Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Dezember 2019

Mit zweierlei Maß gemessen?

11. Dezember: Putins Worte und ein schrecklicher Verdacht. Der russische Präsident nennt den in Berlin getöteten Georgier einen ,Banditen‘. Will er einen Mord im staatlichen Auftrag rechtfertigen?

Bei der Berichterstattung über den Mord an einem Georgier in Berlin fällt die Doppelmoral auf: Bin Laden darf von den USA ermordet werden, und die Welt inklusive Angela Merkel applaudiert. Zelimkhan Khangoshvili wird von Putin vorgeworfen, an einem Anschlag auf die Metro beteiligt und für 89 weitere Tote im Kaukasus verantwortlich gewesen zu sein und wurde anscheinend deswegen hingerichtet. Zwei vermutliche Terroristen werden getötet: Obama gefeiert und Putin gemaßregelt? Viel mehr sollte die Öffentlichkeit interessieren, warum dieser Mann nicht ausgeliefert oder in Deutschland geschützt wird? Was macht er in Deutschland? Ist er legal mit Visum eingereist oder hat er Asyl beantragt? Anstatt wieder einmal auf Putin einzudreschen, sollten die Karten auf den Tisch gelegt werden, welche Rolle Khangoshvili womöglich bei den deutschen Geheimdiensten gespielt hat. Bin Laden oder er: Mord bleibt Mord.

Dietmar Johnen-Kluge

Die Interessen aller abwägen

10. Dezember: Fahrrad-Club klagt Senat an: Viele Hamburger Velorouten zu schmal. Strecke am Mundsburger Damm nur 1,37 Meter breit

Die Fahrradlobby in Hamburg ist sehr gut organisiert. Bei jeder Bürgeranhörung zu neuen Bauprojekten oder Velorouten geben ihre Mitstreiter den Ton an und fordern ihre „Rechte“ ein. Der normale Bürger, z.B. der Fußgänger, kommt da kaum zu Wort. So sollen für die geplante Veloroute in der Bleickenallee in Ottensen tatsächlich Millionen ausgegeben werden, um den bisherigen schönen Fahrradweg in der Mitte der Allee an die Straßenseiten zu verlegen. Sonst würde die Route nicht den geforderten Ansprüchen in Bezug auf Breite und Asphaltierung genügen. Dass dafür bestehende Parkplätze, schönes Kopfsteinpflaster und diverse große Bäume geopfert werden sollen, scheint völlig egal zu sein. Tatsächlich aber können gute Lösungen nur gefunden werden, wenn die Interessen aller Bürger berücksichtigt werden. Das würde auch das Verständnis gegenüber der organisierten Minderheit der Radfahrer erhöhen. Die Radfahrer selbst, die rüpelhaft über Fußwege und rote Ampeln rasen und immer breitere Radwege fordern, helfen der Akzeptanz nämlich überhaupt nicht.

Harald Meyer, Hamburg-Ottensen

Jammern auf hohem Niveau

Wer sich über eine Radwegbreite von 1,37 Meter beschwert, sollte mal auf dem Radweg des Schiffbeker Wegs Richtung Norden fahren. Der Radweg verläuft zwischen Fahrbahn und Baumreihe. Er ist 80 cm breit. Der Abstand zur Bordsteinkante beträgt 65 cm. Zudem ist der Radweg teilweise bis zur Hälfte mit Gras überwachsen, hat Schlaglöcher und Bodenwellen. Zusätzlich ist der Radweg wegen der Baumwurzeln teilweise zur Straße hin schräg. Wenn ich auf dem verbliebenen schmalen Radweg fahre, habe ich nur wenige Zentimeter Abstand zwischen meinem linken Ellenbogen und dem Lkw-Verkehr. Einen Schlenker kann ich mir trotz der vielen Unebenheiten nicht erlauben. Meine Tochter habe ich immer auf dem Fußweg fahren lassen, auch wenn das nicht erlaubt ist. Radwege enden plötzlich, und man muss sich in den laufenden Verkehr einfädeln. Dann fangen sie wieder an, aber man weiß nicht so richtig, wie man dahin kommen soll. Es gibt keine Radfahrerampel, um sicher über die Washingtonallee zu kommen. Oder man will auf dem Radweg entlang des Schleemer Baches die Möllner Landstraße an der Einmündung Kapellenstraße überqueren. Die Doppelampel ist so ungünstig geschaltet, dass die Querung bis zu drei Minuten dauert. Was nützen tolle Velorouten in der Innenstadt, wenn man in Billstedt wohnt?

Heiko Fromm, Hamburg-Billstedt

Gefährliche Kompromisse

Grundsätzlich befürworte ich den Ausbau der Radwege in Hamburg. Wer skeptisch ist, sollte mal ein Wochenende in Kopenhagen verbringen. Die strikte Trennung von Fuß-, Radwegen und Straßen habe ich als Fußgänger sehr genossen. Allerdings habe ich auch Verständnis für diejenigen, die diese Pläne umsetzen müssen und dabei auf enorme Schwierigkeiten und vor allem Platzprobleme stoßen. Dies führt dann manchmal zu gefährlichen Kompromissen. Kürzlich navigierte Google mich wegen der zahlreichen Baustellen durch die Weidestraße. Hier wird es durch die aufgemalten Radwege für alle so bedenklich eng, dass sich stellenweise die Außenspiegel der entgegenkommenden Fahrzeuge fast berühren, und zwar auch bei ganz normal breiten Pkw. Lkw müssen unweigerlich auf die Radwege ausweichen, wenn sie sich entgegenkommen. Wenn wir schon über zu schmale Radwege diskutieren, muss in dieser Straße über zu schmale Straßen geredet werden.

Christian Papageorgiou

Alkohol wird verharmlost

10. Dezember: Erst Tabak , dann Alkohol. Wer die Werbung für Zigaretten verbietet, sollte dies auch für Bier, Wein und Schnaps tun

Der Kommentar spricht mir aus der Seele. Angesichts der großen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Schäden durch unangemessenen Alkoholkonsum ist es mir unverständlich, dass für die Droge Alkohol immer noch geworben werden darf. Nach dem Werbeverbot für das Rauchen muss konsequenterweise auch ein Werbeverbot für den Konsum von Alkohol kommen. Es könnte dazu beitragen, sukzessive der allgemeinen Verharmlosung des Alkoholkonsums entgegenzuwirken und ein breiteres Bewusstsein für dessen Gefahren zu fördern.

Heino Greve

Beitrag zum Klimaschutz

10. Dezember: Sylter Initiative: Trinkt mehr Leitungswasser! Energieversorger und Marketing Gesellschaft werben um Einheimische und Urlauber

Nachdem meine Partnerin und ich erst vor wenigen Wochen auf Sylt waren, kann ich bei dieser Initiative nur von einer ganz tollen Idee sprechen. Ohne die Hintergründe aus dem Artikel zu kennen, fiel uns sofort der Geschmack des Leitungswassers sehr positiv auf. Hinzu kommt, dass ich noch nie den Kauf von natürlichem Wasser in Flaschen verstanden habe – insbesondere aus entfernten Gegenden oder sogar aus Italien. Mit dem Verzicht darauf können alle etwas für den Klimaschutz tun!

Frank Wulf, Tostedt

Adventszeit ist Fastenzeit

9. Dezember: Mehrheit befürwortet weniger Weihnachtsbeleuchtung

Schon lange frage ich mich, wann hat das angefangen mit diesen Millionen von Lichtern? Die Adventszeit war ursprünglich eine stille, dunkle und auch karge Zeit. Sie galt als Fastenzeit, ohne Fleisch und Gebäck. Es geht um Verzicht, damit man zur Ruhe und Besinnung kommt, konzentriert und ruhig wird. Es tut auch unseren Seelen gut, mal nicht zu hetzen. Und die vier Kerzen auf dem Adventskranz zeigen es uns ebenfalls. Es wird dann immer heller. Im Zimmer, in den Augen, den Gedanken, in uns. Da können wir gut auf die Millionen von Lichtern in den Städten verzichten, Strom sparen und wieder den Sternenhimmel besser erkennen.

Marion Peters

Einen Parlamentssitz auflösen

9. Dezember: So radikal sind von der Leyens Klimapläne. Ob Heizen, Tanken oder Schiffsreisen – alles soll teurer werden, so das Vorhaben der EU-Kommissionspräsidentin. Sie will Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent machen

Die EU leistet sich zwei Parlamentssitze, in Brüssel und in Straßburg. Abgeordnete müssen noch immer die ungeliebten Pendelreisen zwischen beiden Städten auf sich nehmen. Dabei werden auch tonnenweise Akten hin- und hertransportiert. Wenn Frau von der Leyen Umweltschutz ernst nehmen will, dann sollte sie im eigenen Hause anfangen und der Ressourcenverschwendung von Zeit, Energie und Geld ein Ende setzen.

Ralph Siebert, Siegen