Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. Januar 2020

Konsequenter Vorschlag

18./19. Januar: Mein Vorschlag zur Organspende. Ja, es gibt in dieser Frage kein Falsch oder Richtig. Aber dennoch könnte man das Thema versöhnlich regeln

Hajo Schumacher spricht uns aus dem Herzen. Auch wir finden es konsequent, dass eine Organspende bevorzugt nur erhält, wer selbst zu einer Spende bereit ist. Aus einer Spenderdatei könnte dies gut erkennbar sein.

Ingrid, Karin und Regine Blasius, Wedel

Club für Organspender

Wer in den Genuss von irgendetwas kommen will, muss dafür vorher auch etwas tun oder geben. Sehr oft wird der Gegenwert in Geld umgerechnet. Das scheidet bei der Organspende aus ethischen Gründen aus. Man sollte deshalb einem Verbund beitreten, um im Falle eines Falles die Berechtigung zum Erhalt einer Organspende zu erlangen. Natürlich nicht erst dann, wenn man schon todkrank ist. Dieser Verbund existiert in unserem Land bereits seit vielen Jahren. Man bekommt dort einen Organspendeausweis und ist Club-Mitglied. Auch ich bin dort langjähriges Mitglied, gebe allerdings zu, dass ich damit noch keinen Anspruch auf ein Spenderorgan erworben habe, aber es wäre vielleicht doch ein Weg, den auch der Gesundheitsminister gehen könnte. Ich stelle mir jedenfalls vor, dass unsere mangelnde Spendenbereitschaft sich ins Gegenteil wandeln würde, ohne dass dadurch jemand diskriminiert würde. Wer das nicht möchte, bleibt einfach außen vor. Man muss sich ja auch nicht impfen lassen.

Heinrich Gragert

Der Letzte auf der Warteliste

Ich wundere mich seit langem, dass diese einfache und faire Lösung anscheinend nicht einem der über 700 Bundestagsabgeordneten eingefallen ist. Zur Frage von Herrn Schumacher was zu tun ist, wenn sich jemand erst später als Spender anmeldet: Der beginnt ganz unten auf der Warteliste.

Manfred Scholz

Für Organspende zu alt?

Ich bin 70 Jahre alt. Ich nehme an, dass meine Organe altersbedingt sowieso eher nicht mehr für eine Weitergabe in Frage kommen würden. Ebenso würde ich fürs Nehmen eines Organs altersbedingt eher am Ende einer Warteliste rangieren. Insoweit relativiert sich meine Einstellung, weder nehmen noch geben zu wollen, durch objektive Gegebenheiten. Vermutlich sollte Ihr Vorschlag zur Organspende, den ich für richtig halte, eher zwischen jüngeren Jahrgängen verhandelt werden.

Hubertus Romahn

Sterbegeld wieder einführen

Grundsätzlich hätte der Vorschlag, zielführend den rechtsethischen Konflikt zu beseitigen und das Angebot zu erhöhen, meine Zustimmung. Ein bundesdeutscher Alleingang im Zusammenhang mit der Widerspruchslösung in anderen EU-Staaten wäre sogar verfassungskonform. Bei Minderjährigen sehe ich ein rechtliches Problem, zumal ein Kind in Deutschland verfassungsrechtlich eigenständige Rechte bekommen soll. Es soll nicht den Eltern überlassen bleiben, ob ein Kind in die Spenderdatenbank eingetragen wird. Dieses muss gesetzliche Pflicht sein. Im Zuge der Volljährigkeit soll der Person bis zum 25. Lebensjahr ein Widerspruchsrecht eingeräumt werden. Als finanzieller Anreiz für junge Leute bis 35 Jahre sofort beizutreten, könnte die von den Krankenkassen gestrichene Sterbegeldbeihilfe ohne Bedürftigkeitsprüfung wieder eingeführt werden. Weil vorwiegend ältere Menschen einen Antrag stellen werden, sind Anwartschaften für Leistungen wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung gesetzlich zu regeln. In der Praxis bedeutet dieses bei Eintrittsalter eines 65-Jährigen 15 Jahre bei einem 25-Jährigen drei Jahre Wartezeit. Bei gleicher Dringlichkeit ist dem Jüngeren stets Vorzug zu geben. Alles ist in einer christlich geprägten Solidargemeinschaft ein Geben und Nehmen. Ich bin jetzt 57 Jahre. Aufgrund einer Anwartschaft von 15 Jahren und der Prämisse jung vor alt, würde ich wohl nicht in den Genuss einer Organspende nach dem System kommen. So what, ich trüge mich trotzdem in die Liste ein. Das letzte Hemd hat keine Taschen.

Hermann Pries

Hilfe in der größten Not

Niemand soll zur Organspende gezwungen oder überredet werden, aber man kann und muss es jedem erwachsenen Menschen zumuten können, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich wünsche mir, dass in einer furchtbaren Notlage mir und meinen Liebsten geholfen wird und bin deswegen selbstverständlich auch bereit, gegebenenfalls meine Organe zu spenden. Die gleiche Einstellung habe ich auch zum Thema Blutspende und leider befürchte ich, dass verstärkte Aufklärung nur wenig Erfolg hat. Ich danke Ihnen sehr für Ihren Artikel und hoffe, dass steter Tropfen den Stein höhlt und wir in Deutschland Mut zu einer anderen Gesetzgebung finden.

Birgit Klimkeit

Aus der Seele gesprochen

Sie haben keinen Denkfehler gemacht und sprechen mir aus der Seele. Ich stehe schon lange auf dem Standpunkt,dass es für einen Menschen kein Spenderorgan geben dürfte, der selbst nicht bereit ist, ein Organ zu spenden. Leider ist das gesetzlich nicht durchsetzbar. Man hätte mit der Widerspruchslösung einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung tun können, um gegen die Bequemlichkeit der Menschen anzusteuern. Es ist doch bezeichnend, wenn 87 Prozent für eine Organspende sind, aber nicht einmal 20 Prozent einen Organspenderausweis besitzen. Ich habe einen in meiner Brieftasche und im Auto und meine Familie ist auch darüber informiert.

Fred Mordhorst

Geld für die Hinterbliebenen

Ich stimme Ihrem Vorschlag „Nur wer spendet, dem wird gespendet“ voll zu. Ja, Geben und Nehmen ist wichtig und in diesem Falle besonders gut. Aber wenn wir wirklich mehr Organspenden haben wollen, dann müsste endlich folgendes getan werden: Der Organ-Spender beziehungsweise dessen Familie gibt Organe frei, damit kranke Menschen weiterleben können und dafür unterstützt die Gemeinschaft (Krankenkassen oder Staat) die spendende Familie mit einem finanziellen Anteil von 6000 Euro bei den Beerdigungskosten. Das wäre ein ehrliches Geben und Nehmen und das wäre auch kein „Geschäft“, sondern nur eine „kleine Anerkennung“ für eine großartige Hilfe. Ich habe schon seit Jahren viele Artikel über Organspenden gelesen, aber es sieht so aus, als traut sich dabei niemand über Geld zu sprechen. Ich bin davon überzeugt, dass vor allem dieser Weg zu mehr Organspendern führt und den Kranken endlich mehr geholfen werden kann.

Wolfgang Westensee

Beleidigende Wortwahl

Im Prinzip sollte jeder Mensch Organspender sein, auch weil er ebenso in die Situation kommen könnte, Organempfänger zu werden. Was aber mir und sicherlich vielen anderen Lesern an ihrer Kolumne missfällt, ist die von Ihnen gewählte, unflätige Wortwahl: „Ob ein Körper am Ende des Lebens auf den Müll oder zum Recycling kann, die Vorstellung ggf. im Paradies ohne Herz und Lunge rumzulaufen, oder das merkwürdige Gefühl zwischen tiefer Dankbarkeit und Beklommenheit zu haben, das Herz eines unbekannten Menschen aufzutragen – soll jedem selbst überlassen werden“. Diese Wortwahl ist der Würde des Menschen unangemessen und beleidigend. Der Mensch ist doch kein Schlachthof-, oder Recyclingprodukt. Ich möchte Sie ernsthaft bitten, zu diesem Thema eine ethische, moralische und menschlich angemessenere Wortwahl zu wählen, wenn sie es denn schon kommentieren wollen. So jedenfalls haben Sie diesem heiklen Thema einen Bärendienst erwiesen.

Hans-Jürgen Vogt, Pinneberg

Ein guter Vorschlag

Eine guter Vorschlag: Nur wer zur Organspende bereit ist und entsprechend gelistet ist, hat auch Anspruch im Bedarfsfall ein neues, lebensrettendes Organ zu erhalten. Man muss auch bereit sein zu geben, das fehlt leider in unserer heutigen Gesellschaft.

Peter Lester