Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. November 2019

Zentralabitur mit Ausnahmen

28. November: Auf dem Rücken der Schüler. Die Bundesbürger wünschen sich weniger Kleinstaaterei in der Bildung. Doch die Politik versagt: Jetzt gibt es Streit um die Ferien

Ein Zentralabitur würde es, wenn überhaupt, nur mit so vielen Ausnahmen geben, dass es den Namen nicht mehr verdient. Sollen die Länder doch bei ihren heutigen spezifischen Abituren bleiben, die späteren Personalchefs kennen die Unterschiede doch längst und entscheiden dementsprechend. Landesspezifische Abiturnoten sind wie unterschiedliche Währungen, die je nach Herkunft und Erfahrung einen unterschiedlichen Tauschkurs haben.

Dr. Ing. Friedrich Weinhold,

Norderstedt

Immer das Handy am Ohr

28. November: Die Angst vor Strahlung ist groß. Neue Umfrage zeigt die Sorgen der Deutschen – gefährliches Radon wird unterschätzt

Mein diesjähriger Weihnachtswunsch ist, einmal mit jenen Mitbürgern in Kontakt zu treten, die so besorgt sind über die Strahlenbelastung der Mobilfunkmasten. Leider ist dies wohl nicht möglich, weil sie gerade das Handy stundenlang und an jedem Ort am Ohr haben oder sich tragischerweise in einem Funkloch befinden. Sie sind außerdem damit beschäftigt, ihren Ferienflug in die Sonne zu organisieren, um sich am warmen Strand der UV-Strahlung auszusetzen, denn wer nicht braungebrannt aus den Ferien nach Hause kommt, war praktisch gar nicht im Urlaub. Oh, mein Gott – was für Zeiten.

Ernst Hübner, Regesbostel

Berufsstand wird verunglimpft

27. November: Aufstand mit 5000 Traktoren. Landwirte aus ganz Deutschland legen Berlin lahm. Sie sehen sich von Umweltauflagen schikaniert und fordern mehr Wertschätzung

Eine wichtige Branche, die Landwirtschaft, wird im öffentlichen Diskurs immer wieder desavouiert und – einer überdimensionalen, unverhältnismäßigen Klimaideologie folgend – verunglimpft. Einem ganzen Berufsstand, der noch dazu versorgungsrelevant für die Menschen in unserem Land ist, wird eine angemessene Wertschätzung für schwere Arbeit und wichtige Aufgaben zum Nutzen der Allgemeinheit weitgehend versagt. Stattdessen wird den Leistungsträgern durch überflüssige Bürokratie und überbordende Regelungswut das Leben bis an die Grenze des Machbaren effizienzgefährdend immer schwieriger gemacht und die Landwirtschaft durch Politik und Öffentlichkeit an den Rand der Existenzfähigkeit gebracht. Dürfen wir uns da wundern, wenn die Betroffenen sich irgendwann mal wehren – und zwar vehement und wirksam? Könnte es sein, dass dies erst der Anfang einer Gegenentwicklung war? Auch ohne mit der Agrarwirtschaft verbunden zu sein, würde es mich nicht wundern. Denn viele einflussreiche ‚Lautsprecher‘ überschreiten in ihrem effektheischenden, übersteigerten politisch-ideologischen Anti-Bauern-Aktionismus mit ihren Forderungen, Entscheidungen und Kommentierungen das Maß der Angemessenheit schon seit längerem.

Gerd Hullmann, Hamburg

Feuerwerkskörper verbieten

26. November: Hamburg diskutiert: Soll Böllern zu Silvester verboten werden?

Jedes Jahr zum Jahreswechsel werden Milliardengelder in der Luft verpulvert, und die Umwelt wird verpestet. Die Freude, die dabei aufkommen soll, steht in keinem Verhältnis zu den Schäden und Nachteilen. Eine Kosten-Nutzen-Analyse würde eine deutliche Sprache sprechen. Wer zweifelt, sollte am Silvesterabend in die Krankenhäuser gehen und sich die Verletzten ansehen. Was nützt die Feinstaubdiskussion, wenn zum Jahresende die Luft unerträglich belastet und die Straßen und Plätze verschmutzt werden. Oder wollen die Bürger lieber auf ihr Auto oder die Flugreise in den Urlaub verzichten? Warum handelt der Staat nicht? Es kommt nicht darauf an, ob Zuwiderhandlungen gegen ein Verbot immer bestraft werden können. Auch Straftaten mit Feuerwerkskörpern werden kaum geahndet. Es ist wichtig, dass durch ein Verbot Zeichen gesetzt werden. Auch das Rauchverbot hat sich allmählich durchgesetzt. Der Hinweis der Freien Demokraten auf Nachteile in der Touristikbranche, ist angesichts der volkswirtschaftlichen Schäden geradezu lächerlich. Wirtschaft und Umweltschutz stehen immer in einem Gegensatz. Wir müssen unseren Lebensraum für unsere Kinder und Enkel bewahren. Hoffentlich ist es nicht schon zu spät. Am wirksamsten wäre ein Verbot des Verkaufs von Feuerwerkskörpern. Dafür ist allerdings rechtlich eine längere Vorlaufzeit erforderlich.

Hans Joachim Haldenwanger

Nur an Silvester knallen

Wie bei vielen Problemen macht die Dosis das Gift. Muss denn unbedingt bei jeder Veranstaltung ein Feuerwerk gezündet werden? Muss schon fünf Tage vor Silvester Feuerwerk verkauft und gezündet werden? Kaum einer hält sich noch an die Feuerwerkszeiten am Silvestertag. Man kann den Politikern nur mehr Mut wünschen, die Knallspektakel einzuschränken und von den Mitbürgern mehr Disziplin zu fordern, sich zum Wohle und Wohlfühlen aller (samt der Tiere) an die Regeln der Gesellschaft zu halten. Regeln werden aufgestellt, damit wir alle friedlich miteinander leben können. Vielleicht sollten wir alle mal darüber nachdenken und dankbar sein, in so einem friedlichen Land leben zu dürfen.

Britta Schründer

Ein sinnloses Ritual

Wäre die Böllerei zeitlich beschränkt, ginge es wohl noch. De facto beginnt es bereits mit dem Verkaufsstart und zieht sich bis in die erste Januarwoche hinein. Ein weiteres sinnentleertes Ritual, das mich alljährlich veranlasst, Hamburg den Rücken zu kehren.

Thomas Splittstösser

Weihnachten in Australien

27. November: Leise rieselt der Schmäh. Einige Anmerkungen zu Weihnachtsmärkten in unserem etwas anderen Winter-Wunderland

Man hält eben fest an alten Traditionen. Ich komme aus Australien und dort liegt Weihnachten im Sommer. Dennoch träumen wir von einer „Weißen Weihnacht“ und singen „Jingle Bells“. Wenn ein Weihnachtsmann hier in Hamburg bei zehn Grad schwitzt, können Sie sich vorstellen, wie es in Australien ist, wo die Weihnachtsmänner noch warme Mäntel tragen, obwohl 35 Grad sind? Nein, die Weihnachtstraditionen werden die neue Umweltrealität unverändert überleben.

Ben Miro, Hamburg

Klimaschutz zum Nulltarif?

22. November: Wie man das Klima rettet. Verbote und Verzichtspredigten bringen wenig. Wir müssen technische Lösungen entwickeln

Es ist unstrittig, dass zur Reduktion der Kohlendioxidemission weltweit die vorhandenen technischen Lösungen implementiert und neue Lösungen entwickelt werden müssen, auch mit viel Geld. Herr Iken erwähnt uns Bürger als Hauptverursacher der Emissionen jedoch an keiner Stelle und zementiert damit letztlich das Sankt-Florians-Prinzip. Wer zwingt denn uns freie, selbstbestimmte Bürger etwa 47 Millionen Pkw zu fahren, 3,5 Millionen Mal pro Jahr von deutschen Flughäfen zu fliegen, mindestens jährlich 12 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr wegzuwerfen, unverhältnismäßig viel Fleisch (60 kg p.a.) aus Massentierhaltung zu essen, in großen Mengen Kleidung zu sittenwidrigen Preisen zu kaufen und diese Kleidung schon nach kurzer Zeit wegzuwerfen, 490 Millionen mal pro Jahr Online-Bestellungen zurückzuschicken, von denen dann 20 Millionen Artikel im Müll landen? Eine weitere wesentliche Ursache für die Klimaveränderungen – nämlich unser unersättlicher Verbrauch von Ressourcen dieses Planeten, kommt bei Herrn Iken überhaupt nicht vor. Eines sollte wohl allen klar sein, Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif und kann nicht einseitig bei anderen Verursachern, auch gerne bei Politikern, abgeladen werden. Denn eines ist sicher: Die Natur verhandelt nicht mit uns.

Dieter Weidel, Hamburg