Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 9. Dezember 2019

| Lesedauer: 5 Minuten

Straßenbahn ist konkurrenzlos

6. Dezember: Leitartikel: Bus in der Sackgasse. Immer mehr Verspätungen. Ohne die Stadtbahn dürfte die Verkehrswende kaum gelingen

Vielen Dank für das überzeugende Plädoyer für ein bewährtes Verkehrsmittel. Auch die Kritik an den Reaktivierungsversuchen der letzten Jahre trifft den Kern. Einfache Lösungen sind jetzt gefordert, kein Perfektionswahn. Eine Stadtbahn kann und sollte zwar auf schönen Rasentrassen fahren, sie muss es aber in engen Innenstadtstraßen nicht. Eine simple Vorrangschaltung und die Abkehr von der autogerechten Stadt hilft, dafür muss dann auch kein einziger Baum gefällt werden und kein Vorgarten weichen. Und die Linie 5 wäre der ideale Einstieg, weitgehend auf eigener Trasse unterwegs und problemlos umzurüsten. Fährt die Stadtbahn erst einmal wieder, wird schnell dafür überall Bedarf entstehen, das hat schon der frühere HHA-Chef Elste prophezeit. Der Wirkungsgrad und Fahrkomfort des elektrifizierten Rad-Schiene-Systems ist einfach konkurrenzlos hoch, es entsteht kein Kunststoff-Reifenabrieb (gegenwärtig Hauptverursacher für Mikroplastik) und es werden keine problematischen Akkus benötigt. Zudem sind Schienenfahrzeuge deutlich langlebiger als Busse. So erscheint die weit über hundert Jahre alte Erfindung wie geschaffen für die Verkehrsprobleme unserer Zeit.

Dr. Martin Schwager

Auf den Punkt gebracht

Der Leitartikel bringt die gegenwärtige Misere „auf den Punkt“ – vielen Dank für die „ungeschminkten Wahrheiten“! Eine kleine Ergänzung: Leider ist den Verantwortlichen – vor der kostenträchtigen Fehlentscheidung – entgangen, dass man eine nicht unerhebliche Zeitersparnis ganz einfach erreichen könnte, wenn, wie in anderen Städten üblich, der Busfahrer nicht persönlich Fahrscheine ausstellen müsste. Aber warum nachdenken, Hamburg verfügt ja über üppige Steuereinnahmen durch die Bürger, die sich leider noch viel zu häufig verdummen und manipulieren lassen.

Jörg-R. Vahle

Früher war die SPD dafür

Der Leitartikel von Mathias Iken zur nötigen Verkehrswende ist, wie gewohnt sauber recherchiert, aber nicht „komplett“: Auch die Hamburger SPD war vor Olaf Scholz für die Wiedereinführung der Stadtbahn, wollte mit ihr auch die HafenCity anbinden. Das hätte den angestrebten „Sprung über die Elbe“ nach Wilhelmsburg und Harburg ermöglicht. Die nötigen Brücken gibt es ja schon. Und die CDU hat 2014 unter Bürgermeisterkandidat Dietrich Wersich mit vier Stadtbahntrassen und insgesamt 17 Linien geworben, vom Elbe-Einkaufszentrum bis Rahlstedt, Burgwedel bis zur Veddel und Eidelstedt bis Wandsbek. Auch bei der HHA dürften zur Stadtbahn konkrete Pläne vorhanden sein.

Michael Dose, Hamburg-Heimfeld

Erschütternder Bericht

7./8. Dezember: Ein Herz für Lilly. Im Januar will der Bundestag über ein neues Organspendegesetz entscheiden. Die neunjährige Lilly wartet als Patientin des UKE seit 18 Monaten auf eine Transplantation

Selten hat mich ein Bericht über das Leid eines Kindes so erschüttert wie Ihre Reportage über die neunjährige Lilly, die sehnsüchtig auf ein Spenderherz wartet. Erlauben Sie mir als gläubigem Menschen eine persönliche Anmerkung. Unser aller Leben liegt nicht in den Händen von Ärzten und Spendern, es liegt in Gottes Hand. Wenn Lilly so lange am Leben geblieben ist, dann heißt das in meinen Augen: Gott, unser aller Schöpfer und Erhalter, möchte, dass dieses Kind lebt. Die Eltern tun alles, um ihrem Kind zu helfen. Warum versuchen sie es in ihrer Verzweiflung nicht einmal mit einem Gebet und warum lehren sie ihre Tochter nicht, die Hände zu falten? Ich bin Muslim. Auch unter meinen Glaubensgeschwistern gibt es mancherlei Vorbehalte gegen Organspenden. Ich trage dennoch meinen Spenderausweis ständig bei mir. Gott sei Lilly und allen, die auf ein Spenderorgan warten, gnädig!

Peter Schütt

Langes Warten in der Sonne

7./8. Dezember: Hafenfähren sollen Angebot ausweiten. SPD und Grüne wollen Expressverbindungen nach Finkenwerder

Es wäre absolut hilfreich, wenn die Regierungsfraktionen über einen obligatorischen Ausstieg in Finkenwerder nicht noch länger nachdenken, sondern ihn sofort umsetzen würden. Es ist nicht hinnehmbar, dass wartende Fahrgäste in mehrere Fähren nicht einsteigen können, weil Touristen Billigrundfahrten unternehmen. Alte, Gehbehinderte, Familien mit Kleinkindern und Kinderwagen - sie alle standen im Sommer deswegen bis zu eineinhalb Stunden dort in der prallen Sonne. Vom rüpelhaften und gefährlichen Gedränge und Geschiebe beim Einsteigen mal ganz zu schweigen.

Gabriele Ebert

P+R in Finkenwerder

Zur Angebotsausweitung der Linie 62 hätte ich noch einen Vorschlag: Einrichtung eines P+R-Platzes in Finkenwerder und ein Großteil der Hamburg-Pendler aus dem Bereich Unterelbe, bis über Buxtehude hinaus, würden Straßen und Bahnverkehr in Richtung Hamburg entlasten. Die geplante Ausweitung des Fährverkehrs hätte eine zusätzliche Grundlage für entsprechend stabile Fahrgastzuwächse. Gleichzeitig würde es die aktuelle Anwohner-Parkplatznot im weiteren Umkreis des Anlegers Finkenwerder entspannen.

Eggert Oldenburg, Hollenstedt

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