Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. Januar 2020

Eine einmalige Chance

29. Januar: Bornplatz-Synagoge soll neu entstehen

Ein Neubau? Ja! Ein Wiederaufbau der alten Synagoge? Nein! Wir brauchen kein neoromanisches Zitat aus einer Zeit, die mit ihrer Engstirnigkeit, ihrem Nationalismus, ihrer düsteren Spießigkeit der ideale Nährboden für Antisemitismus war. Hamburg hat jetzt die einmalige Chance, eine neue, lichte, den Bedürfnissen des 21. Jahrhunderts gerecht werdende „Leuchtturm“-Synagoge zu bauen. Andere Städte haben es vorgemacht. Und im Innenraum sollte dann der alte Toraschrein der Familie Warburg wieder entstehen.

Michael Heine, Hamburg

Bedrückendes Foto

27. Januar: Warum jeder Auschwitz besuchen soll. Serie, Teil 2: Vor 75 Jahren wurde das KZ befreit. Vier Abendblatt-Redakteure besuchten den Tatort des größten Verbrechens der Menschheit

Das Foto mit dem jubelnden Touristen stimmte mich traurig, auch wenn es leider so passiert. Es ist sehr bedrückend, so etwas zu sehen.

Gerhard Meyer

Unnötige Verkehrssperrung

29. Januar: Gericht gibt Eilantrag statt: Autofreies Ottensen ist rechtswidrig

Vorweg: Ich habe kein Auto und mache alles zu Fuß oder per Bus und Bahn. Aber die Verkehrssperrungen in Ottensen fand und finde ich unnötig: Auf all meinen üblichen Wegen zu Ärzten, Banken und Mercado habe ich in den fünf Sommer-, Herbst- und Wintermonaten bemerkt, dass nur wenige Leute überhaupt auf den Straßen waren. Kopfsteinpflaster ist ja auch nicht zum Gehen gedacht, man knickt leicht um oder stolpert sogar und rutscht aus. Zudem kommen Räder aus beiden Richtungen – man muss also trotzdem aufpassen – und Touristen wollen viel lieber direkt in die Schaufenster und Cafés gucken. Autos konnten immer nur sehr langsam und in eine Richtung fahren, was mich nicht störte.

Julia Berendsohn, Hamburg-Ottensen

Die Leute mitnehmen...

Dankenswerterweise setzt die Rechtsprechung diesem „Versuch“ ein Ende. Die Politik, allen voran die Grünen und die Radfahrlobby, überbietet sich in Aktionen gegen das Auto. Die Leute fahren aber keinen Deut weniger Auto, eher mehr. Die ideologische Verkehrspolitik sorgt mit auf die Fahrbahn gemalten Radfahrstreifen und anderen Maßnahmen für Verkehrsbehinderungen ohne Ende, da wundert mich nicht, das Hamburg wieder mal den Titel „Stauhauptstadt“ hat. Viele Leute reagieren inzwischen auf die „Anti-Auto-Ideologie“ mit Ablehnung, kein Mensch lässt sich gerne zwingen. Und noch immer ist das Fahrrad für viele Leute keine Alternative, sei es, weil sie Gegenstände zu transportieren haben, sei es wegen des Hamburger Schmuddelwetters, sei es wegen der lebensgefährlichen Radfahrstreifen. Wenn es nicht gelingt, die Leute mitzunehmen, beispielsweise durch eine drastische Preissenkung beim HVV, wird das Ziel weniger Autoverkehr nicht erreicht werden.

Sven Witt

Bundeswehr ohne Uniform

29. Januar: ,Dicker, schwächer und dümmer“. Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels klagt über schleppende Reformen, ausufernde Bürokratie – und die Qualität der Bundeswehr-Rekruten‘

Als ich 1960 zur Bundeswehr eingezogen wurde, standen keine Uniformen zur Verfügung, so dass wir in den ersten Tagen in der Kaserne in unseren Zivilanzügen exerzieren üben mussten, eine wahrhaft bunte Truppe. Für uns Panzergrenadiere gab es keine Panzer. Es waren mit Holzlatten und Sperrholz als Panzer verkleidete und mit Tarnfarbe angepinselte Unimogs, mit denen wir Gefechtsübungen simulierten und das Auf- und Absitzen trainierten. Von unseren Ausbildern wurden wir regelmäßig als „Sauhaufen“ bezeichnet. In Bezug auf die Ausrüstung und Planung scheint sich also in den vergangenen 60 Jahren nicht viel geändert zu haben. Die Bezeichnung „Sauhaufen“ trifft inzwischen aber wohl auch auf die obersten Ränge und das Verteidigungsministerium zu, wenn die ihnen anvertrauten Soldaten ohne geeignete Ausrüstung zu gefährlichen Auslandseinsätzen abkommandiert werden.

Rüdiger Horn, Neu Wulmstorf

Warum bleibt das Laub liegen?

28. Januar: Bezirk fordert mehr Geld für die HafenCity. Politiker befürchten, dass die finanzielle Unterstützung der Umweltbehörde nicht reicht, um Plätze, Parks und Spielplätze zu unterhalten

Was in der HafenCity eventuell bald Realität werden könnte, ist in anderen Stadtteilen längst gang und gäbe: Hamburg vermüllt und verdreckt immer mehr. Und das trotz der „Offensive“ der Stadtreinigung vor ca. zwei Jahren. Ich mag in einigen Bereichen schon gar nicht mehr spazieren gehen. Ich kann z.B. nicht verstehen, warum das Laub nicht regelmäßig gekehrt wird. Es liegt dann zertreten und zermanscht bis zum nächsten Jahr an der gleichen Stelle. Dabei könnte man so regelmäßig auch achtlos weggeworfenen Unrat einsammeln. Meiner Meinung nach sollte man die Stadtreinigung besser ausstatten und instruieren. Geld scheint ja genug da zu sein, was man an der wahnwitzigen 120-Millionen-Euro-Förderung der Kampnagel-Fabrik ersehen kann.

Thomas Zimmermann

Die billigste Variante

28. Januar: In Eidelstedt halten ab 2025 die Autozüge. Für 20 Millionen Euro wird dort die neue Verladestation geplant

Wie schön, dass endlich auch einmal über die negativen Begleiterscheinungen der insgesamt noch sehr unausgegoren wirkenden Ansiedlung einer Autoverladung am Standort Eidelstedt diskutiert wird. Dass die Bahn versucht, die zu erwartende Verkehrsbelastung kleinzureden, ist klar: Es ist für sie schlicht die preiswerteste und bequemste Variante. Jeder, der schon einmal vor Ort an den viel zu engen Eisenbahnbrücken an der Elbgaustraße gestanden hat, wird das vermutlich differenzierter sehen. Allerdings ist nicht nur der zusätzliche Verkehr auf der Elbgaustraße ein Problem. Viel gravierender ist schon jetzt der massive Durchgangsverkehr, der von dort durch die umliegenden Wohnstraßen drängt. Fangdieckstraße, Spreestraße, Oderstraße und Franzosenkoppel haben sich zum Beispiel als feste Abkürzungen zur Autobahn etabliert, sie werden teilweise sogar von den Routenplanern empfohlen. Wo dann künftig der überregionale Reiseverkehr zur Autoverladung langfahren wird, lässt sich leicht erahnen. Auf der einen Seite versucht der Bezirk gerade, mit umfangreichen RISE-Fördermitteln den mit erheblichen sozialen Problemen belasteten Stadtteil lebenswerter zu gestalten. Auf der anderen Seite wird dieses Ziel durch die Ansiedlung der Verladeanlage konterkariert und den Bewohnern bedenkenlos noch mehr Verkehrsbelastung zugemutet – Lärm und Luftverschmutzung inklusive. Es ist daher höchste Zeit, hier gegenzusteuern. So wäre es das Mindeste, den Ausbau der abgängigen Elbgaustraßenbrücken durch die Bahn zur Bedingung für die Errichtung der Autoverladung zu machen – verbunden mit einem umfassenden, wirksamen Konzept, um den Durchgangsverkehr aus den umgebenden Wohnvierteln herauszuhalten.

Marion Hellerich

Ist Diebsteich groß genug?

Reicht die geplante Autoverladung in Eidelstedt aus? Diese Frage ist wichtig, wichtiger ist aber eine ganz andere Frage: Reicht der geplante Fernbahnhof Diebsteich aus, um den versprochenen Deutschlandtakt zu stemmen? Denn die Planungen für Diebsteich stammen aus einer Zeit, als von einer Verdoppelung der Zahl der Bahnreisenden noch keine Rede war. Verkehrsstaatssekretär Ferlemann aus Berlin hat vor Weihnachten einen Stein ins Wasser geworfen, als er einen S-Bahn-Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Altona forderte, damit auf der Verbindungsbahn mehr Platz für Regional- und Fernzüge ist. Das wären dann fast doppelt so viele Züge wie bisher. Ist der geplante Bahnhof Diebsteich in seiner heutigen Form dafür ausgelegt? Oder müsste er in ein paar Jahren dann wieder umgebaut werden?

Peter Schönberger