Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. Januar 2020

Radfahren: saugefährlich!

13. Januar: 21 Millionen Euro Bußgeld – so viele Temposünder geblitzt wie noch nie

Die Überschreitung der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit ist nicht nur rüpelhaft, sondern auch gefährlich. Trotzdem ist der Autoverkehr doch weitgehend geregelt und fließt – wenn er fließt – einigermaßen homogen. Ungeregelt, aber mit großen Tempodifferenzen, verläuft dagegen der Strom der Radfahrer. Da fahren auf denselben Spuren Räder mit 15 km/h und 30 km/h. Saugefährlich! In Kopenhagen – der Hauptstadt der Radfahrer – wird völlig anders gedacht und gefahren. Die vielen Radfahrer fahren ohne Helm und entspannt, aufrecht und mit ähnlichem Tempo auf den hervorragenden Radwegen. Das Gleiche kann man im radfahrfreundlichen Holland beobachten. Ganz anders in Hamburg: Helm auf, E-Bike an und los. Man hat schließlich Rechte und verteidigt diese. Ich selbst weiß als Rennradfahrer den Helm zu schätzen. Dann fahre ich aber auch auf der Straße und mit den Autos zusammen. Zum Einkaufen, zum Briefkasten oder zur Familientour an der Elbe schalte ich deutlich einen Gang runter. So kann ich auch Rücksicht auf die Schwächeren nehmen. Um die Vorfahrt muss ich mich auch nicht prügeln. Auch der Radfahrer sollte sich Gedanken über seine Mitmenschen machen.

Lorenz Flemming

Hohes Bußgeld in Norwegen

Die Bußgelder für zu schnelles Fahren sind in unserem Land viel zu niedrig. Ich bin unlängst in Norwegen in einer 80er-Zone geblitzt worden. Das Bußgeld war mit umgerechnet 340 Euro doch sehr saftig! Aber ich akzeptiere das. Ich halte Geschwindigkeitskontrollen für unbedingt notwendig. Verboten werden sollten allerdings die sogenannten „Blitzer-Warnungen“ im Rundfunk. Das führt doch dazu, dass viele Autofahrer kurz vor dem Blitzer den Fuß vom Gaspedal nehmen und danach aber wieder beschleunigen.

Dr. Hinrich Bäsemann

Bürger werden abgezockt

13. Januar: Klimakiller-Gas wird immer häufiger eingesetzt. Das im Hafen zur Holzbegasung genutzte Sulfuryldifluorid ist 4090-mal so klimaschädlich wie CO2

Sieh an, es gibt da noch einen Klimakiller, der 4000-mal schädlicher ist als CO2. Und die Politiker haben davon natürlich nichts gewusst... Es geht ja auch darum, den Bürger abzuzocken, das geht besser mit einer Steuer auf den CO2-Verbrauch als mit einem Verbot des Killergases Sulfuryldifluorid. Ich bin entsetzt!

Michael Liedtke

Der Bundesarbeitsminister irrt

13. Januar: Mittelstand offen für flexible Arbeit. 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich aber ,nicht zu rechtfertigen‘

Bundesarbeitsminister Heil irrt in vielen Punkten: Junge Leute halten viel von Work-Life-Balance und die Arbeitgeber versuchen an allen Plätzen, wo es möglich ist, Homeoffice anzubieten. Auch Lösungen für ältere Mitarbeiter werden angestrebt (wenn denn die Rente stimmt). Es wäre gut, wenn sich die Politik aus diesem Thema heraushielte, das wird zwischen Arbeitgebern und -nehmern geklärt. Politische Aufgaben wären zum Beispiel eine Verbesserung der Ruhestandsregelungen und die Absenkung der Steuern und Sozialabgaben. Damit wäre allen geholfen.

Norbert Herzberg

Die Bewegung wird benutzt

11./12. Januar: Danke, Greta, dass es dich gibt. Natürlich kann man die Radikalität der jungen Umweltschützerin infrage stellen. Aber als Vorbild taugt sie wunderbar

Lange bevor Greta Thunberg mit „Fridays for Future“ bekannt wurde, haben Greenpeace-Aktivisten, deren Engagement für unseren Planeten schon legendär ist, mit einer erfolgreichen Bildungsarbeit zum Klimaschutz an den Schulen begonnen. Leider benutzen Medienschaffende „Fridays for Future“ für kontraproduktive Inszenierungen. Ein Beispiel hierfür ist das vom WDR als Satire deklarierte Lied „Eure Oma ist ´ne alte Umweltsau“. Als es zu massiven Protesten kam, twitterte der verantwortliche Redakteur: „Eure Oma ist keine Umweltsau. Stimmt. Sondern eine Nazisau.“ Das kann der Schilderung von Herrn Iken über die Verrohung unserer Gesellschaft zugeordnet werden. Wenn die jugendliche Fangemeinde die Aktion „Fridays for Future“ nur schick findet und nicht bereit ist, mit ihrem Verbraucherverhalten dem Klimawandel entgegenzuwirken, befürchte ich Greta Thunberg wird wie Che Guevara demnächst nur noch Geschichte sein. Es sei denn, dass die im Beitrag als „Gottesgeschenk“ glorifizierte Greta weiterhin in den Medien präsent ist.

Uwe Wettlaufer

Antisemitischen Rap verbieten

In der Tat, Greta ist der Fixstern einer sich politisierenden Jugend, und man kann nur hoffen, dass aus der noch sehr emotionalen Bewegung ein nachhaltiges und konkretes Handeln entsteht. Was mich jedoch erheblich irritiert ist, dass unter dem Radarschirm der sogenannten Gutmenschen diese erbärmliche Rapperszene ungestraft ihren Dreck von sich geben kann, der vor Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Gewaltfantasien nur so trieft. Hier wird ein junges Publikum auf eine höchst manipulative Weise einer massiven Verrohung ausgesetzt, deren gesellschaftliche Folgen nicht absehbar sind. An dieser Stelle bin ich für eine unnachgiebige Verbotskultur und ein mutiges, aktives Eintreten für unsere freiheitliche und demokratische Grundordnung, jeden Tag und überall.

Jürgen Gieseke, Bargteheide

Nur Mut, der Kampf lohnt sich

11./12. Januar: ,Ich will wieder laufen‘. Marcel ist seit einem Sturz querschnittsgelähmt. Der 19-Jährige hat sehr gute Chancen, mit einer Therapie wieder gehen zu können. Die Krankenkasse zahlt nicht

Der Fall des 19-jährigen Marcel erinnert fatal an den Fall meines Stiefsohns. Dieser erlitt im Jahr 2009 einen Unfall, der ebenfalls eine Querschnittslähmung zur Folge hatte. Auch er landete im Klinikum Boberg, wo man es dem Anschein nach für seine Aufgabe hält, Patienten zum Rollifahrer „auszubilden“. Wer nach anderen Lösungen sucht und sich nicht mit der Lähmung abfinden will, steht vor einem beispiellosen Hindernislauf durch die Instanzen. Vor allem der Kampf mit der zuständigen Krankenversicherung. Nur dadurch, dass mein Stiefsohn ausgesprochen kämpferisch seine Interessen verteidigt hat, ist er im Zentrum der Rehabilitation in Pforzheim gelandet und dort optimal gefördert worden. Wir möchten Marcel Mut machen, für seine Interessen zu kämpfen. Das Zentrum der Rehabilitation in Pforzheim ist hier absolut „erste Adresse“. Eigentlich sollte eine Unterschriftenaktion gestartet werden, um die Krankenversicherung dazu zu bringen, die entsprechenden Kosten zu übernehmen.

Michael Ziemba & Karin Petersen

Ratschläge sind nicht hilfreich

13. Januar: Trump twittert an das „tapfere iranische Volk“. Der US-Präsident wendet sich in einer persischen Übersetzung an die Demonstranten und warnt die Regierung

Das iranische Volk muss sich von innen von der Last der Mullahs und deren Vasallen lösen. Gute Ratschläge von Trump sind da nicht hilfreich, denn letztendlich wird er den Menschen dort konkret nicht helfen können. Im Gegenteil: Die einseitige Kündigung des Atomabkommen seitens der USA, hat die Spirale der gegenseitigen Aggression beschleunigt. Und auch der Mord an einem Top-Funktionär, und die Sanktionen dem Mullah-System genutzt, aber dem Volk geschadet. Erst der Abschuss eines Flugzeuges mit iranischen Bürgern hat die Proteste der Menschen auf die Straße gebracht. Ich wünsche dem iranischen Volk so sehr, dass es sich von dem Joch der religiös-militärischen Diktatur wird befreien können. Ein so altes, so gebildetes Volk mit so viel Tiefgang, braucht Menschen, die Führungsqualitäten haben und ein System politisch und demokratisch leiten (säkular) und Religion zur Privatsache macht. Leider sehe ich noch keine Führungsperson wie den damaligen Ministerpräsidenten Mossadegh, der von den USA und Großbritannien zu Gunsten des Schah gestürzt worden ist.

Sven Jösting