Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. Januar 2020

Radweg: einseitig und erhöht

22. Januar: Elbchaussee-Umbau: Wo Radfahrer auf die Straße müssen. Die Sanierung sorgt für großen Ärger. Weil es an Platz fehlt und der Kauf von Grundstücken zu teuer ist, gibt es an vielen Stellen keinen Radweg

Ich bin entsetzt über den Vorschlag der Behörde, entlang der Elbchaussee einen „Radweg“ zu bauen, der in Wirklichkeit ein lebensgefährlicher Flickenstreifen ist. Tim Schmuckalls (CDU) Idee, nur einen einseitigen, dafür aber durchgängig gestalteten Radweg zu schaffen, halte ich für sehr vernünftig. Hier böte es sich an, stadteinwärts einen Weg zu bauen, der wie in Kopenhagen asphaltiert, leicht erhöht und durch einen Bordstein vom Autoverkehr abgetrennt ist. Die Flussseite ist deshalb geeigneter, weil es dort viel weniger Gefahren durch Rechtsabbieger gibt. Stadtauswärts müssen dann Nebenstraßen benutzt werden. Wenn wir Hamburger entlang der Elbchaussee einen Radweg bauen, dann sollte er auch sicher von Radtouristen genutzt werden können, deshalb plädiere ich unbedingt für einen Bordstein. Was der Landesbetrieb für Straßenbau vorgeschlagen hat, bringt Verwirrung für die Autofahrer und ist für alle Verkehrsteilnehmer schlichtweg unzumutbar.

Kirsten Jancke

Gefährliches Experiment

Beim Lesen des Artikels über den Elbchaussee-Umbau kam mir mein ehemaliges, geradezu selbstmörderisches Experiment in den Sinn: Einen Teil meines Arbeitsweges legte ich mit dem Rad zurück. Ich gab das Experiment aus gesundheitlichen Gründen auf: tagtägliches Herzrasen, gestresst von und zur Arbeit, und jeden Tag der gleiche Alptraum „gleich liegst du unterm Auto.“ Prägend war ein Abschnitt am Friedrich-Ebert-Damm, der wiederholt so aussieht: ein paar Meter Fahrradweg, dann Überführung in den verkehrsberuhigten Mischverkehr (Parallelstraßen mit Autostellplätzen). Und genau an diesen Übergängen übersahen mich tagtäglich Autofahrer, kreuzten selbst den Sperrstreifen beim Übergang des Fahrradweges. Mit anderen Worten: Wechsel der Streckenführung für Radfahrer sind genau die Gefahrenpunkte, die bei einer weisen Verkehrsplanung vermieden gehören. Naiv nahm ich an, dass genau die Grünen am geeignetsten seien, solch eine weise, ökologische Verkehrspolitik voranzubringen. Die Pläne zur Elbchaussee sprechen genau die gegenteilige Sprache: Gefahrenpunkte durch Übergänge ohne Ende, Überholverbote, die zu Frust und auch zu Verstößen führen werden, Fahrradfahrer, die um ihrer eigenen Sicherheit willen, lieber auf den Gehweg ausweichen … Für dieses Chaos lohnt es sich nicht, auch nur einen Cent auszugeben. Dann doch bitte wenigstens in einer Richtung einen durchgängig von der Fahrbahn getrennten Fahrradweg, und wenn es denn gar nicht anders geht, in die Gegenrichtung reinen Mischverkehr (und durchgängig Tempo 30). Dann sind Fahrradfahrer zumindest im steten Blick der Autofahrer.

Mark Michaelis

Eine großzügige Autospur

Die Elbchaussee ist keine Magistrale und soll auch keine werden. Warum kommt niemand auf die Idee, dem Beispiel der Sierichstraße zu folgen? Eine großzügige Spur für Autos, die zeitabhängig die Richtung wechselt, bringt viel Platz für üppige Spuren für Fußgänger und Radfahrer. An ausgewählten breiten Stellen könnte es Möglichkeiten zum Überholen der vielen Touristen geben, die dieser Attraktion eines jeden Fremdenführers langsam cruisend folgen. Der „Durchgangsverkehr“ könnte auf die durchgehend vierspurige B 431 ausweichen.

Lothar Waede

Gestank aus der Aschekuhle

21. Januar: Der Altlasten-Skandal. Die Steuerzahler müssen für Geschäfte von Deponien büßen

Dieser laxe Umgang war in der beschriebenen Zeit gängige Praxis. Den damaligen Politikern, auch Helmut Schmidt gehörte dazu, fehlte einfach die ökologische Vernunft. Gegner dieser Politik wurden mit dem Argument, dass der Umweltschutz ein Jobkiller sei, niedergemacht und häufig als Chaoten beschimpft. Ich habe in meiner Jugendzeit dort in der Nähe von Farmsen gewohnt. Der Gestank aus der Aschekuhle, so wurde sie damals genannt, war schon erheblich unangenehm und ließ erahnen, welche Umweltsauereien dort in der Kuhle, unter staatlicher Aufsicht, begangen wurden. Doch zu irgendwelchen Protesten, wie sie heute von der Bewegung „Fridays for Future“ initiiert werden, waren wir Kinder der Nachkriegsgeneration damals auch aus Erziehungsgründen leider nicht mutig genug. Die Rechnung dieser Umweltsünde (eine von vielen in Hamburg) wurde nun den Erben dieser verfehlten Politik präsentiert. Und der Skandal ist, wenn wir ehrlich sind, dass die Erben der heutigen Politik noch eine viel größere Last zu tragen haben werden.

Jörg Jennrich

Diesel: Sparsamer Verbrauch

21. Januar: Dieselautos werden in Hamburg zu Ladenhütern

Bei weniger Dieselautos würde also auch der Dieselverbrauch sinken und damit, sollte es marktwirtschaftlich zugehen, auch der Dieselpreis. Gerne doch, denn ich fahre einen Diesel 6 und das ohne schlechtes Gewissen. Bei vollem Tank von 55 Litern habe ich eine Reichweite von über 1000 Kilometern, kürzlich bin ich mit 3,9 l/100 km Verbrauch an die Nordsee gefahren. Ich kenne keinen Benziner, der so sparsam und damit CO2-arm fährt. Ende der 70er-Jahre habe ich einen Gold-Diesel gekauft, weil er von der Steuer befreit war – wegen seiner Umweltverträglichkeit. Und noch etwas: Anwohner der HafenCity klagen über ein neues Einkaufszentrum und den zu erwartenden Verkehr. Haben diese Herrschaften schon mal von Kreuzfahrtschiffen gehört? Die Diskussionen und Reaktionen sind hier und da nicht mehr nachvollziehbar.

Michael Klopsch

Anbindung schnell umsetzen

21. Januar: U 4 bis Wilhelmsburg bald unmöglich? BUND: Schneise für oberirdische Anbindung wird zugebaut

Die S/U-Bahnstation Elbbrücken bleibt ein Torso, wenn die U4 nicht schnell den Sprung über die Elbe schafft. Das Gelände der gerade geräumten Wilhelmsburger Reichsstraße stünde für eine oberirdische und damit kostengünstige Trasse für eine U4-Verlängerung nach Wilhelmsburg und Kirchdorf Süd zur Verfügung. Diese Trasse muss schnell gesichert werden. Denn eine oberirdische U-Bahn kostet nur 20 Prozent dessen, was ein U-Bahntunnel kostet. Senat und Baubehörde scheinen aber lieber Tunnelprojekte wie die wenig Sinn machende U5 zu bevorzugen, um möglichst viele Steuermilliarden in den Untergrund zu verbuddeln und erst in zehn bis 15 Jahren die ersten Fahrgäste zu transportieren. Für eine Verkehrswende und im Interesse der Fahrgäste sind aber pragmatische und schnell umsetzbare Lösungen gefragt, wie eine Metrotram in Altona oder eine oberirdische U4 nach Wilhelmsburg-Harburg. Die Fahrgäste wollen Verbesserungen so schnell wie möglich und nicht erst ab 2035.

Michael Jung

Der Klimawandel wartet nicht

22. Januar: Trump, der Amerikator. Wahlkampfbühne in den Schweizer Alpen: Der US-Präsident lobt beim Weltwirtschaftsforum in Davos sich selbst und verärgert Klima-Aktivisten

Wer sich wie Donald Trump die Auswirkungen des Klimawandels noch immer nicht bildlich vorstellen kann und lieber als Optimist weiterwirtschaften will wie bisher, der möge seine Blicke aktuell einmal auf das geschundene Australien richten, das uns einen Vorgeschmack auf mögliche künftige Szenarien liefert: Dort sind Landstriche so groß wie Baden-Württemberg und Bayern auf einen Schlag vom Feuer verwüstet worden. Das heißt: Häuser, Straßen, Schulen, Märkte, Krankenhäuser, Wälder, Wiesen, Tiere und auch Arbeitsplätze gibt es dort nicht mehr. Das kann auch bei uns passieren. Statt Bränden könnten Stürme, Überschwemmungen und Erdrutsche ähnlich katastrophale Auswirkungen haben. Optimist kann da nur noch sein, wer heute Großes ändern will und kann. Der Klimawandel wartet nicht, bis wir alle in Ruhe zu Ende diskutiert haben.

Annelie Kirchner