Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 7. Januar 2020

Die Alten werden nicht gefragt

6. Januar: Was der neue Begegnungsort leisten soll. SPD plant mit dem ,Haus der digitalen Welt‘ zahlreiche Angebote für Jung und Alt

Ein „Haus der digitalen Welt“ in Hamburg, für alle Bürger, egal ob Jung oder Alt, wir finden das eine tolle Idee. Nur wundert uns die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe. Es fehlen, wie so oft beim Thema Digitalisierung, Vertreter für das Alter. Mitglieder sind das Amt Medien der Behörde für Kultur und Medien, die Senatskanzlei, die Bildungsbehörde, die Bücherhallen mit der Zentralbibliothek, die Volkshochschule und Vordenker des Digitalen aus den Hochschulen. Warum nicht auch Vordenker des Digitalen für das Alter mit einbeziehen? Wir hätten nicht nein gesagt, wenn man uns gefragt hätte, da wir seit sechs Jahren sehr erfolgreich das Netz versilbern. Aber leider ist das Interesse bei vielen Politikern in Hamburg an unseren digitalen Angeboten für Menschen 65+ kaum vorhanden. Schade.

Dagmar Hirche,

Wege aus der Einsamkeit e.V.

Zu optimistisch gesehen?

4./5. Januar: Der Boom der 2020er-Jahre ist möglich. Das neue Jahrzehnt birgt ebenso viele Chancen wie Risiken. Umweltschonende Innovationen sind aber unabdingbar

Der Wirtschaftsweise Straubhaar sieht große Chancen für 2020. Und was ist mit den Folgen des Brexit für Deutschland? Was mit China? Was ist mit den PIGS-Staaten, deren faule Staatsanleihen sich immer noch im Depot befinden? Was ist mit der Politik der EZB, die milliardenweise künstlich erzeugtes Buchgeld in den Markt pumpt und so die Inflation künstlich kräftig anheizt, so dass eine Hyperinflation schon in nächster Zeit absehbar ist? Vor zwölf Jahren beanstandete man die Immobilienblase, aber was die EZB macht, ist unvergleichlich schlimmer. Was ist mit den Minus-Zinsen (durch die der Aufbau einer Altersvorsorge praktisch nicht mehr möglich ist)? Was ist mit den Zombie-Firmen, die nur noch dank der Nullzinsen existieren? Eine Währungsreform (ein neuer Euro) zeichnet sich bereits ab. Vor diesem Hintergrund kann eine gute Prognose nur als Zweckoptimismus gewertet werden.

Jochen Ebert

Weit von der Realität entfernt

3. Januar: Werden Laternen zu Ladestationen? CDU fordert Umrüstung von 5000 Masten wie in London und Berlin. Nur 0,6 Prozent der Autos in Hamburg elektrisch

Wie naiv muss man sein, um zu glauben, dass innerhalb einer Stunde eine Laterne zur Ladestation umgerüstet werden kann? Nicht überall da, wo eine Lampe leuchtet, geht auch eine Ladestation. Außerdem geht das Licht bei Sonnenaufgang aus und im Sommer spät wieder an. Der E-Mobilitätshype treibt schon wundersame Blüten. Ohne E-Infrastruktur-Verstärkung, das heißt dickere Kabel, größere Transformatoren usw. geht gar nichts. Back to the reality und hört auf zu träumen.

Thomas Fetzberger, Bargteheide

Warten auf’s Visum

4./5. Januar: Hamburgs Bürokratie stoppt Krankenpfleger. Asklepios möchte ausländische Fachkräfte einstellen. Sie sind ausgewählt, ausgebildet und sprechen Deutsch – arbeiten dürfen sie dennoch nicht

Meine Bekannte aus Serbien ist Krankenschwester, hat 16 Jahre Intensiverfahrung, Hochschulabschluss, Sprachniveau B2 Deutsch. Im April 2018 hat sie in der Deutschen Botschaft in Belgrad ein Visum beantragt. Im Juli 2018 hat sie einen Arbeitsvertrag in Bayern bekommen, alle Unterlagen sind im November 2018 zur Anerkennungsstelle gesendet worden. Im April 2019 kam ein Bescheid von der Behörde: Die Unterlagen müssen durch einen EU-vereidigten Dolmetscher übersetzt werden (ihre übersetzten und in der Deutschen Botschaft beglaubigten Kopien werden nicht von der Bayerischen Regierung anerkannt). Im Juni 2019 werden die neu übersetzten Unterlagen an die Regierung gesendet. November 2019: Juhu, der Bescheid ist da, und eine Rechnung über 290 Euro. Aber egal, ohne den Bescheid bekommt man kein Visum. Der Bescheid wurde im November 2019 im Deutschen Konsulat abgegeben. Heute ist der fünfte Januar 2020 und noch kein Visum in Sicht. Das ist der normale gesetzlich vorgeschriebene Weg. Dann gibt es auch welche, die ein Visum und den Bescheid nach drei Monaten bekommen. Es wird Personal aus der ganzen Welt nach Deutschland geholt, ohne sich Gedanken zu machen und ohne Struktur. Ländern wie Rumänien, Bulgarien, Albanien und ehemals Jugoslawien wird der Weg erschwert und hier in Deutschland brennt es. Und über Mobbing in der Pflege, das die ausländische Mitarbeiter ertragen müssen, ist noch kein Wort gesagt...

Dubravka Niksic

Tropfen auf dem heißen Stein

3. Januar: Bahn will 2000 Brücken sanieren. DB plant mehr Geld als in den Vorjahren ein – als Signal für die Verkehrswende

2000 Eisenbahnbrücken sollen in den nächsten zehn Jahren saniert werden. Das ist kein Beitrag zur Verkehrswende, sondern nur das absolute Minimum, wenn sich der Zustand der rund 25.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland nicht noch weiter verschlechtern soll. Seit der Ära Mehdorn wurden die Instandhaltungsaufwendungen der Deutschen Bahn so massiv herunterfahren, dass inzwischen vielfach nur der teure Neubau einer Brücke übrig bleibt, weil selbst simpelste Wartungsarbeiten unterblieben. Auch sollte man sich nicht von den aufgerufenen Investitionssummen – übrigens nahezu zu 100 Prozent aus Steuergeldern finanziert – blenden lassen. Denn alleine in Hamburg sind für die Sanierung/Neubau der (noch nicht einmal 50 Jahre alten) Süderelbebrücke und dem Neubau der Sternbrücke, die beide für den südgehenden Eisenbahnverkehr essenziell sind, mehr als eine Milliarde Euro erforderlich, ganz zu schweigen von den Bahnbrücken an der Elbgaustraße. Noch nicht einmal ein Sanierungs- bzw. Neubaukonzept für diese Brücken, die innerhalb der nächsten fünf Jahre erneuert werden müssen, liegt vor. Auch verschweigt die Meldung aus der PR-Abteilung der Deutschen Bahn geflissentlich, dass die Deutsche Bahn AG regelmäßig besonders alte, aber noch voll funktionstüchtige, Brücken abreißen lässt, wie zum Beispiel an der Plöner Straße, weil der Neubau einer uralten Eisenbahnbrücke das Durchschnittsalter des Brückenbestandes besonders stark senkt.

‎‎Michael Jung, Vastorf

Mehr Gelassenheit

4./5. Januar: Leserbrief der Woche: Satire? Nein! und 30. Dezember: ,Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau.‘ Ein satirisch gemeintes Lied, gesungen vom WDR-Kinderchor, sorgt für Aufregung. Leitartikel und Berichte

Ich bin ehrlich gesagt entsetzt über die Meinung, man sollte den „Verursacher“ des Liedes mit Berufsverbot belegen oder in die Wüste schicken. Wo kämen wir denn hin, wenn erst alle Bürger, alle Ethnien, alle Geschlechter usw. nach ihrer Meinung gefragt würden und erst nach einem Konsens aller, Veröffentlichungen oder sonstige Meinungsäußerungen in die Öffentlichkeit gelangten? Es muss doch in einem freien demokratischen Land möglich sein, eine eigene Meinung zu haben und sie zu vertreten? Auch wünsche ich mir, dass für meine Gebühren keine weichgespülten Meinungen veröffentlicht werden, sondern kontroverse Debatten angestoßen werden. Auch sehe ich keine Instrumentalisierung der Kinder. Sie haben ja recht. Wir Großeltern haben in der Vergangenheit zu wenig auf die Einhaltung des Klimaschutzes gedrungen. Auch dass mehr denn je PS-starke Autos und SUVs verkauft worden sind, ist eine Tatsache. Noch unverständlicher ist mir allerdings die Entschuldigung des Intendanten Tom Buhrow. Sollte sich nicht ein Chef vor seine Mitarbeiter stellen? Wieso geht er den Weg des geringsten Widerstandes? Schrecklich für den freien Journalismus! Ein Sprichwort besagt: Wem die Jacke passt, der zieht sie sich an. Ich bin selbst Großmutter, besaß noch vor kurzem ein Motorrad, aber ich fühle mich von dem Lied in keiner Weise angegriffen. Ich tue, was ich kann, um das Klima zu schützen und auch, wenn es nur ein kleiner persönlicher Beitrag ist, ist es besser als nichts zu tun. In dem Sinne appelliere ich an die Gelassenheit, haben wir Deutschen keine größeren Probleme?

Romy Körner, Uetersen