Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 31. Januar 2020

Strom importieren?

30. Januar: Kohleausstieg mit vielen Fragezeichen. Regierung beschließt: Kohlekraftwerke sollen bis 2038 vom Netz gehen – nicht nur Klimaschützer sind unzufrieden

Dass der Strom zukünftig aus regenerativen Quellen kommen soll, wissen wir. Was im Einzelnen dafür erforderlich ist, wissen wir nicht. Verblüffenderweise wird darüber nicht gesprochen. Zur Information: Um genau so viel Strom (kWh) zu erzeugen wie ein einziges Atomkraftwerk oder Braunkohlekraftwerk produziert, benötigt man ca. 350 bis 400 Offshore-Windkraftanlagen, das sind vier bis fünf große Windparks oder rund 2000 moderne Onshore-Windkraftanlagen oder über 80 km2 Fotovoltaik-Modulfläche. Reicht die Zeit zum Bau der vielen regenerativen Ersatzkraftwerke aus? Oder werden wir Strom importieren müssen? Diese Fragen müssen ebenfalls beantwortet werden.

Dr. Ing. Friedrich Weinhold,

Norderstedt

Man muss zuhören können...

30. Januar: Wie ein Hamburger das Drama der ,Wilhelm Gustloff‘ erlebte

In meinem Beruf als Krankenschwester bin ich vielen älteren Menschen begegnet, die mir von ihren Erlebnissen aus der Kriegszeit berichtet haben. Dabei war auch eine Frau, die das Schiffsunglück überlebt hat. Das Schlimmste für sie war, dass sie in ihrem späteren Beruf Menschen begegnet ist, die ihre Geschichte nicht glauben wollten. Ebenso hörte ich Geschichten von Menschen, die nicht an Bord der „Wilhelm Gustloff“ gegangen sind, weil das Schicksal es anders wollte oder sie in letzter Minute aus Königsberg fliehen konnten. Man muss nur zuhören. Diese Generation hat so viel zu erzählen und es werden immer weniger, die ein Zeitzeugnis ablegen können. Die Welt braucht Redakteure wie Sie, die diese Geschichten immer wieder in unser Gedächtnis bringen. Danke!

Evelyn Guckes

Architektur überdenken

29. Januar: Bornplatz-Synagoge soll neu entstehen

Dass man erst jetzt ernsthafter an die Wiedererrichtung einer Synagoge denkt und nicht schon vor 50 Jahren, erstaunt mich, denn jüdisches Gemeindeleben wäre einem wieder geschaffenen Zentrum ganz gewiss gefolgt. Was nun aber die Gestaltung eines solchen Hauses betrifft, rate ich von einer zu starken Anlehnung an den einstigen Bau ab. Ich habe schon lange nicht mehr ein derartig scheußlich gestaltetes Gebäude gesehen wie dieses Haus. Ein durch und durch verkitschtes Gebilde, das man auch nicht mit Bezeichnungen wie „Neoromanik“ oder „Historismus“ entschuldigen kann. Die einzigen, das friedliebende Auge nicht beleidigenden Flächen waren die Dachkuppel und die Satteldachflächen. Den Rest darunter sollte man schnellstmöglich vergessen. Ich bin davon überzeugt, dass die jüdische Gemeinde einen Architekten findet, der eine Synagoge errichtet, in welcher sich auch die Kinder und Enkel der heutigen Generation gern versammeln werden – und als Hamburger gern dort hinschauen.

Bernd Wenzel, Buchholz

Ein kleines Zeichen...

Die Synagoge auf dem Bornplatz wieder aufzubauen, ist ein schönes Projekt. Aber eine exakte Kopie des alten Gebäudes wird nicht mehr möglich sein. Im Gegensatz zu ihm steht die Tempel-Synagoge in der Oberstraße noch, nur das Innere ist zerstört. 1930/31 erbaut, wurde sie 1941 von der Stadt übernommen, später vom NDR genutzt. Sie ließe sich renovieren und entweder als Synagoge oder museal nutzen: als kleines Zeichen überfälliger „Wiedergutmachung“.

Dr. Matthias Wegner

Erfolg erzeugt Neid

28. Januar: ,Hau den Lukas‘ heißt heute ,Hau die Grünen‘. Wahltagebuch Teil 5: Warum sich alle auf die Partei einschießen – und wie so Weichen für die Zeit nach dem 23. Februar gestellt werden

Die Grünen bemühen sich seit einigen Jahren um eine andere Kultur der politischen Auseinandersetzung. Sie ist geprägt durch den respektvollen Umgang mit dem politischen Gegenüber und der Versachlichung von Debatten. Ergebnisse dieses Stils lassen sich u. a. in den Regierungen von Schleswig-Holstein und Hamburg beobachten. Die wachsende Zustimmung für die Grünen resultiert sicherlich zum großen Teil aus aktuellen Themen, wie dem Klimawandel, aber eben auch aus der anderen Art der politischen Debatte. Der Erfolg erzeugt gern Neid und Missgunst und einige Politiker lassen sich im Wahlkampf dazu hinreißen, die sachliche Ebene zu verlassen um auf den Gegner einzudreschen. Gerade in Zeiten, in denen Populismus und Vereinfachungen zunehmen, wünsche ich mir von jeder Partei gute Argumente, warum ich gerade sie wählen sollte und weniger die Gründe, warum ich andere Parteien nicht wählen sollte.

Reinhard Freese, Hamburg

Eine hübsche Idee, mehr nicht

29. Januar: Gericht gibt Eilantrag statt: Autofreies Ottensen ist rechtswidrig. Bezirksamt kündigt an: Verbotsschilder werden abgebaut

Bis zum heutigen Tage hat sich mir das „Autofreie Ottensen“ nicht erschlossen. Ich nutze als Fußgängerin weiterhin den Gehweg, gemeinsam mit den Fahrradfahrern. Letztere scheuen sicher das Kopfsteinpflaster der Fahrbahn. Verständlich, doch bin ich es, die als Fußgängerin auszuweichen hat. „Ottensen macht Platz“ ist eine hübsche Idee, mehr nicht.

Bärbel Buch

Autozug auch für Fahrräder?

28. Januar: In Eidelstedt halten ab 2025 die Autozüge. Für 20 Millionen Euro wird dort die neue Verladestation geplant

Lohnt sich das überhaupt, ein Autoreisezug? Wie schön wäre es, wenn ein Autoreisezug Fahrradreisende mitnehmen würde, die auf Fahrradtour gehen und sich bisher mit überfüllten Fahrradabteilen begnügen müssen. Über Nacht ohne Umsteigen nach Südfrankreich zu gelangen, wie herrlich wäre das. Es gibt bestimmt noch viele weitere Ideen.

Heidrun Kuretzky, Borstorf

Dank an die Stadtreinigung

28. Januar: Bezirk fordert mehr Geld für die HafenCity. Politiker befürchten, dass die finanzielle Unterstützung der Umweltbehörde nicht reicht, um Plätze, Parks und Spielplätze zu unterhalten

Zum Thema Stadtmüll gilt wohl: Meckern geht immer, besonders auf hohem Niveau. Es wird von den Meckerern vergessen, dass Menschen da sein müssen, die Müll, Laub, wild hingestellten Sperrmüll, aufgeplatzte, aufgepickte Müllsäcke entsorgen müssen. In Handarbeit und Schichtdienst ab sechs Uhr und jeden Tag wieder. Dafür Danke allen Arbeitenden der Stadtreinigung auf den Straßen und Plätzen. Und: Jeder Bürger kann selbst Müll vermeiden, aufheben oder vor seinem Hauseingang fegen. In Skandinavien gibt es Plogging (Joggen mit Müllsammeln), wie wäre es mit Dogplogging, also eine Hunderunde mit Müll aufheben?

Dr. Susanne Heinrichowski

Sperrung ohne Ersatzverkehr?

28. Januar: Bäume auf Mönckebergstraße gefällt. Dort baut die Hochbahn Fahrstühle zur U-Bahn-Haltestelle. Bezirk will nachpflanzen

Geht's noch? Diese U-Bahnstrecke gibt es seit über hundert Jahren, und bis jetzt ist man immer ohne Fahrstuhl ausgekommen. Der Bezirk will die Bäume zwar nachpflanzen, aber Neuanpflanzungen brauchen Zeit, bis sie alte Bäume ersetzen können. Was beinahe noch schlimmer ist: Wegen dieser Bauarbeiten soll die U3 für 14 Monate unterbrochen werden. Das hatten wir doch gerade erst, als der U-Bahnhof Landungsbrücken aufgerüstet wurde. Nun schon wieder? Für viele Fahrten wird die U3 damit in Gänze uninteressant, und man kann sich mal wieder nach Ausweichmöglichkeiten umsehen. Wegen der Landungsbrücken wurde seinerzeit noch nicht mal ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Und diesmal?

Jochen Ebert