Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. Dezember 2019

| Lesedauer: 8 Minuten

Armutszeugnis für Staatsrat

23. Dezember: CDU fordert Carsharing-Angebote und Moia für ganz Hamburg. Neuer Mobilitätsservice soll bis ins Umland überall verfügbar sein. Staatsrat weist auf rechtliche Probleme hin

Es kommt einem Armutszeugnis gleich, wenn Staatsrat Rieckhof mitteilt, dass er als Vertreter der Stadt nicht in der Lage ist, mit Fahrdienstleistern Verträge im Sinne der Stadt abzuschließen. Und es ist schlimm, dass mit „eigenwirtschaftlichen Angeboten“ der Anbieter zu begründen. Was erwartet Herr Rieckhof? Das gilt für Moia und diverse Scooter-Sharing-Dienste gleichermaßen. Die Stadt ist der Auftragnehmer, ihr obliegt es smarte, flächendeckende Konzepte für das gesamte Stadtgebiet einzukaufen. Da muss der Staatsrat wohl ein wenig verhandeln, um das Beste für die gesamte Stadt bzw. besser noch, die Metropolregion herauszuholen.

Christian Krause, Rosengarten

Menschenwürdige Lösungen

23. Dezember: Die Christkinder auf Lesbos. Warum die EU nicht viel besser ist als König Herodes

Es ist eine unglaubliche Schande, wie wir in Deutschland und Europa mit den Flüchtlingen umgehen. Da gehen die Leute in die Kirchen statt ihren Abgeordneten Feuer unter dem Hintern zu machen, damit die sich endlich für nationale und europäische Lösungen stark machen. Der Klimawandel für die Flüchtlinge hat schon stattgefunden, dagegen kämpft die EU- Kommissionspräsidentin aber nicht. Sie sucht ja nach ihrem Handy. Wir brauchen ganz schnell menschenwürdige Lösungen und keine Sprechblasen.

Hans-Volker Domjahn

Ein gestohlenes Jahr

21./22. Dezember: Warum sind alle gegen eine gute Idee? Annegret Kramp-Karrenbauer wagt einen Vorstoß für ein Pflichtjahr. Dieser Bürgerdienst wäre ein Segen fürs Land

Schön, dass Herr Iken seinen Zivildienst in sinnstiftender Erinnerung hat. Für mich war es ein gestohlenes Jahr, in dem ich einem normalen Angestellten seinen Arbeitsplatz weggenommen habe. Welchen Inhalt sollte ein Pflichtjahr haben? Soziale Berufe wie früher beim Zivildienst? Oder diesmal auch die Programmierung von Computern, um die Digitalisierung des Landes zwangsweise voranzubringen? Gibt es dann eine staatliche Plankommission, die über die Verteilung der Dienstpflichtigen entscheidet? Wenn der Staat für ein Jahr besser als der Bürger weiß, welcher Beruf für den jeweiligen Bürger der richtige ist, warum dann nicht gleich für das ganze Leben? Wer eine Dienstpflicht für eine gute Idee hält, der sollte ehrlich zu sich selbst sein und erkennen, dass er staatliche Planwirtschaft für eine gute Idee hält. In einem freien Land sollten wir bei der Freiheit der Berufswahl bleiben.

Tilo Kienitz

Ein Segen für unser Land

Herr Iken hat mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen. Genau das wäre es: Dieser Bürgerdienst wäre ein Segen fürs Land.

Regina Uhl, Elmshorn

Erfahrungen fürs Leben

Endlich ein Statement für das Pflichtjahr. Alle würden profitieren. Meine beiden Söhne haben Zivildienst geleistet – Erfahrungen fürs Leben. Dem Vorstoß von Annegret Kramp-Karrenbauer und dem exzellenten Artikel von Matthias Iken ist nichts hinzuzufügen.

Antje Netz

Ein bösartiger Artikel

21./22. Dezember: Hallelujah. Wie viele Weihnachtsoratorien von Bach verträgt man als Musikkritiker in der Hamburger Adventszeit? Eine Kurzgeschichte von Joachim Mischke

Als ich heute den Kulturteil aufschlug und die Kurzgeschichte „Halleluja“ von Joachim Mischke zu lesen begann, war ich, gelinde gesagt entsetzt. Wie kann ein Chefreporter Kultur sich erlauben, so einen unsachlichen, ja bösartigen Artikel über einen der größten Komponisten, den unser Land je hervorgebracht hat, zu schreiben. Man muss ja nicht die Musik Bachs mögen, aber als Musikkritiker sollte man zumindest objektiv sein. Ich habe in dem letzten Jahrzehnt so manche Kritik des Herrn Mischke gelesen, verstanden habe ich sie meistens nur zum Teil. Aber ich habe mir stets gedacht, jemand, der Musik studiert hat und ausgewählt wurde, als Chefreporter zu berichten, wird schon wissen, worüber er schreibt. Aber dieser Artikel ist bösartig und unwürdig. Ich selbst habe mich mein Leben lang mit klassischer Musik befasst (Mitglied im Kirchenchor, Klavierspielen) und lasse mich durch so einen perfiden Beitrag nicht abbringen, mich auch weiterhin an der Musik von Bach zu erfreuen. Aber ich werde in Zukunft keine Beiträge von Herrn Mischke mehr ernst nehmen oder sie gar nicht erst lesen.

Hannsjörn Boës, Buchholz/Nordheide

Selten so viel Spaß gehabt

Oh, wie war es schön, diesen Artikel zu lesen. Endlich ein Mensch, der mich versteht. Danke, für diese erbauliche Musikkritik, habe selten so viel Spaß gehabt.

Dodo Steinhardt

Bedauerlicher Fehltritt

Ich habe mit großer Enttäuschung den Artikel über die Musik Johann Sebastian Bachs gelesen und kann einfach nicht fassen und nachvollziehen, dass ein so hervorragender Musikkenner und Kritiker, dessen Rezensionen ich immer mit großem Vergnügen lese, eine derart abfällige Meinung über die Musik Bachs äußern kann. Die Erklärung des Autors, ihm fehle das „notwendige Geschmacks-Gen“, die Musik Bachs zu mögen, ist keine hinreichende Erklärung für seine Aversion. Was fehlt, ist das Empfinden für eine Musik, die über Jahrhunderte hinweg die Herzen musikliebender Menschen bewegt. Man fragt sich unwillkürlich nach den Ursachen einer derartigen Betrachtungsweise, die der Autor in geradezu blasphemischer Art und Weise zum Ausdruck bringt. Die Prädikate, mit denen Joachim Mischke die Musik Bachs insbesondere die Weihnachtsoratorien charakterisiert, sind indiskutabel. Ich kann nur mein Bedauern über diesen Fehltritt des von mir geschätzten Autors zum Ausdruck bringen.

Dr. Claus Rabe

Ruine Poolstraße einbeziehen

21./22. Dezember: ,Ich beobachte die derzeitige Diskussion etwas irritiert‘. Professorin Miriam Rürup leitet in Hamburg das Institut für die Geschichte der deutschen Juden. Sie schlägt vor, mehr Differenzierung in die Debatte über den Wiederaufbau der Bornplatz­synagoge zu bringe

Dem Vorschlag von Professorin Miriam Rürup, die Debatte um die Schaffung eines jüdischen Kulturzentrums nicht auf einen Ort zu verengen, möchte ich zustimmen. Gerade die Tatsache, dass das Liberale Judentum 1844 in Hamburg seinen Anfang nahm, und es gilt, die außergewöhnliche Geschichte jüdischer Vielfalt und Kultur in unserer Stadt wiederzuentdecken und zu beleben, sollte die Diskussion auch auf die historisch so wertvolle Ruine an der Poolstraße lenken.

Dr. Jürgen Woldt

Begrüßenswerte Regeln

21./22. Dezember: Kirchenknigge – was sich alles nicht gehört. Zu Weihnachten kommen auch die weniger geübten Besucher in die Gotteshäuser

Ihre vorgeschlagenen Regeln für einen standesgemäßen Kirchenbesuch sind sehr begrüßenswert. Ist es aber nicht eine Schande, dass es dazu überhaupt erst kommen muss? Ich schlage deshalb vor, dass jedem Kirchenbesucher schon beim Eintritt in das Gotteshaus Ihr „Knigge“ persönlich übergeben wird. Es dürfte doch auch einem Pastor nicht schwerfallen, zu Beginn des Gottesdienstes auf korrektes Verhalten hinzuweisen. Die „Großzügigkeit“ des Herrn Pastor Röder einer Minderheit gegenüber, die sich nicht benehmen kann, in allen Ehren. Er sollte aber auch an die Mehrheit denken, die in die Kirche zur Ruhe und Besinnung kommen und seiner Predigt ungestört lauschen möchte.

Uwe Grahn, Hamburg

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