Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Dezember 2019

Wählen bis Ergebnis passt?

30. November/1. Dezember: Grünes Machtversagen. Das Drama in Eimsbüttel zeigt erneut: Wenn es ernst wird, schwächelt die Partei in Hamburg

Das Abstimmungsdebakel lässt die eine oder andere politische Maske fallen. Es ist mehr als befremdlich, dass der grüne Bezirkschef und Justizsenator Till Steffen die Wahl wiederholen lassen will. So lange, bis das Ergebnis für die Grünen passt? Das grüne Demokratieverständnis in dieser Sache ist mehr als scheinheilig, unprofessionell und offenkundig geprägt durch Machtgier und Postenschieberei.

Joachim Gebauer

Senatskanzlei als Schaltstelle

30. November/1. Dezember: Neues Leitbild: ,Nachhaltigkeit muss Chefsache werden‘. Vom Senat eingesetztes Forum kritisiert rot-grüne Landesregierung

Die Nachhaltigkeit umfasst das gesamte Handeln des Senats über alle Ressorts hinweg. Die Senatskanzlei beschreibt ihre Aufgabenstellung als „Schaltstelle der Regierungspolitik“, die die Arbeit des Senats betreut und koordiniert: „Die Senatskanzlei plant das Regierungsprogramm, setzt die politischen Richtlinien des Bürgermeisters um, übernimmt die Investitionsplanung und koordiniert die Fachbehörden“. Nur so kann kohärente Politik entstehen. Das gilt nun in höchstem Maße und mit Dringlichkeit für die Nachhaltigkeitspolitik.

Helena Peltonen, Hamburg

Erinnerungen würdigen

29. November: Tempel-Ruine von Einsturz bedroht. Liberale Jüdische Gemeinde sorgt sich um die denkmalgeschützten Reste eines Bethauses von Weltgeltung

Vor einigen Jahren nahmen wir an einem vom Museum für Hamburgische Geschichte angebotenen Rundgang teil, der unter dem Namen „Juden in der Hamburger Neustadt“ lief. Wir waren sehr beeindruckt über die Vielfalt des Judentums in Hamburg und, ganz besonders, von der Tempel-Ruine an der Poolstraße. Wir konnten nicht verstehen, dass diese Ruine total versteckt in einer Auto-Werkstatt lag, so dass sie so gut wie unbekannt und unbemerkt bleibt. Wir kamen nur hinein, weil die Leiterin des Rundgangs jemanden in dem Haus kannte, der ihr den Schlüssel zur Werkstatt lieh. Sie erzählte uns von diesem ehemaligen Tempel und von der Geschichte der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hamburg. Wir standen sprachlos vor den Resten dieses einstmals wunderschönen Tempels, der im Zweiten Weltkrieg unwiederbringlich zerstört wurde. Es wäre schlicht unverzeihlich, wenn die Stadt die verbliebenen Reste dieses geheiligten Ortes abreißen ließe, um dort Wohnhäuser oder anderes zu bauen. In Hamburg besitzen wir so wenige Erinnerungen an unsere jüdischen Mitbürger und ihre Kultur, dass es an der Zeit ist, diese wenigen Erinnerungen zu würdigen und in ehrenvollem Gedenken zu halten. Zusammen mit dem Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge sollte auch der Tempel an der Poolstraße in irgendeiner Weise wieder hergerichtet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gerade jetzt, wo so viel Hass um sich greift, könnten diese beiden Gebäude ein Signal für uns Hamburger sein.

Karin Schramm

Signal für den Religionsfrieden

Was für ein Umgang mit der vielfältigen und spannenden Religionsgeschichte Hamburgs: Jahrzehnte rottete der „neue Tempel“ vor sich hin, und es war mühsam, auch nur einen kleinen Blick auf die Reste dieses bemerkenswerten Gebäudes zu werfen. Mit vielen Pilgern bin ich dort gewesen und habe von Moses Mendelssohn, Salomon Heine und dem liberal-jüdischen Beitrag zum Leben in unserer Stadt erzählt. Und wir haben dort „Shalom“ gesungen und der Gewölberest gab immer noch einen schönen Klang. Die Ruine des neuen Tempels muss erhalten bleiben und als Teil der Hamburger Kulturgeschichte von der Stadt geschützt werden. Noch ist auch das Portal erhalten und ein Teil der Tempelräume. Was wäre das für ein Signal für den Religionsfrieden in unserer Stadt, wenn beide jüdischen Gebäude wieder neu erstehen könnten: die Synagoge am Bornplatz und der neue Tempel. Und dann lasst uns über die Wege mit Gott sprechen und uns besuchen. Und am liebsten: Lasst uns miteinander pilgern gehen und von einander erzählen.

Bernd Lohse, Pilgerpastor

Die Russen sind Europäer!

29. November: Deutsch-französisches Fiasko. Nato, Europa, Russland: Paris und Berlin liegen in wichtigen Fragen so weit auseinander wie selten zuvor

Ich bin sehr erleichtert, dass endlich ein wichtiger europäischer Staat wie Frankreich bemüht ist, unser Verhältnis zu Russland zu verbessern. Wir waren schon einmal auf einem guten Weg und haben fatalerweise diesen erfolgversprechenden Ansatz komplett zerstört. Es ist keine Frage, dass auch die europäischen Staaten einen großen Anteil daran tragen, dass das Verhältnis zu Russland zerstört worden ist. Die Russen sind Europäer! Wir müssen uns einmal klar werden, dass wir eine gemeinsame Geschichte und Kultur teilen. Die tatsächliche Gefahr droht den Europäern unübersehbar aus dem Süden und nicht aus dem Osten, deshalb wäre es klug, mit einem so wichtigen Nachbarn gute freundschaftliche Kontakte zu pflegen, das könnte in ferner Zukunft noch einmal unsere Existenz sichern, da man anderen Ortes schon von einem osmanischen Großreich träumt und bereits jetzt unverhohlen auf den Balkan schielt.

Christiane Dornecker