Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Januar 2020

Überzeugender Vorschlag

18./19. Januar: Mein Vorschlag zur Organspende. Ja, es gibt in dieser Frage kein Falsch oder Richtig. Aber dennoch könnte man das Thema versöhnlich regeln

Hajo Schumachers Vorschlag zur Organspende finde ich überzeugend: Wer ein Organspender ist, hat im Ernstfall auch ein Recht darauf, ein Organ zu empfangen (Ausnahmefälle müssen natürlich geklärt und berücksichtigt werden). Ein Gedanke, der mich dazu bringt, erstmals intensiver über das Thema nachzudenken, danke.

Sigrid Kölle, Hamburg

Den Nerv getroffen

Seit vielen Jahren trage ich einen Spenderausweis und Herr Schumacher hat genau meinen Nerv getroffen. Nur wer bereit zum Spenden ist, sollte auch Empfänger eines Spenderorgans werden. Diese Lösung wäre auch in meinen Augen nur fair.

Angela Ewert

Kinder auf Empfängerliste

Meine Frau und ich stimmen Herrn Schumachers Vorschlag zu, in die Empfängerliste für Tauschorgane nur diejenigen Erwachsenen aufzunehmen, die selbst ihre Spendenbereitschaft erklärt haben. Darüber hinaus sollen auch Kinder und Patienten aufgenommen werden, die diese Verpflichtung nicht erklären können, weil sie z.B. wegen einer Behinderung nicht rechtsfähig sind.

Edgar Nordmann, Meldorf

Entscheidung ohne Druck

Ja, ich denke, Sie machen einen Denkfehler. Wenn jemand sich erst auf Druck der absoluten Todesgefahr zur Organspende entschließt, ist das zwar in diesem einen Fall für die weitere Zukunft ein potenzieller Spender mehr. Vermutlich wäre er aber ein eher ungeeigneter Spender, weil vorgeschädigt und durch Medikamente gegen Abstoßung belastet. Es ist zudem zutiefst opportunistisch, ethisch fragwürdig. Natürlich würde das allgemeine Wissen um diese Bedingung, durch öffentlich wirksame Kampagnen gefördert, mehr Menschen zur Zustimmung veranlassen, sich in entsprechende Listen einzutragen. Für mich bleibt die Widerspruchslösung die praktikabelste und gleichzeitig ethisch wertvollste schlechthin. Denn erstens ist die Mühe gering, zweitens eine staatsbürgerliche Pflicht meinen Mitmenschen gegenüber. Denn weder gebe ich ein „Eigentum“ am eigenen Körper auf, ich kann ja widersprechen. Noch würde „der Staat“ rechtswidrig über mich bestimmen. Der allgemeinen Tendenz, vom Gesetzgeber auch außergewöhnliche Partikularinteressen kleinster Gruppen als „Rechte“ einzufordern, gleichzeitig austernartig zuzumachen, wenn etwas vom Bürger erwartet wird, muss entgegnet werden. Sonst bricht die Gesellschaft immer weiter auseinander.

Friedrich Buchsbaum

Trostloses Ende auf OP-Tisch

17. Januar: Was sich jetzt bei der Organspende ändert

Der Hirntod ist sicher ein wichtiger Streitpunkt, auch in Europa. Aber was für mich noch zentraler ist: Wie stirbt ein Mensch, der bereit ist, seine noch durchbluteten Organe zu spenden? Jede Debatte zur Sterbebegleitung endet dort. Nicht gesagt wird: Es ist ein trostloses Ende eines menschlichen Lebens an Apparaten. Menschliche Begleitung, Nähe, Empathie – alles gestrichen um der Organe willen. Darüber sollte auch gesprochen werden. Die Angehörigen leiden jahrelang an der Vorstellung, wie ihr Kind/Mann/Frau auf dem OP-Tisch starb und „ausgenommen“ wurde. Das sollte auch in den Berichten nicht fehlen. Ich bin froh, dass Spahns Entwurf abgelehnt wurde. So geht es nicht.

Gabriele Heise

Bitte, spenden Sie!

11./12. Januar: ,Ich will wieder laufen‘. Marcel ist seit einem Sturz querschnittsgelähmt. Der 19-Jährige hat sehr gute Chancen, mit einer intensiven Therapie wieder gehen zu können. Die Krankenkasse zahlt nicht

Der Fall Marcel erinnert mich an mein eigenes Schicksal. Im März 1989 erlitt ich im Alter von 24 Jahren bei einem Trainingslauf eine massive Einblutung im Gehirn, die nur durch eine achtstündige Operation zum Stillstand gebracht werden konnte. Schnell stellte sich heraus, dass die Ursache der Blutung durch die OP nicht beseitigt worden war. Meine Genesungsprognose war darüber hinaus derart negativ, dass die behandelnden Ärzte eine Gebrechlichkeitspflegschaft einrichten und mich in eine geschlossene somopsychiatrische Abteilung verlegen wollten. Nach kurzer Zeit in der geschlossenen Psychiatrie holten meine damalige Lebensgefährtin und meine Mutter mich nach Haus, mussten mich aber aufgrund von Überforderung Wochen später in eine neurologische Rehaklinik abgeben. In dieser Klinik wurde ich sechs Monate lang unter Psychopharmaka gesetzt. Nachdem auch eine zweite OP erfolglos geblieben war, rettete eine Gammastrahlen-Behandlung im norwegischen Bergen 1990 mein Leben, ich begann wieder zu trainieren und qualifizierte mich sogar mehrfach für die Deutschen Halbmarathonmeisterschaften. Aufgrund meiner gesundheitlichen Einschränkungen wurde ich früh zwangsverrentet und verfüge über keine nennenswerten finanziellen Mittel, daher kann ich leider nichts zu Herrn Maurers Behandlung beisteuern, appelliere an dieser Stelle aber an alle Abendblatt-Leser dies zu tun, damit die Lebensqualität dieses jungen Mannes erheblich gesteigert werden kann.

Jens-Uwe Dierk