Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 31. Dezember 2019

| Lesedauer: 8 Minuten

Satire darf nicht alles!

30. Dezember: Leitartikel: Ruhe bewahren! Eine WDR-Satire sorgt für Aufregung

Den Schlusssatz in dem Leitartikel „Denn die Frage, was Satire darf, ist längst beantwortet. Sie darf alles“ kann ich nicht unterschreiben. Wenn sie alles dürfte, dürfte sie z.B. auch den „Holocaust“ leugnen oder andere Unwahrheiten verbreiten. Ich meine, hier hat sich Ihre Politik-Korrespondentin zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Stephan Brehmer, Norderstedt

Das ist ein heikles Thema

Nein, ich denke Sie liegen falsch mit Ihrem Kommentar. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Hier werden Kinder hineingezogen und zwar schon ganz kleine. Mein zweieinhalb Jahre alter Enkel liebt Lieder wie diese und ist in der Lage, sie ganz schnell singen zu können. Und je mehr Aufmerksamkeit er damit erregt – was bei diesem Text der Fall ist – umso lieber und lauter. Und da bei uns Vertrauen und tiefe Gefühle im Spiel sind, tut es mir weh, so etwas von ihm zu hören. Da hat mein Verstand nicht mehr so viel mitzureden. Satire ist ein heikles Thema, hat ihre Berechtigung und ihren Sinn, aber sie sollte ihren Platz ausschließlich unter gleichberechtigten Beteiligten finden, die sich ggf. auch zur Wehr setzen können. Und dafür gibt es viele Adressaten in Politik, Breitensport und Gesellschaft. Themen aber, die Menschen tief in ihrem Inneren berühren, bzw. sie ausmachen wie tiefe Gefühle, Liebe oder Trauer, Religion und körperliche, geistige oder seelische Behinderung gehören ausgeklammert. Sie treffen die Menschen oftmals in Situation bzw. Momenten in denen man nicht in der Lage ist, sich abzuschotten oder dem etwas entgegenzusetzen. „Jeder hat das Recht, auf die Schippe genommen zu werden.“, schreiben Sie, Frau Holthoff. Welche Arroganz liegt in diesen Worten – oder mangelnde Lebenserfahrung. Leider hat nicht jeder die Fähigkeiten mitbekommen, dies zu ertragen oder sie im Laufe eines (schweren) Lebens verloren.

Birgit Schauerte

Was haben wir getan? Nichts!

Satire darf alles! Das wissen wir nicht erst seit Jan Böhmermann und seinem Schmähgedicht. Insofern halte ich das Einknicken des WDR für bedenklich! Ich bin keine Oma und fahre auch nicht Motorrad. Aber ich bin Opa mit drei Enkelkindern und fühle mich überhaupt nicht beleidigt. Im Gegenteil, der Vorwurf an die ältere Generation ist berechtigt! Seit über 30 Jahren haben uns Wissenschaftler und die Umweltverbände auf die Gefahren des Klimawandels hingewiesen. Welche Schlüsse haben wir daraus gezogen? Keine! Was haben wir getan? Nichts! Also tun wir doch bitte nicht so künstlich empört!

Hans-Joachim Bull, Quickborn

Nuhr for President!

28./29. Dezember: Hamburger KRITiken: Wenn Kabarettisten mehr wagen als die Politik

Nuhr for President! Besser kann man die Lage der Nation nicht beschreiben als Herr Iken es getan hat. Wenn ehemalige Volksparteien unfreiwillig ins Kabarettistenfach wechseln, sollte Herr Dieter Nuhr ernsthaft erwägen, sich als unabhängiger Kanzlerkandidat aufzustellen, denn er ist der einzige in dieser Republik, der noch das ausspricht, wozu kein Politiker mehr in der Lage ist, was von der Mehrheit aber als richtig angesehen wird. Wir wären nicht das erste Land, welches von einem Kabarettisten regiert wird, wir brauchen nur etwas Mut und unsere Demokratie kann sich zum Besseren wenden.

Volker Schwikowski, Hamburg

Sachliche Debatte unmöglich?

28./29. Dezember: Hamburger KRITiken und Leitartikel: Mehr Mut bei der Energie. Der Atomausstieg war richtig. Seither fehlt es der Regierung aber an Entschlossenheit

Anlässlich eines Besuches im Atommüllendlager Schacht Konrad in Salzgitter hörten wir vor einiger Zeit einen Vortrag über die geologischen Bedingungen zur sicheren Lagerung von Atommüll. Der verantwortliche Geologe dort erläuterte überzeugend, dass die sichere Endlagerung aus geologischer Sicht eigentlich kein so schwieriges Problem sei, auch über sehr lange Zeiträume, die die Menschheit auf diesem Planeten aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr erleben wird. Vielmehr sei die Diskussion darum emotional überfrachtet, weshalb eine sachliche Debatte fast unmöglich sei. Auf jeden Fall sei die Endlagerung von Atommüll technologisch deutlich einfacher, als die Reduktion oder gar Wiedergewinnung von bereits emittiertem CO2. Von daher kann man die Frage, ob der Atomausstieg richtig war, durchaus mit „nein“ beantworten, zumindest was den Zeitpunkt angeht. Eine Priorisierung des Kohleausstiegs wäre klimapolitisch sehr viel sinnvoller gewesen. Matthias Iken hat recht, wenn er feststellt, dass solche vom Mainstream abweichenden, aber gut begründeten Positionen erlaubt sein müssen und nicht diffamiert werden dürfen. Wenn der Leitartikler dann meint, es bedürfe in der Politik mehr Mut, dann kann man dem zustimmen, nämlich insofern, als die Politik endlich den Mut aufbringen müsste, die Interessen der Allgemeinheit wieder in den Vordergrund zu stellen und die juristische Einforderung von Partikularinteressen von Einzelnen zu beschränken. Die mangelnde Genehmigung von Windkraftanlagen sowie vor allem des Netzausbaus beruht nämlich zu einem erheblichen Teil auf privaten Klagen. Hier muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Wir brauchen ein Gesetz, mit dem für die Allgemeinheit wichtige Infrastrukturvorhaben vom Parlament gesetzlich beschlossen und damit unanfechtbar werden.

Bernd Plath

Ältere Menschen sind froh

28./29. Dezember: Hamburger Edeka-Supermarkt verkauft keine Böller mehr

Bravo! Alle Hundehalter und älteren Menschen sind froh und dankbar für jede Initiative, die diesem antiquierten Brauch der Silvesterböllerei ein Ende setzen will. Dass die Politik in naher Zukunft ein Gesetz beschließt, das den Verkauf von Böllern und Raketen in diesem Land verbietet, ist jedoch nicht abzusehen. Zu groß sind der wirtschaftliche und öffentliche Druck, denn es wären dann wieder Arbeitsplätze in Gefahr und man möchte das (Wahl-)Volk nicht gegen sich aufbringen. Außerdem besteht die Gefahr, dass nach einem Verkaufsverbot in Deutschland der illegale Handel mit gefährlichen „Polenböllern“ rasant zunehmen wird. Die Folgen würden vor allem die Krankenhäuser bald zu spüren bekommen. Und am Ende auch jeder Bürger durch höhere Krankenkassen- Beiträge.

Martin Wucherpfennig

Chapeau, Herr Hirche!

Kein Verkauf von Böllern bei Edeka. Man kann nur sagen: Chapeau, Benjamin Hirche! Würde ich in Hamburg wohnen, täte ich bei Ihnen kaufen.

Stefan Schulz, Sauensiek

Politik ist nicht bürgernah

27. Dezember: 2020 – das Jahr der Großprojekte im Hamburger Westen. Was ändert sich in den sieben Bezirken? Heute zum Start der Serie: Altona. Dort gibt es Dutzende große Bauvorhaben – viele mit Hindernissen

Das Abfeiern von Großprojekten mag in die Vorwahlkampfzeit passen, bürgernäher wird die Politik dadurch nicht. Es ist schon befremdlich, wenn die neue Bezirksamtsleiterin Frau von Berg zur Schließung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona und seine Verlagerung zum Diebsteich lediglich bemerkt: „Die neue Trassenführung ist für den Bahnverkehr sehr wichtig“. Die mehr als 70.000 Bürger Altonas, die durch die Bahnhofsverlagerung ihren Bahnhof in fußläufiger Entfernung verlieren und Tausende von Pendlern, für die sich durch zusätzliches Umsteigen am Diebsteich der Weg zur Arbeit um mindestens zehn Minuten und mehr verlängert, fallen einfach unter den Tisch. Sind Frau von Berg die Gewinne der DB AG wichtiger als die Interessen der Bürger? Ganz zu schweigen davon, dass Diebsteich überhaupt nicht die Kapazität hat, den im Rahmen des Deutschlandtaktes geplanten zusätzlichen Zugverkehr aufzunehmen. Insoweit ist dieses Projekt alles andere als zukunftsfähig.

Michael Jung, Hamburg

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