Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. Januar 2020

S-Bahn ist eine Zumutung

21. Januar: U 4 bis Wilhelmsburg bald unmöglich? BUND: Schneise für oberirdische Anbindung wird zugebaut

Ich fahre die Strecke von Heimfeld bis zum Hauptbahnhof oder Jungfernstieg jeden Werktag zur Arbeit. Was die S-Bahn Hamburg auf dieser Strecke ihren Fahrgästen fast täglich zumutet, ist ohne Worte. Wer sich im Hamburger Senat nicht für eine sofortige Verlängerung der U4 bis nach Harburg einsetzt, sollte mal südlich der Elbe wohnen und jeden Tag die S-Bahn nutzen müssen. Dann würde sich schnellstens etwas ändern.

Tilman Stein

Carsharing: Fatal für Umwelt

20. Januar: Autos raus – das Motto 2020? Es geht nicht nur um den Klimaschutz ...

Alles völlig richtig gedacht, Herr Haider, was fehlt, ist die Absage an das Carsharing. Denn das sorgt nur dafür, dass mehr Menschen für kleines Geld ein Auto benutzen können. Nix mit umweltfreundlich – ob ein Auto einer Person gehört oder „geshared“ wird, macht keinen Unterschied: Es ist ein zusätzliches Auto auf den Straßen und beim Carsharing fährt es sogar viel häufiger als ein privates Auto. Also, Drive Now, Moia und wie sie alle heißen: Wer billiges Autofahren anbietet, tut der Umwelt und dem Verkehr einen Bärendienst. Seriöse empirische Studien aus den USA belegen längst, dass Carsharing für eine exponentielle Zunahme des Verkehrs verantwortlich ist. Es muss endlich Schluss sein mit der Augenwischerei: Autos können nicht das Problem der vielen Autos lösen, das können nur Bahn und Bus und Fahrrad.

Kay Dohnke, Hitzacker

Drei Stunden verschenkt

Ich wünschte dem Autor, dass seine Hoffnungen wahr würden, nur übersieht Herr Haider die Wirklichkeit. Die Fahrzeit im Pkw ist trotz Stau kürzer als die Benutzung des ÖPNV. So benötige ich von meinem Wohnort in die City Nord 60 Minuten, mit dem ÖPNV 150 Minuten. Ich verschenke also täglich drei Stunden meiner Freizeit. Da ich zudem in schmutzigen Waggons mit lauten Telefonierern, zugigen Fenstern und Sitzplatzbelegern konfrontiert werde, vergeht mir die Lust, vom Auto (klimatisiert, mit Radiomusik) auf den ÖPNV umzusteigen. Insbesondere abends vermeide ich Züge, da häufiger lautstarke Gruppen und auch aggressive Mitfahrer die entspannte Heimfahrt unmöglich machen. Zudem macht es einfach Spaß, mit dem Auto zuerst in die Stadt zu fahren, die Einkäufe im eigenen Kofferraum zu verstauen und dann eventuell noch den Tag an der Elbe zu verbringen. Und da können auch andere Taktungen und breite Fußwege nichts bewirken.

Norbert Herzberg, Pronstorf

Kliniken nicht erreichbar

Hoch spezialisierte Ärzte und Kliniken befinden sich gerade im Innenstadtbereich. Praxen und Kliniken wären unbedingt aus einer autofreien Innenstadt zu verlagern, um von den Patienten per Auto erreichbar zu sein, Parkplätze inklusive. Ersatzweise eine Nachweispflicht der Patienten über die Notwendigkeit der Autofahrt einzuführen, käme nicht in Betracht. Diese Nachweispflicht wäre nicht nur ungeheuerlich, sondern eine Diskriminierung älterer Menschen und Mobilitätseingeschränkter.

Annette Kuch

Strafen bei Verzögerungen

20. Januar: 3414 Straßenbaustellen in einem Jahr – aber gearbeitet wird nur tagsüber

Wenn das Vergaberecht nicht erlaubt, Baumaßnahmen sinnvoll zu vergeben, muss es halt geändert werden. Andere Länder können es ja auch. In England beispielsweise wird rund um die Uhr auf Autobahnen gearbeitet. In Deutschland wird erstmal kilometerweit abgesperrt – damit die erste Rechnung gestellt wird. Dann lässt man sich Zeit. Auch, dass es bei Verzögerungen nicht zu Vertragsstrafen kommt, ist unakzeptabel. Dann kann ja der Vertragsnehmer jederzeit Leute abziehen, um sie woanders noch mehr Geld verdienen zu lassen. Bei einer privaten Vergabe undenkbar. Aber der Staat, oder besser die Behörden, haben ja auch keinerlei Leidensdruck.

Jörg Ökonomou

Besonnenheit statt Hysterie

18./19. Januar: Grüne Revolution – oder deutsche Demontage? In der Klimadebatte liegt eine gewaltige Chance für die heimische Wirtschaft. Aber auch eine große Gefahr

Ein sehr guter Beitrag von Herrn Iken zur Versachlichung der Klimadebatte und zur Überwindung der Klimahysterie. „Klimahysterie“ ist tatsächlich eine der Wurzeln vielfältiger Fehlentwicklungen vergangener Jahre und dieses Wort zum „Unwort des Jahres“ zu deklarieren, zeugt von mangelndem Verständnis der Situation. Wenn ich und viele andere von Klimahysterie sprechen, dann leugnen sie nicht etwa den Klimawandel, sie leugnen auch nicht, dass der Mensch vermutlich einen Beitrag dazu leistet, und sie leugnen schon gar nicht den dringenden Handlungsbedarf. Sie prangern aber das an, was fast unausweichliche Folge von Hysterie ist: Kopfloser, orientierungs- und konzeptloser Aktionismus in Einzel- und Detailthemen. Gefragt sind stattdessen wohldurchdachte, langfristige und ganzheitliche Konzepte, denen Hysterie aber keine Chance gibt. Greta Thunberg und andere haben Wichtiges geleistet mit dem Ziel der Bewusstseinsschärfung in der Gesellschaft. Jetzt aber schießen viele über das Ziel hinaus.

Werner Hauschild

Armutszeugnis für Hamburg

21. Januar: Eine Altlast von 191 Millionen Euro. So viel würde es kosten, Wohnungsbau auf der ehemaligen Deponie Neusurenland in Farmsen zu ermöglichen. Wirtschaftlich nicht machbar

Jede Sanierung ist teuer und kostet meist mehr, als wenn man es von Anfang an richtig gemacht hätte. Diese alten Fehler nun auch noch weiter zu überbauen – welch ein Armutszeugnis für eine reiche Stadt, und das in Zeiten von Wohnungsnot und Umweltdebatten. Warum zeigt Kerstan Dressel nicht die rote Karte? Hamburg hat doch schon ganz andere Probleme bewältigt.

Hans-Eduard Lanquillon

Positive Anreize schaffen

20. Januar: Bundespolizei senkt Ansprüche an Bewerber

Die Nachwuchsprobleme der Bundespolizei dürften genauso für die Länderpolizei gelten. Fachkräftemangel gibt es eben nicht nur in der Wirtschaft, der direkten Konkurrenz. Nur da lässt man sich teilweise für den Nachwuchs etwas einfallen. Negativbeispiel: Während man früher bei der Polizei in einer wirklich sehr guten Ausbildung den Führerschein erwarb, ist dieser heute Einstellungsvoraussetzung. Sicher kann man über vereinzelte Testkriterien nachdenken, aber ein Stückchen rückwärts laufen, sollte ein „Cop“ schon können. Und ein bisschen schreiben auch. Jeder Dreizeiler kann als Dokument/Beweis in einem Strafverfahren landen. Und spätestens da wird mangelnde Rechtschreibung nicht nur peinlich. In meiner aktiven Zeit war ich auch mal Lehrer an der Polizeiakademie. Wenn da (so in Einzelfällen erlebt) ein Abiturient nicht mal mit der Word-Korrektur halbwegs anständig schreiben kann, lässt das tief blicken. Die Einstiegsgehälter sind zwar gut, aber die Karriereaussichten haben deutlich nachgelassen. Das polizeiliche Gehaltsniveau insgesamt wurde schon früher nicht nur von Unternehmensberatungen kritisch gesehen. Und über einen nicht unerheblichen Personalschwund bereits während der Ausbildung wird kaum berichtet. Zunehmend unpopuläre Arbeitsbedingungen hängen natürlich auch vom Umfeld ab, die vom Bund deutscher Kriminalbeamter kritisierte mangelnde IT-Ausstattung ist hier nur ein Beispiel.

Holger Schütz,

Kriminalhauptkommissar a.D.

Wieder mal typisch...

20. Januar: Coffee to fly: Zufahrt wird gesperrt. Pilotversuch des Bezirks Nord gilt ab April an Wochenenden. Opposition übt Kritik

Das ist ja wieder typisch für die intelligente und kreative Politik in Hamburg: Sperren und fertig – nächstes Thema.

Joachim Osses