Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. November 2019

Dispozinsen: dem Wucher nah

20. November: Der Frust mit den Zinsen. Wer Geld parkt, muss immer häufiger Strafzinsen zahlen – wer es braucht, zahlt kräftig drauf

Es ist notwendig, die Diskrepanz zwischen dem, was Banken für Dispozinsen nehmen und dem, was Sparer für Gespartes erhalten, offenzulegen. Für die Dispozinsen sind die Banken verantwortlich und bei Zinsen für normale Verbraucherkredite von wenigen Prozent, sind 13 Prozent für Dispokredite dem Wucher zumindest sehr nah. Für die andere Seite der Medaille, die Null- oder gar Minuszinspolitik sind die Politiker und letztlich die Einführung des Euro verantwortlich, was wir alle toll fanden, weil es das Reisen so einfach macht. Wir haben es uns teuer erkauft mit der Tatsache, dass Sparen fürs Alter oder als Ausbildungsbeihilfe für Kinder oder Enkelkinder nichts mehr bringt. Schulden machen ist angesagt – allerdings nicht über Dispokredite.

Jürgen Schmidt

Eine üble Provokation

20. November: AfD-Delegation führt Gespräche mit Assad-Regierung

Leider ist diese Reise nur eine Randnotiz wert. Es ist doch eine ganz üble politische Provokation, wenn sich AfD-Politiker nicht als Privatleute, sondern als Mitglieder des Bundestages aufmachen, um mit Vertretern eines verbrecherischen Systems zu sprechen, das gegen das eigene Volk Giftgas eingesetzt hat, für den Tod von unzähligen Menschen verantwortlich ist und das Flüchtlingsleid von Millionen Menschen zu verantworten hat. Dass die „Delegation“ ernsthaft über eine Beendigung des Krieges und des Flüchtlingselends sprechen will, steht mit Sicherheit nicht auf ihrer Agenda. Es ist aber auch nicht nachvollziehbar, dass eine solche „offizielle Dienstreise“ in ein Land, das überdies den deutschen Botschafter ausgewiesen hat und dessen Botschaft seitdem geschlossen ist, seitens des Bundestagspräsidiums oder dafür zuständiger Stellen überhaupt genehmigt wurde. Schließlich werden die AfD-Abgeordneten die Kosten nicht aus eigener Tasche bezahlen, sondern skandalöserweise aus dem Reisebudget für Bundestagsabgeordnete begleichen. Dies abzulehnen wäre Aufgabe der dafür zuständigen Politiker – begleitet von entsprechender Kritik, die sonst nur allzu pauschal und zu häufig lediglich in „Sonntagsreden“ erfolgt.

Ulrich Reppenhagen

Autofahrer nehmt Rücksicht!

20. November: Mehr Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern

Die Verkehrsstatistik zeigt weniger Radfahrer, aber mehr Unfälle mit Radfahrern. Und leider auch mehr Verkehrsunfälle mit Kindern, wenngleich gottlob die Anzahl schwerer Unfälle mit Kindern zurückgegangen ist. Bei der Ursachenforschung wird allerdings weit überwiegend auf das Fehlverhalten von Kindern und erwachsenen Fußgängern sowie insbesondere auch Radfahrern hingewiesen. Das erweckt den Eindruck, als wäre die zunehmende Anzahl an Autos in der Stadt dem Grunde nach unbeteiligt und dürfte in seinem steten, aber immer hektischer werdenden Fluss nur nicht von anderen Verkehrsteilnehmern beeinträchtigt werden. Wie oft ist zu beobachten, dass Autos schnell noch den letzen Funken gelben Lichts ausnutzen, um im nächsten Moment Fußgänger- und Radwege zu versperren oder gar ordnungsgemäß anfahrende Radfahrer beinahe umzufahren. Stetiges Parken auf Radwegen ist tägliches Erscheinungsbild im Straßenverkehr. Es erfolgt eine absurde Verschiebung der Verantwortlichkeit für das Verhalten im Verkehr fort von Autofahrern, dass es aus Sicht von Fußgängern und Radfahrern nicht nachvollziehbar ist. Autos töten Fußgänger und Radfahrer, nicht umgekehrt. Die Reaktion kann nicht allein sein: „Fußgänger und Radfahrer bewegt euch vorsichtiger im Verkehr“, sondern „Autofahrer nehmt Rücksicht“. Oder ganz einfach: Autos haben in der Innenstadt nicht zu suchen.

Sascha Kuhlmann

Busbahnhof neu gestalten

19. November: Stadt kauft Bahnhof Altona – völlig neue Gestaltung geplant

Ich unterstütze die Anregungen von Finanzsenator Andreas Dressel. In der Tat ist durch den Kauf in Altona eine Stadtreparatur möglich. Ein Neubau könnte durch eine rote Backsteinfassade plus Hallenstruktur den alten Bahnhof Altona baulich zitieren und eine Wegeverbindung zum geplanten Stadtpark Neue Mitte Altona schaffen. Auch der Bau von weiteren öffentlich geförderten Wohnungen, Gewerberäumen und eine bauliche Neugestaltung des für Altona so wichtigen Busbahnhofs wäre nicht unrealistisch.

Markus Erich-Delattre

Mehr Ärzte, weniger Verdienst

19. November: Mehr Einwohner – aber weniger Hausärzte. In vielen Stadtteilen mit steigender Bevölkerungszahl ist die Lage angespannt

Die Menschen gehen, das hat eine Studie vor Jahren gezeigt, nicht immer zu dem Arzt um die Ecke, sondern zu dem Arzt ihres Vertrauens, der dann vielleicht auf dem Weg zur Arbeit verkehrsgünstig gelegen ist. Und da stellte sich eben heraus, dass es durchaus keine zu weiten Wege zu Hausärzten in Hamburg gibt. Ja, wir Hausärzte haben alle mehr Patienten als noch vor zehn Jahren. Ursachen sind mehr Einwohner, aber auch ein Klinikkonzern, der 100 Kassenarztsitze aufgekauft und in seine Versorgungszentren verlegt hat. Und wenn man jetzt von Seiten der Politik möchte, dass es mal eben vielleicht 100 Hausarztsitze mehr in Hamburg gibt, per Sonderbedarfszulassung, dann muss man als Politik auch fordern, dass diese dann von den Krankenkassen auch zusätzlich finanziert werden. Wir bekommen jetzt als Hamburger Ärzte bundesweit einmalig nur knapp 80 Prozent unserer Leistungen bezahlt. Bei gedeckeltem Budget würden alle neuen Sitze dazu führen, dass alle Hamburger Hausärzte noch weniger verdienen und sich die Nachwuchsärzte dann, wie auch jetzt schon, lieber in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein niederlassen. Vielleicht sollte sich die Politik zusammen mit den Krankenkassen auch mal um dieses Problem kümmern.

Dr. med. Silke Lüder, Neuallermöhe

Tierversuche: Dürfen wir das?

18. November: Tierschutz-Demo viel größer als erwartet

Es geht nicht nur um die Schließung oder bessere Kontrolle dieses einen Labors, in dem nachweislich so entsetzliche Tierquälereien stattgefunden haben. Es geht um das Prinzip Tierversuch. Es geht darum, woher wir Menschen uns eigentlich das Recht nehmen, Tiere für uns leiden und sterben zu lassen? Denn: Jeder Tierversuch ist mit Leiden und Schmerzen für das Versuchstier verbunden und endet mit dem Tod. Harmlose Versuche gibt es nicht. Es geht darum, Tierversuche zu beenden. Dabei ist es völlig irrelevant, ob man Ergebnisse von Tierversuchen auf Menschen übertragen kann und ob Tierversuche irgendeinen Nutzen für Menschen haben. Wir Menschen beuten Tiere einfach gnadenlos aus, weil sie wehrlos und uns ausgeliefert sind. Ein Recht haben wir dazu nicht. Wir müssen umdenken, wir brauchen einen anderen Umgang mit Tieren: respektvoll, einfühlsam, verantwortungsvoll. Das würde uns Menschen auch gut tun. Vielleicht war diese eindrucksvolle Demo ein hoffnungsvoller Anfang.

Freia Quaß, Verein für Tierrechte e.V.

Alle Geschöpfe respektieren

Der enorme Zulauf, den der Protest gegen die LPT-Labore im Laufe der letzten Wochen hatte, ist ein Grund zur Freude. Zeigt es doch, dass mehr und mehr Menschen von einem anthropozentrischen Denken abweichen können und Lebensrecht sowie Bedürfnisse anderer Geschöpfe respektieren. Doch solange nur nach der Veröffentlichung extremster Grausamkeiten kurz das System der Versuchslabore ausgeleuchtet wird und man dann weiter verfährt wie bisher, weil es, „ohne Tierversuche nicht geht“, bleibt diese Selbstverständlichkeit, mit der Menschen, nicht nur im Bereich der Wissenschaft über das Recht auf körperliche Unversehrtheit anderer Lebewesen nach Gutdünken verfügen. Dem von der grünen Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank gerühmten neuen Tierversuchslabor des UKE ist daher von Beginn an Widerstand zu leisten.

Tanja Lüder, Hamburg