Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. November 2019

Fragt doch mal die Altonaer!

21. November: Warum die CDU für die Stadtbahn kämpft. ,MetroTram‘ soll Stadtteile in Altona schneller anbinden

Hätte die CDU doch vorher mal die Altonaer gefragt. Die wollen ihren Verkehrsraum bestimmt nicht mit einer Stadtbahn/MetroTram versperren und verschandeln. Beispiel Max-Brauer-Allee: Zahlreiche Anwohner haben sich erst 2016/2017 in einer äußerst umfangreichen Planungswerkstatt mit den Behörden Gedanken gemacht, wie „ihre“ Straße zwischen Holstenstraße und Paul-Nevermann-Platz aussehen soll. Sehr viel Zuneigung für diese Hauptverkehrsstraße und ihre alten Alleebäume wurde in all diesen Bürgerwerkstätten deutlich, auch der Wunsch nach mehr Platz für Radler, mehr Lebensqualität an dieser Straße „mit Potenzial“. Der Umbau soll 2020 starten. Als Teil einer der CDU-Straßenbahntrassen wäre das alles nicht nur hinfällig. Die Max-Brauer-Allee würde auch zerstört werden: Schienen und hässliche Oberleitungen statt Bäume und Platz für Radler. So würde man Anwohnerwünsche mit Füßen treten.

Christina Rückert

Lösung für Verkehrsprobleme

Der Vorstoß der CDU ist sehr zu begrüßen und wird der Partei weiteren Zuspruch bringen. Eine moderne Stadtbahn ist alles andere als überholt, sondern eine ausgereifte, klimaneutrale, leise, barrierefreie und schnelle Lösung für viele innerstädtische Verkehrsprobleme. Hamburg ist übrigens die einzige Metropole in Deutschland, die bisher glaubte, es sich leisten zu müssen, darauf zu verzichten. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass wieder eine Planung den Fernbahnhof Diebsteich „links“ liegen lässt. Können wir tatsächlich darauf hoffen, dass diese unsinnige Idee aus der Dampflokzeit, für die Herausforderungen des Verkehrs in der Zukunft völlig ungeeignet, zu den Akten gelegt wird?

Dr. Martin Schwager

Nachlass ins Museum geben

21. November: Bizarre Auktion um Hitlers Nachlass. Scharfe Kritik des Antisemitismus-Beauftragten

Meine Hauptsorge wäre, dass die Dinge in die falschen Hände fallen könnten. Ist die Stadt München denn allen Ernstes wirklich so klamm, dass man unbedingt alles, was sich irgendwie „versilbern“ lässt, versteigern muss? Ich würde diese Sachen in ein Museum, das u. a. das Dritte Reich und dessen Auswirkungen auf das zivile Leben thematisiert, geben.

Saskia Schneider, Hamburg-Harburg

Wertvolles Engagement

20. November: Pfadfindern droht Aus nach 70 Jahren

Das kann der Kirchenvorstand doch nicht wirklich Ernst meinen. Ganz plötzlich stellt sich die Frage, ob der Stamm versichert ist? Das wirkt doch unglaubwürdig, zumal seitens der Stammesleitung, wie es heißt, konstruktive Vorschläge gemacht wurden und Gesprächsbereitschaft signalisiert wird. Ahnt im Vorstand eigentlich irgendjemand, mit wie viel Einsatz und Herzblut diese engagierten jungen Menschen neben Schule und Ausbildung in ihrer Freizeit eine nicht mit Geld aufzuwiegende Arbeit leisten? Pfadfinder leisteten in ihrer langen Tradition schon Inklusion, als dies für die meisten von uns noch ein Fremdwort war.

Marina Todt

Verkehrsmittel frei wählen

21. November: Politik begrüßt neue Rad-Initiative. Forderungen nach mehr und sichereren Radwegen im Verkehrsausschuss vorgestellt

Es ist unerträglich, dass so getan wird, als wenn alle Bürger Hamburgs sich nichts anderes wünschten als den Radverkehr zu fördern. Hamburg hat rund 1,8 Millionen Einwohner. Wie viele davon fahren täglich mit dem Fahrrad? Hier werden offenbar nur noch die Interessen einer Minderheit vertreten, und das gerne lautstark und alternativlos zu Lasten aller anderen Verkehrsteilnehmer. Minderheiten müssen geschützt werden, aber nicht so, dass die Interessen der offenkundig vorhandenen Mehrheit völlig außer Acht gelassen werden. Wir sind nicht Kopenhagen und auch nicht Amsterdam, wir haben überwiegend Fußgänger und Kraftfahrer jeglicher Art, die es auch bleiben möchten und sich nicht auf ein Fahrrad zwingen lassen wollen. Auch das ist im Übrigen Freiheit. Es ist absurd, wie schmal einige Fußwege zugunsten breiter Radwege geworden sind, wie Hauptverkehrsadern eingeengt wurden für Radstreifen, die fast niemand benutzt. Hamburg ist nicht nur Fahrrad, und unsere gewählten sogenannten Interessenvertreter sollten das in dem ganzen Hype und Profilierungszwang nicht vergessen.

Martina Nowak

Die Einnahmen reichen nicht

20. November: Entscheider treffen Haider mit Frank Wettstein, Finanzvorstand des Hamburger SV

Die Einnahmen des HSV durch die ausverkauften Zuschauerplätze und die Fernsehübertragungen sind ausrechenbar. Dennoch wird seit neun Jahren mehr Geld ausgegeben als hereinkommt. Das soll betriebswirtschaftlich sinnvoll sein? Wenn es wenigstens eine positive Perspektive gäbe. Wahrscheinlich saß Herr Wettstein in einem anderen Hörsaal als ich.

Uwe Kliewer, Pinneberg

Im Ton vergriffen

19. November: Luisa Neubauer: Klima-Appell an Hamburg. Im Podcast ,Entscheider treffen Haider‘ spricht die 23-Jährige über die ,unfassbare Chance‘ für ihre Heimatstadt, zur ,ökologisch-visionären‘ Metropole zu werden

Obwohl viele Thesen Frau Neubauers und ihrer Bewegung zum Thema Klima unstrittig sind und wohl auch zeitgerecht, begeht sie den Fehler aller „Extremen“, keine Meinung außer der ihren überhaupt in Erwägung zu ziehen. Frau Neubauer genauso – insbesondere, wenn sie sich auch in gesellschaftspolitische Belange einmischt, wie z. B. Kinder und Rente oder Partei ergreift für bestimmte Kandidaten der SPD. Hier vergreift sie sich im Ton und lässt auch den Respekt anderen Menschen gegenüber vermissen. Wir haben nun mal aus gutem Grund eine parlamentarische Demokratie. So kann Frau Neubauer eine Partei gründen oder in eine bestehende eintreten und dort versuchen, Mehrheiten zu erreichen.

Gerd Patzwahl

Lebensleistung anerkennen

Es ist gewiss gut und wichtig, dass junge Leute sich politisch engagieren. Bevor ich jedoch Frau Neubauer und ihre Gefolgschaft ernst zu nehmen beginne, müssten diese – gründlich und nachhaltig – über Lebensleistung von alten weißen Frauen und Männern nachdenken… Nur Mut!

Eva Maria Ewert, Hamburg

Zum Sündenbock gemacht

16./17. November: Hamburger KRITiken: Der drollige Unrechtsstaat. 30 Jahre nach dem Mauerfall wird die DDR immer weiter verklärt – warum eigentlich?

Es ist auch mir unverständlich, warum so viele die DDR nicht als Unrechtsstaat sehen wollen. Mein Vater, Landtierarzt in Mecklenburg, wurde 1955 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er angeblich im Auftrag Westdeutschlands die Schweinepest verbreitet haben sollte. So wurde mit vielen Menschen verfahren, um einen Sündenbock für die schlechten wirtschaftlichen Zustände zu benennen. In einem Zeitungsartikel mit der Überschrift „Dem Klassengegner ist jedes Mittel recht“ wurde dies der Bevölkerung auch kundgetan. Man kann es gar nicht oft genug erzählen: Weil die Gefängnisse überfüllt waren, wurde die Zwei-Mann-Zelle meines Vaters mit acht Männern belegt, geschlafen wurde Kopf bei Fuß. Mein Vater verstarb ein halbes Jahr nach der Haftentlassung, dieses ihm widerfahrene Unrecht hatte ihm so sehr zugesetzt. Ein Jahr vor dem Mauerbau gelang meiner Mutter die Flucht nach Westberlin. Besonders erschüttert hat sie, dass sie noch bis 1989 von der Stasi observiert wurde und das in Westdeutschland.

Heidi Holtgreve-Grez