensterben, katastrophale Tierhaltungsbedingungen ... Alles seit langem bekannt. Die Antwort hierauf ist schlicht und ergreifend: Biolandwirtschaft, Ökolandbau! Dann kostet der Liter Milch eben 1,20 Euro. Zuviel? Billiglebensmittel sind teure Lebensmittel, wenn die Folgekosten eingerechnet werden. Für die Biolandwirtschaft gibt es längst Label (auch staatliche). Diese beinhalten u.a. artgerechte Tierhaltung. Darauf weist unsere Landwirtschaftsministerin aber nicht hin, sondern redet von ihrem neuen Tierwohllabel. Sie sollte sich lieber um die Umleitung der Agrarsubventionen von der Fläche auf die Nachhaltigkeit kümmern, dann hätten es auch unsere Biobauern leichter.

Caspar Daniel, Hamburg

Köhlbrandbrücke aufgeben?

5. Februar: Die Angst im Hafen vor den Grünen. Wahltagebuch Teil 11: Warum manche Sozialdemokraten Grün-Rot ausschließen

Der Hafen muss Angst haben vor seinen selbsternannten Freunden, die bedingungslos an der Hafenquerspange festhalten und eine Nachfolge für die Köhlbrandbrücke gefährden. Wenn Gunther Bonz die A26-Ost erklärt mit den Worten „Der Hafen braucht wie der Mensch seine zwei Beine: Die A26 für den äußeren, die Köhlbrandquerung für den inneren Hafenverkehr“ (Bild, 31.1.2020), dann gibt er dem Bund das Signal: Vom Bund brauchen wir kein Geld für die Köhlbrandquerung. Denn wieso sollte der Bund für den inneren Hafenverkehr zahlen? Wenn Wieland Schinnenburg von der FDP fordert, dass die A26-Ost den Hafenverkehr übernehmen soll (Hamburger Abendblatt 31.1.2020), wenn die Köhlbrandbrücke 2030 abgerissen werden oder eingeschränkt werden müsste, gibt er das Signal: Für den Hafenverkehr reicht im Grunde auch die A26-Ost, mit zehn Kilometer Umweg über die Retheklappbrücke. So steht es auch im gerade ausgelegten Planfeststellungsentwurf für die A26-Ost: „Die Verkehrsuntersuchungen zeigen bei Vollsperrung der Köhlbrandbrücke eine vollständige Verlagerung des Schwerverkehrs auf die A 26 im Süden.“ (S.39) Außerdem wird in diesem von der Hamburger Verkehrsbehörde und der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) vorgelegten Erläuterungsbericht geworben: „Aufgrund des aufwendigen architektonischen Konzeptes und der Gestaltung als Schrägseilbrücke ist außerdem davon auszugehen, dass die neue Süderelbquerung als herausragendes stadtbildprägendes Bauwerk vergleichbar mit der Köhlbrandbrücke zukünftig eine Wahrzeichenfunktion für Hamburg übernimmt.“ (S.172) Der frühere Bürgermeister Scholz hatte vor neun Jahren angekündigt, sich um die Finanzierung einer Nachfolge für die Köhlbrandbrücke zu kümmern. Tatsächlich hatte in seiner Politik die A26-Ost durch Moorburg und Wilhelmsburg Priorität, für die Köhlbrandquerung gab es unter ihm und seinem Nachfolger nur ein Gutachten nach dem anderen. Ist der künftige Senat nicht bereit, neu über die A26-Ost und die Köhlbrandbrücke nachzudenken, wird es bald keine auch für den Schwerverkehr funktionsfähige Köhlbrandquerung mehr geben.

Michael Rothschuh, Hamburg

Am Verkehrspuls der Republik

3. Februar: Nie mehr Dreieck Werder? Bei euch piept’s wohl. Der Deutschlandfunk, Erfinder des ,Trillers‘, pfeift auf Verkehrsmeldungen. Wer warnt Hamburg jetzt vor Stau am Kamener Kreuz?

Gepriesen seien das Hamburger Abendblatt und Andreas Hardt für die Anmerkungen zur Einstellungen der Verkehrsnachrichten des Deutschlandfunks. Ich entdeckte vor Jahren schon im Kölner Funkhaus an einer Wand für Anregungen und Beschwerden zahlreiche Zettel von der Hörerschaft, auf denen die Abschaffung gefordert wurde. Tatsächlich waren die Verkehrsmeldungen nach den Nachrichten zeitaufwendig, unvollständig und oft überholt. Und doch fehlen sie jetzt vielen Hörerinnen und Hörern entsetzlich. Man wachte auf und wurde informiert über das Straßengeschehen seines Landes, war verbunden mit den Verkehrsadern und hatte gewissermaßen die Hand am Puls der Republik. Man sah durch eigene Reisen viele Abfahrten von der Autobahn förmlich vor sich, freute sich, diesmal behaglich zuhause und nicht im Stau zu sein, nahm Kenntnis von Gegenständen, Tieren und Menschen auf Abwegen, von allerlei Gefahrgut, das durch die Gegend gepurzelt war. Man fühlte mit den Berufstätigen, den Helfern, den Helden des Alltags. Kurz, man war weniger einsam, war angeschlossen, eingeschlossen, nicht ausgeschlossen. Ich will tagsüber auch in Hamburg wissen, wie es aussieht am Viernheimer Kreuz, in den Regionen um Dresden, Leipzig und Halle. Und ein Stück Heimatkunde ging auch verloren. Dabei hat der Deutschlandfunk doch Heimat schon im Namen. Der Deutschlandfunk beruft sich jetzt auf die Mehrheit der Hörerschaft, wahrscheinlich auch darauf, dass er einen Informationsauftrag hat und keinen fürs Wohlfühlen älterer Leute. Schade eigentlich.

Achim Weers

Twitter braucht kein Mensch

4. Februar: Hass auf allen Kanälen. Kurz vor der Wahl schlägt die Stunde der Trolle. Was Hamburger Politiker im Internet ertragen müssen, ist nicht selten justiziabel und oft primitiv

Die Überschrift in Daniel Herders Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Was einstmals als Beitrag zum sozialen Miteinander gefeiert wurde, hat sich mittlerweile als asoziales Medium gemausert. Genau betrachtet braucht niemand Instagram, Twitter, Facebook oder WhatsApp wirklich, auch wenn diese Dienste ununterbrochen weltweit von Millionen genutzt werden. Heute bricht sich im Netz Bahn, was früher, in der guten alten Zeit ohne Internet, an Biertischen gedroschen wurde. Statt seine abstrusen Ideen schriftlich auf Papier zu fixieren und frankiert oder unfrankiert in einen Briefkasten zu werfen, genügt eine Zeile auf dem Smartphone, das ohnehin jeder ständig in der Hand zu halten scheint, um überall damit herum zu daddeln. Wenn die Politiker auf diese Art des ständigen Präsenzbeweises verzichten würden, sich vielmehr für dessen Verbannung einsetzten, sähe es mit Hassmails (oder auch mit Schulmobbing) besser aus. Das unreife Gerede fände wieder an Biertischen oder in Hinterstuben (oder öffentlich auf dem Schulhof) statt. Doch leider wird es dazu nicht kommen und so wird wohl weiter über Hassmails geklagt werden müssen.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg