Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. Dezember 2019

| Lesedauer: 4 Minuten

Sauber, leise und zumeist leer

20. Dezember: Neue Pläne von Moia im Umland – eine eine Tesla-Flotte für Hamburg. Elektro-Kleinbusse sollen auch durch Ahrensburg rollen. Anbieter Free Now bestellt 60 Autos vom Typ Model 3

Seit dem Frühjahr sind nach meiner Kenntnis bis zu 300 Moia-Kleinbusse im Hamburger Stadtbild unterwegs. Erfreulich sauber und leise, aber zumeist leer. Wir haben vor wenigen Wochen an der Mundsburg in einem Restaurant gesessen und vom Fensterplatz aus die vielen Moias gezählt: An einem Sonnabend zwischen 22:00 und 22:30 Uhr kamen wir auf neun Busse mit insgesamt drei Passagieren. Diese Aussage ist natürlich nicht repräsentativ, wurde aber am Eppendorfer Markt ähnlich beobachtet: Mittwochabend gegen 22:30 Uhr: acht Busse mit drei Passagieren. Wenn also Moia 770.000 Passagiere in den letzten achteinhalb Monaten hatte und diese 300 Busse Tag für Tag durch Hamburg kurvten, hatten sie durchschnittlich maximal elf Passagiere am Tag. Jeder Taxiunternehmer müsste dabei Konkurs anmelden. So sehr wir wohl alle eine verbesserte Struktur des ÖPNV wünschten, hier werden wertvolle Ressourcen (Batterieherstellung) durch 300 Moias vergeudet, Strom (Leerfahrten) verbraucht und vielleicht auf Kosten des Steuerzahlers (Subventionen) Testfahrten (für VW) vergünstigt durchgeführt. Dann lieber ÖPNV: Der HVV könnte vielleicht seine Ansätze für Alternativantriebe verstärken bzw. erneuern – durch Wasserstoff- oder auch Gasantrieb. In Hongkong fahren seit nahezu 20 Jahren alle Busse und Taxis in der Stadt mit Gas, Dieselschwaden gibt es schon lange nicht mehr.

Andreas Gärtner

Alternativlos: Wasserstoff

18. Dezember: Die mobile Zukunft: Batterie oder Wasserstoff? Wie sollen Autos in Hamburg künftig angetrieben werden? Der Wirtschaftssenator hat eine klare Meinung. Doch es gibt auch andere Stimmen

Beim Batteriewirkungsgrad werden Beschaffungs- und Wiedergewinnungskosten der seltenen Erden sowie Kosten der Herstellung völlig außer Acht gelassen. Auch ist ein Batterietausch wohl praktisch unmöglich. Das heißt doch, dass ein Auto ein Totalverlust ist, wenn die Batterie defekt ist. Beim Wasserstoffauto ist, wie heutzutage, alles austauschbar und der Wasserstoff ist wie Gas, lagerbar und per Pipeline transportierbar. Ergo: Wir sollten unseren Windstrom so lange wie möglich in Norddeutschland behalten und eher zu Wasserstoff machen anstatt die Windmühlen abzuschalten, wenn er nicht in den Süden transportiert werden kann.

Horst Raczkowski

Wer stoppt Herrn Scholz?

19. Dezember: Gastbeitrag: Der Sinneswandel des Olaf Scholz. Der Minister will über eine europäische Einlagensicherung verhandeln. Warum? Und was bedeutet das für deutsche Sparer?

Zinsen haben die Sparer schon lange kaum noch erhalten. Die Inflation schmälert die Guthaben. Und nun soll die deutsche Einlagensicherung, die früher in unbegrenzter Höhe und jetzt nur noch bis 100.000 Euro je Sparer bei einem Institut gilt, auch noch für marode südeuropäische Banken herhalten! Wer stoppt Herrn Scholz?

Wilfried Reitz, Halstenbek

Zeitzeugen anhören

18. Dezember: ,Nicht zum Holocaust beigetragen‘. Früherer KZ-Wachmann sagt aus, er hätte vom Turm aus niemanden erschossen

Diesen Prozess verfolge ich von Anfang an mit Unbehagen. Ich habe die letzten beiden Kriegsjahre als Luftwaffenhelfer in Berlin erlebt und weiß noch sehr gut, wie man sich als Heranwachsender damals im Hitlerbegeisterten Deutschland gefühlt hat. Diese Zeit und das Bewusstsein in den Köpfen gerade von jungen, im dritten Reich groß gewordenen Deutschen ist heute unmöglich nachzuempfinden, es sei denn, man hat diese Zeit selbst bewusst erlebt. Von einem damals 17 bzw. 18 Jahre alten Jungen heute zu erwarten, dass er zwischen Gehorsam und ethisch begründeter Menschlichkeit wohl hätte abwägen können, ist deshalb schlicht absurd. All das macht diesen Prozess so überaus fragwürdig und bei allem guten Willen: Jede heutige Richterin ist da einfach überfordert. Zumindest müsste sie Zeitzeugen anhören, die damals etwa in dem Alter waren und Uniform trugen. Noch leben genügend davon.

Freyr Schuster, Wedel

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe