Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Januar 2020

Mehr Verkehr in Nebenstraßen

15. Januar: Autofreie City – das fordert die neue Initiative. Ab heute werden Unterschriften für die Forderung ,Autos raus aus der Hamburger Innenstadt‘ gesammelt

Ich muss zugeben, dass der Gedanke an eine autofreie City einen gewissen Charme hat. Der jetzt präsentierte Vorschlag weist aber einen großen Denkfehler auf. Man denkt an den Verkehr mit dem Ziel City, die mit dem ÖPNV wirklich gut zu erreichen ist, wenn nicht gerade einmal wieder Schienenersatzverkehr angesagt ist. Was man aber offensichtlich übersehen hat, ist der Verkehr durch die City. Eine Einbeziehung von Willy-Brandt- und Ludwig-Erhardt-Straße, als wichtigste Ost-West-Verbindung, würde zu extrem starken Ausweichverkehr durch Nebenstraßen und somit zu noch chaotischeren Verkehrsverhältnissen als ohnehin schon führen. Ferner würde hierdurch die Schadstoffbelastung eher zu- statt abnehmen. Die große Lösung könnte man frühestens nach Fertigstellung der Hafenquerspange in Betracht ziehen. Zunächst sollte man sich auf ein Gebiet nördlich dieser wichtigen Verbindung beschränken.

Lutz Weiser, Hamburg

Eine explosive Idee

Wie kann eine Initiative so das Augenmaß verlieren, kompromisslos und radikal eine autofreie Innenstadt fordern? Mir fehlen die Worte, der nicht vorhandene Kropf schwillt vor Wut an. Wie können es Bernd Kroll, Jochen-Carl Müller und Joachim Lau wagen, sich mit dieser verrückten Idee in das Leben der Hamburger einzumischen. Mit dieser gefährlichen Diskussion wird ein Keil in die Gesellschaft getrieben, der sie nicht nur teilen, sondern zerstören und aufeinander hetzen wird. Extrempolitik hat noch nie etwas zum Besseren gebracht. Diese neue Initiative birgt soviel Sprengstoff mit ihrer Idee, die die radikalen Gegner auf die Barrikaden treiben wird. Und das wäre gut so.

Dietmar Johnen-Kluge

Hamburger des Jahres

Vielen Dank für diese Initiative, lieber Bernd Kroll, ihr seid für mich die Hamburger des neuen Jahres, her mit den Unterschriftenlisten.

Uwe Carstensen

Ärgerliches Durcheinander

14. Januar: Tod beim Abbiegen: Hamburger Müllwagen überfährt Radfahrer

Ich vermeide das Radfahren, nehme die Bahn und gehe zu Fuß. Als Fußgänger nehme ich sehr bewusst die „Gestaltung“ der Radwege wahr. Unübersichtliche, verwirrende „Anleitungen“ für den Radfahrer, permanent wechselnde Kenntlichmachung, Farben, Bodenflächen und Art der Führung der Wege. Eine fast zwangsläufige Folge: Man sieht genauso viele Radfahrer auf Fußwegen wie auf den sogenannten Radwegen – oft auch dort noch in falsche Richtungen. Manche auch noch mit schneller Slalomtechnik. Auch auf den Radwegen fahren viele in die falsche Richtung, so dass ich mich selbst als Fußgänger in ständiger Gefahr befinde. Radfahrer sind geräuschlos. Also ist als Fußgänger permanenter Rundumblick nötig. Und viele fahren einfach viel zu schnell. Ist Hamburg eine Fahrradstadt? Davon können nur Ignoranten und minderbemittelte Politiker reden. Das völlige Durcheinander ist eine wahre Schande. Als Autofahrer bin ich in ständiger Sorge, gar Angst, einen Radfahrer zu übersehen. Und schließlich zu den tragischen Unfällen mit immer wieder tödlichem Ausgang: Mit wirklicher Sicherheit kann nur der Radfahrer selbst solche Unfälle vermeiden. An Kreuzungen und ähnlichen kritischen Orten darf er nur fahren, wenn er sich absolut sicher fühlen kann. Ruhig, langsam und mit Rundumblick. Auch, wenn das lästig ist. Es ist sein Leben, für das er selbst verantwortlich ist. Im rechtlichen Sinn ist er nicht schuldig an solch einem Unfall, aber…

Dieter Brandes, Hamburg

Origineller Volksschauspieler

15. Januar: Tschüs, Jan. Mit einer bewegenden Trauerfeier im Michel ehrte Hamburg einen Schauspieler, der wie kaum ein anderer den Geist dieser Stadt verkörperte

Die Trauerfeier für Jan Fedder im Michel war beeindruckend. So haben ihn seine Frau, Programmdirektoren, Freunde und Kollegen mit persönlichen und emotionalen Ansprachen verabschiedet. Schade, dass so wenig seiner Hauptrolle neben Adsche Tönnsen in der Serie „Neues aus Büttenwarder“ gedacht wurde. Ist er doch auch in dieser Rolle über zwanzig Jahre als origineller Volksschauspieler beliebt und berühmt geworden. Er hat dort mit besonderem Herzblut die Tradition und wohltuende Verbundenheit durch die plattdeutsche Sprache verkörpert.

Sigrid Petermann

Petrus war verheiratet...

14. Januar: Ex-Papst Benedikt irritiert mit Zölibat-Plädoyer. Bei seinem Rücktritt versprach er Zurückhaltung und Loyalität gegenüber seinem Nachfolger

Ich finde es angemessen, wenn man die konservativen Verfechter in der katholischen Religion einmal daran erinnert, dass der Fels auf dem diese Kirche gründet, Simon Petrus, ein verheirateter Mann war. Das ist historisch verbürgt. Es wird Zeit, dass man sich dieser Realität stellt,denn auf die Bibel kann man sich bei dieser Frage wohl nicht berufen. Möchten die Nachfolger von Simon Petrus eigentlich das eigene Vorbild, den Fels in der Kirche, übertrumpfen, oder warum kann man sich nicht auf die eigene Menschlichkeit besinnen? Das man diese Realität ausblendet, zeigt doch, dass es dieser Kirche in erster Linie um den Machterhalt geht.

Christiane Dornecker

Eine schwierige Wahl

14. Januar: Der falsche Zeuge. Zweifel an den Aussagen von Peter Loth im Prozess gegen einen Wachmann des KZ Stutthof erhärten sich

Ich halte es nach wie vor für zynisch, von einem 17-Jährigen zu erwarten, dass er sich, vor die Wahl zwischen einem sicheren Leben mit geregeltem Dienst, drei Mahlzeiten am Tag, Bett und außer Lebensgefahr oder einem Leben unter freiem Himmel in Dreck und Schnee, bei unsicherer Verpflegung, selten trockener Kleidung, stets unterbrochener Nachtruhe, unter ständigem Beschuss von Land und aus der Luft und mit der Aussicht auf russische Gefangenschaft gestellt, für die zweite Alternative entscheidet.

Hans-Otto Schulze, Buchholz

Was für eine Farce...

Das ist doch ein Skandal. Es wird vom Gericht jemand als Zeuge geladen, der erkennbar falsche Angaben gemacht hat, und die Vorsitzende Richterin lässt ihn trotzdem als Zeugen zu. Durch die Recherchen von Journalisten stellt sich heraus, dass der angebliche Zeitzeuge zu seiner Vergangenheit gelogen hat, und erst jetzt kontrolliert offensichtlich die Vorsitzende, die Richterin Göring-Eckardt, die Akten. Was für eine Farce. Offensichtlich war die Richterin so damit beschäftigt, sich mit diesem Verfahren zu profilieren, dass sie sich gar nicht um den Wahrheitsgehalt der Zeugen gekümmert hat. Frau Göring-Eckardt hat sich nicht nur durch diesen Fauxpas disqualifiziert.

Derk Langkamp

Wer ist die „Umweltsau“?

13. Januar: Klimakiller Modeindustrie. Immer mehr, immer schneller – Konzerne wie H&M oder Zara schädigen Umwelt und Fabrikarbeiter. Jetzt will die Politik eingreifen

Wer ist denn jetzt die „Umweltsau“, die Oma oder die jugendlichen Fashion-Konsumenten von H&M, Zara, etc., von denen bestimmt sehr viele bei „Fridays for Future“ für den Klimaschutz demonstrieren? Diese Frage ergibt sich, wenn man den Energiebedarf – vom immensen Wasserverbrauch ganz zu schweigen – dieser Industrie für kurzlebige und wenig nachhaltige Mode betrachtet. Verglichen mit den „harmlosen“ 2,5 Prozent des weltweiten Luftverkehrs ist der Anteil der Modeindustrie mit neun bis elf Prozent an den weltweiten Treibhausgasemissionen erschreckend hoch, zumal hier sehr viele, größtenteils überflüssige und kaum recycelbare Produkte erzeugt werden.

Ernst Mutz