Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. Januar 2020

Zu träge für den Antrag

16. Januar: ,Organspende muss Normalität werden‘. Gesundheitsminister Jens Spahn kämpft für die Widerspruchslösung. An diesem Donnerstag entscheidet der Bundestag

Ich habe mein gesamtes Arbeitsleben in einer Dialyseabteilung gearbeitet und besitze einen Spenderausweis. Ich bin sehr für die Änderung im Transplantationsgesetz, so wie in den meisten Ländern, die bei Eurotransplant sind. Ich sehe die Probleme aber an anderen Stellen. Was passiert bei den Menschen, die wie ich eine Patientenverfügung haben, in der explizit eine Beatmung abgelehnt wird? Wenn nicht beatmet wird, kann man keine Organe entnehmen. Die andere Seite ist das fehlende Geld für die Entnahme. Eine Entnahme ist teuer und die Kliniken sollen schwarze Zahlen schreiben. Trotzdem bin ich für die Gesetzesänderung, weil ich es vernünftiger finde als Lebendspenden von Angehörigen, die ihre Gesundheit riskieren durch die Entnahme. Eine Lösung wäre, dass jeder Bürger bei Ausstellung eines Personalausweises abgefragt wird, ob er spenden möchte. Viele Menschen sind einfach zu träge, sich einen Organspendeausweis zu besorgen.

Sonja Starke

Wie kommt die Seele zurecht?

Obwohl ich über 20 Jahre aus Überzeugung einen Organspendeausweis hatte, bin ich heute gegen die zwangsweise Organspende. Sicher schenkt die Organspende vielen Kranken Lebensjahre, aber unter welchen Umständen? Wie kommt die Seele mit dem fremden Organ zurecht? Welchen Einfluss spielt der Ehrgeiz der Ärzte? Der größte Gewinner bei Organtransplantationen ist doch die Pharmaindustrie. Jeder Mensch sollte selbst entscheiden dürfen, ob er Spender sein will oder nicht.

Antje Netz

Sache der Verkehrsplaner

16. Januar: ,Wir werden die City verändern‘. Die Initiative für eine autofreie Innenstadt stößt in der Bürgerschaft auf Zustimmung und Ablehnung

Neue Initiative, neue Debatte! Die Bürgerschaft ist als Forum für eine differenzierte Verkehrsplanung ungeeignet. Sie kann Anstöße geben, mehr nicht. Das eigentliche Konzept ist Sache der Verkehrs- und Stadtplaner. Z.B. das schon lange etablierte Konzept, die Innenstadt mit mehr Wohnungen und attraktiver Gastronomie abends zu beleben, funktioniert langfristig nur, wenn es autofreie oder autoarme Inseln gibt, die ungestörtes Flanieren erlauben und untereinander verbunden werden mit lokal begrenzten Parkmöglichkeiten. Auf ein kluges, langfristig gültiges Nutzungskonzept zur Innenstadt sollten Planer und Bürgerschaft ihren Focus richten. Skandinavische Großstädte machen es ihnen vor.

Bruno Brandi

Nicht ohne mein Auto...

Wenn die City veröden soll, kann man das gerne machen, nur zu! Wo mein Auto nicht willkommen ist, fühle ich mich auch nicht willkommen. Und einen Ort, an dem ich nicht willkommen bin, suche ich nicht auf.

Joachim Willers

Beispiel München

Warum soll in Hamburg nicht gelingen, was München schon Anfang der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts geschafft hat: Münchens Innenstadt ist seitdem weitgehend vom Autoverkehr entlastet und mit einem großzügigen Netz von Fußgängerstraßen aufenthaltsfreundlicher geworden. Allerdings waren vorher erhebliche Infrastrukturinvestitionen notwendig: Die Vervollständigung des Innenstadtringes, der Bau der Verbindungs-S-Bahn und eines umfangreichen U-Bahn-Netzes. Seither sind 50 Jahre vergangen, in denen in Hamburg zu wenig bewegt worden ist. Da ist die Initiative eine Chance, CDU und SPD zum Umdenken zu bewegen.

Hans Lafrenz

Problem wird verlagert

Eine autofreie Innenstadt halte ich für unausgereift, denn das Problem wird dadurch nicht gelöst, allenfalls verlagert und geht auf Kosten derer, die durch Krankheit, Alter oder Handicap nicht die Möglichkeit haben, auf den ÖPNV auszuweichen. Die Verbindungen sind zeitaufwendig, Bänke zum Ausruhen nicht vorhanden, Wege kilometerweit bis zum angestrebten Ziel. Diese Erfahrungen musste ich selbst aufgrund einer Erkrankung machen und meine, dass diese Klientel nicht bis zu ihrem Lebensende zum Stubenarrest verdonnert werden kann. Lösungen müssen gefunden werden, die es allen ermöglichen, die Innenstadt aufzusuchen und nicht nur jungen gesunden Umweltschützern.

Anne-Kathrin Klinger

Toller Vorschlag

Den Vorschlag, einen autofreien Bereich, die Alt- und Neustadt innerhalb der Wallanlagen umfassend, einzurichten, finde ich hervorragend. Aber dann bitte mit einer kostenfreien Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs innerhalb dieses Bereiches. Es wäre die optimale Win-Win-Situation.

Kai Erik Krüger

Warum gleich so radikal?

Warum muss jede Sache gleich so radikal angepackt werden wie ein autofreier Stadtkern. Wir haben doch keinen kleinen historischen Ortskern. Es stehen mehrstöckige Wohnhäuser darin, es gibt zahlreiche große Hotels dort, die nicht auf Rucksacktouristen spezialisiert sind. Es gibt dort Theater, es gibt große Röntgenpraxen, wohin man von der Klinik per Taxi hin- und zurückgebracht wird. Wo können die Leute, die im Umland wohnen und mit eigenem Auto fahren müssen, dieses abstellen? Und sollen alle Fahrzeuge, die jetzt die Stadt durchqueren müssen, einmal um die Innenstadt herumgeführt werden? Wenn man hierfür vernünftige Lösungen anbieten kann, dann kann man darüber reden.

Ingrid Weber

Verluste für die Wandelhalle

16. Januar: Hauptbahnhof erhält schon 2021 fünf neue Treppen

Erst 2021? Geht’s noch? Solche Treppen könnten in zwei Wochen erstellt sein! Gibt es an Bahn-Baustellen immer zur Gleisüberquerung bei Bauarbeiten. Ich habe eine solche Vorgehensweise den „Verkehrsexperten“ der Parteien schon vor fünf Jahren vorgeschlagen. Keine Reaktion. Warum aber tut man sich so schwer mit den neuen Treppen am Hauptbahnhof? Die Fahrgäste kommen nicht an den Läden des Südstegs bzw. der Wandelhalle vorbei und kaufen dort nichts. Umsatzverlust für die DB, die ja Pachtverträge auf Umsatzbasis mit den Geschäften hat.

Ulrich Flamme

Termin in drei Minuten

16. Januar: Das lange Warten auf die Hochzeit. In Altona dauert es ein Jahr bis zum Trauungstermin. Ein Grund ist der Personalmangel

Insgesamt muss man feststellen, dass die Bezirksämter in Hamburg nicht gut genug besetzt sind, um Paare immer an ihren Wunschterminen zu trauen. Klingt doof, ist aber aus Effizienzgründen nachvollziehbar. Wir haben uns Ende Oktober 2016 verlobt und haben versucht, Anfang November einen Termin für September/Oktober 2017 zu bekommen. Selbstverständlich zunächst in unserem Heimat-Bezirksamt Eimsbüttel. Hier bekamen wir die Aussage, dass Termine erst sechs Monate vorab vergeben werden. Bedeutet: Man kann seine Hochzeit nur mit sechs Monaten Vorlauf planen. Kam für uns nicht in Frage. Daher ging unsere Suche weiter. Das Bezirksamt Mitte lehnte grundsätzlich ab, mit den in Ihrem Artikel aufgeführten Gründen. So landeten wir beim Bezirksamt Altona und bekamen innerhalb von drei Minuten einen Termin Ende Oktober 2017, der uns fünf Minuten später per E-Mail bestätigt wurde. Für uns perfekt. Daher gibt es aus unserer Sicht keine Kritik am Bezirksamt Altona zu üben. Wenn, dann sollte das gesamte Hamburger System kritisiert werden. Denn es gibt immer unterschiedliche Ausgangssituationen, die bei Betrachtung der Lage berücksichtigt werden müssen.

Hauke Harders