Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 9. Januar 2020

Das große Geld bleibt aus

8. Januar: E-Roller-Projekt gescheitert. Viele Verletzte, ökologischer Unsinn – Zeit zum Ausstieg

Wie schnell wird bei uns ein Projekt, das nicht in das öffentliche Meinungsbild passt, für gescheitert erklärt. Keiner fragt doch nach dem eigentlichen Grund des Scheiterns. Dieser ist doch wohl eher darin zu suchen, dass der erwartete Profit ausgeblieben ist. Wozu müssen in unserer Stadt tausende von Miet-E-Rollern angeboten werden, die dann oft auch noch von sehr ungeübten Personen bewegt werden, was leider auch vermehrt zu Unfällen und Verletzungen führt. Aber wie viele Unfälle hat es in der gleichen Zeit mit Radfahrern oder Fußgängern gegeben? Die Vermieter haben das große Geschäft gewittert, das wohl offensichtlich gescheitert ist. Wozu das E-Roller-Fahren aber gleich wieder verbieten? Wer sich auf diese spaßbringende Art und Weise fortbewegen will, der soll sich doch einen E-Roller kaufen und weiterhin mit Helm und Versicherung am Verkehr teilnehmen dürfen. Damit würde sich das Problem von selbst regeln und sich niemand mehr belästigt fühlen.

Dr. Roland v. Besser

Ohne Sinn und Verstand

Das Beispiel E-Scooter zeigt einmal mehr und deutlich die Konzept-, Hilf-, und Ahnungslosigkeit der verantwortlichen Politiker in Hamburg. Ob Verkehr, Klima oder Nachhaltigkeit, alles halber Kram, oft ohne Sinn und Verstand. Statt z.B. den Autoverkehr zu reduzieren oder zumindest einzuschränken, nimmt dieser stetig zu (Busse, Moia, SUVs). Der Ausbau der Schiene im ÖPNV, seit den 50er-Jahren versprochen, verschiebt sich immer wieder um Dekaden. Die Abschaffung des zweitgrößten deutschen Straßenbahnnetzes, emissionsfrei seit 1894, bleibt eine politische „Meisterleistung“ ohne Gleichen. Ein adäquater Ersatz fehlt bis heute. Abenteuerliche Visionen oder dumme Sprüche ersetzen keine seriöse Politik.

Jens Ode

EU blockiert Verordnung

8. Januar: Vorsicht, Spion liest mit. Die meisten fühlen sich beim Surfen im Netz allein. Von wegen. Dutzende digitale Verfolger tauschen alle Infos untereinander aus

Vielen Dank für die Netzentdecker-Kolumne. Es ist sehr zu begrüßen, dass das Problem der kommerziellen Überwachung auf diesem Wege einem größeren Publikum bekannt gemacht wird. Leider wurde nicht erwähnt, dass diese Art der Überwachung ohne gültige Einverständniserklärung mindestens seit Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in 2018 illegal ist. Dass sie trotz der DSGVO immer noch stattfindet, liegt daran, dass die ergänzende ePrivacy-Verordnung der Europäischen Union seit Jahren von Lobbyisten in Brüssel blockiert wird. Der Verband der deutschen Zeitschriftenverleger hat hier einen sehr großen Anteil, da man dort wohl vermutet, ohne den Verkauf der Privatsphäre der Leser kein Geschäftsmodell mehr zu haben.

Alexander Rockel

Der Zug ist nicht zu stoppen...

Kritik am Daten-„Klau“ trifft bei uns in der öffentlichen Diskussion den Mainstream, aber privat schert sich kaum jemand darum, sondern man nutzt die Annehmlichkeiten von WhatsApp, Facebook, Google usw. Und tagtäglich hebeln wir die staatlichen Schutzregelungen freiwillig aus. Die Bremser in dem Zug haben mittelfristig keine Chance, denn wer nicht mitmacht, wird nicht mitgenommen. Längst leben wir in einem Überwachungskapitalismus, der dem Überwachungskommunismus des neuen Global Player China nur geringfügig zeitlich, rechtlich und technisch hinterherhinkt. Tatsache ist: Wer die Daten hat, dem gehört die Zukunft. Wer die Daten hat, dem gehört die Macht. Auf dem Weg zur Entwicklung der künstlichen Intelligenz werden die abgehängt, die nicht fleißig mitsammeln, denn die Daten sind das Superhirn der Zukunft. Das mag man akzeptieren, bedauern oder ignorieren: Die Kontrolle darüber haben wir schon längst verloren und der Zug kehrt nicht mehr um. Bedenkenträger erinnern dabei etwas an die Maschinenstürmer im 19. Jahrhundert. Wir haben leider nur die Wahl unseren Waggon abzukoppeln, stehenzubleiben und in der Bedeutungslosigkeit zu versinken oder dranzubleiben und so gut es geht mit unserem Wertekanon mitzugestalten – nicht lokal, regional, national, sondern global.

Uwe-Carsten Edeler, Hamburg

Ehrenplatz für Polizisten

8. Januar: Fedder-Platz vor Davidwache?

Bei aller Liebe für den Schauspieler Jan Fedder – wenn der Platz vor der Davidwache als Ehrenplatz benannt werden soll, dann bitte zu Ehren der vielen Polizisten, die dort im Laufe vieler Jahrzehnte ihren anstrengenden und so manches Mal gefährlichen Dienst geleistet haben.

Rolf Tonner

Ein mutiges Interview

7. Januar: ,Wer Außengrenzen schützt, hilft den Schulen‘. Joachim Wagner hat die Folgen der Migration untersucht – er kommt zu alarmierenden Ergebnissen

Was für ein mutiges Interview. Über eine ganze Seite in „meinem“ Abendblatt. Dazu noch mit jemandem, der als ehemaliger Panorama-Chef wohl eher nicht zu den üblichen Verdächtigen gehört. Ich bin gerührt!

Peter Alsleben

Flucht in die Stille

CDU, SPD und Grüne (auch Linke und FDP) bestimmen die „Offene-Grenzen-Bewegung“ für Deutschland, die zu einer multikulturellen Gesellschaft geführt hat. Moralische Zeigefinger der meisten Politiker, Journalisten und „Eliten“ ersticken Andersdenkende. Diese werden als Rechtsradikale oder gar Nazis angeprangert. Aufgeklärte europäische Freiheitsrechte werden verdrängt und von islamischen Werten in einem schleichenden Prozess Hand in Hand mit der Restaurierung christlicher Glaubenswerte überlagert oder gar ersetzt. In den Schulen findet der Prozess schon seit Jahren statt, ohne öffentlich wirksam zu werden. Ich habe die Auswirkungen hin zu multikulturellen Klassen erfahren und danke Herrn Wagner für seine zutreffenden Aussagen. Ich möchte schreien, flüchte aber vor der „Übermacht“ in die Stille.

Manfred Rogolus

Handpuppen für Radfahrer

7. Januar: Verkehrsunterricht für Senioren mit Handpuppen

Als 88-jährige Verkehrsteilnehmerin in Hamburg kann ich über diesen Beitrag nur lachen. Unsere Töchter wurden durch den Polizeikasper und später einer Fahrradprüfung aufgeklärt, wie man sich auf den Straßen verhält. Denen wäre es nicht eingefallen, auf Fußwegen alte Leute weg zu klingeln oder in voller Fahrt zu überholen, so dass man vor Schreck fast das Gleichgewicht verliert. Mir passiert dies heute ständig. Mein Vorschlag: Verkehrsunterricht mit Handpuppen für Radfahrer!

Gerda Sprengel

Unzumutbare Wortungetüme

31. Dezember/1. Januar: Gelingt die Integration der Flüchtlinge? Hamburg nahm in der Asylkrise rund 30.000 Menschen auf – und müht sich weiterhin

Die Aussage, dass nur die Hälfte der Teilnehmer, das für eine Berufsausbildung notwendige Sprachniveau B1 erreicht, stimmt leider. Wo liegen die Gründe? Nach unseren Erfahrungen mit Geflüchteten reagieren weder die BAMF noch die staatlichen Lehrinstitute darauf. Es entstehen nur immer wieder neue Kurs- und Prüfungsgebühren. „Gewinner“ sind die Schulen, die nach Aussage der BAMF bei Lernschwächen aufgrund von z.B. LRS-, Legasthenie- oder Traumataproblemen eigentlich zur Beratung verpflichtet sind. Hinzu kommen unzumutbare Testbedingungen. Wie sollen Geflüchtete Wortungetüme wie Überempfindlichkeitsreaktionen, Schwangerschaftsverhütungsberatung oder Fremdworte wie Bahn und Bike verstehen? All das verhindert unnötigerweise die Entlastung des Sozialbudgets und ist einer der Gründe, warum die Integration von Geflüchteten nur unzureichend gelingt.

Regina und Helmut Regenhardt