Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. Januar 2020

Dieser Zustand macht zornig

4./5. Januar: Hamburgs Bürokratie stoppt Krankenpfleger

Diese Reportage macht zornig und ratlos. Denn der geschilderte Zustand ist so menschenverachtend gegenüber denen, die in dieses Land kommen – woher auch immer – und Menschen in hilflosem Zustand Beistand und Unterstützung bringen wollen und können, wie zudem auch von höchstem Zynismus gegenüber Patienten, die mehr als dringend zu versorgen sind. Hier zeigt sich in erschreckender Weise, dass auch das „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ mit „Wartezeiten“, wie so viele von den Bundespolitikern groß als Leistung herausgestellte Vorhaben, nicht zu Ende gedacht ist. Es ist zu bezweifeln, ob angesichts der allseits und lange bekannten Notlage in den Kliniken, die geschilderten Verzögerungen in den Ämtern wie auch das Verschwinden von Akten und Unterlagen tatsächlich nur auf Personalmangel in den Behörden zurückzuführen ist.

Gerhard Klußmeier, Rosengarten

HVV-Preise reformieren

3. Januar: E-Autos lösen die Probleme nicht. Städten hilft nur ein wirklich günstiger, exzellenter ÖPNV

Den Kommentar möchte ich gerne mit einem Beispiel anreichern: Passend zum Datum der Veröffentlichung fuhr meine Frau mit dem Auto von Rissen nach Blankenese. Auf der Rückseite des Parktickets macht der HVV nun Werbung für die Nutzung des ÖPNVs. Ein Blick auf die Kosten macht schnell klar, wer hier der Favorit ist: Für den Individualverkehr fallen Kosten von zwei Euro inklusive Parkgebühren an, für den ÖPNV wäre mit 4,60 Euro mehr als das Doppelte fällig. Schnell wird klar: Um die Flexibilität des Individualverkehrs zu kompensieren und Anreize für den ÖPNV zu schaffen, benötigen wir dringend eine Reform des Preis- und Angebotsspektrums des HVV. Klimawirksamer öffentlicher Verkehr darf maximal einen Obolus kosten, wie beispielsweise das kürzlich diskutierte 365-Euro-Jahresticket. Nur wenn Angebot und Preis stimmen, wird es einen deutlichen Umstiegseffekt auf die öffentlichen Verkehrsträger geben. Die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, liegt bei der Politik und den Verkehrsbetrieben. Es lohnt sich deshalb sehr, die Angebote der politischen Parteien für die Bürgerschaftswahl im Februar diesbezüglich genau zu vergleichen.

Dr. Stephan Risse, Hamburg

Null Informationen in der Bahn

3. Januar: Computerpanne zum neuen Jahr – 120 Hamburger U-Bahnen ausgefallen

Meiner Meinung nach wird in dem Artikel leider nicht die ganze Wahrheit wiedergegeben. Der ÖPNV in Hamburg war an Silvester und Neujahr insbesondere in den sehr stark frequentierten Abend- und Nachtstunden eine reine Katastrophe. Verspätungen, nicht passende Anschlüsse, massive Ausfälle und die wenigen teils noch fahrenden U-Bahnen war deutlich überfüllt und fielen dann auch noch aus. Hinzu kamen dann noch mangelhafte Informationen an die Fahrgäste. In der S-Bahn gab es Null-Info über den flächendeckenden Ausfall des U-Bahnnetzes. Auch die Busfahrer hatten keine Infos erhalten. Nach unserer Silvesterfeier benötigten wir zwei Stunden und 20 Minuten, um von der S-Bahn Holstenstraße nach Norderstedt zu gelangen und das war auch nur möglich, weil wir uns etwas auskannten und Alternativen gefunden haben. Der ÖPNV ist so inakzeptabel und das Management sowie die Politik dürfen sich nicht wundern, wenn die Bürgerinnen und Bürger weiterhin auf das Auto setzen.

Joachim Osses, Norderstedt

Abseitsregel abschaffen

3. Januar: Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Nicht immer sehen Kameras besser als menschliche Augen. Die Hoffnung auf eindeutige Videobilder ist häufig trügerisch

Alle Diskussionen über „Abseits“ oder nicht wären überflüssig, wenn man die Abseitsregel im Fußball abschafft. Das alte Argument, dass nämlich die Abseitsregel verhindert, dass sich eine Mannschaft vor dem Tor des Gegners positioniert, um leicht ein Tor abzustauben, ist nichts wert. Da beide Mannschaften dies tun könnten, hebt sich der angebliche Vorteil auf. Die Hockey-Spieler (auch elf auf einem vergleichbar großen Feld) haben längst bewiesen, dass die Abschaffung des Abseits keiner Mannschaft einen Vorteil bietet. Der Fortschritt ist zweifach: Keine Diskussionen um Abseits oder nicht, und das Spiel ist flüssiger und rasanter geworden. Vielleicht bringt der Ärger über diese Regel auch in England die FIFA endlich dazu, diese abzuschaffen. Bis jetzt war sie zu träge, darüber nachzudenken.

Ralf Peter Wormsbächer, Hamburg

Parkplätze für Pflegedienste

31. Dezember/1. Januar: Kammer fordert Parkplätze nur für Handwerker. Präsident Stemmann appelliert an Senat: Verkehrswende nicht gegen die Wirtschaft gestalten

Service-Parkplätze für Handwerker, die Aufträge bei Kunden erledigen? Unbedingt! Doch bitte ich zu bedenken: Nicht nur handwerkliche und zuliefernde Berufszweige sind auf kundennahe Parkplätze angewiesen. Auch diejenigen, die die Versorgung des nicht mobilen Teils der Menschen in unserer Stadt im Hausbesuch sicherstellen, sind es und zwar tagtäglich. Also bitte auch ausgewiesene Parkplätze für Pflegedienste, Logopäden, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Ärzte und Hebammen.

Jutta Sembritzki, Hamburg