Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. November 2019

Wofür geben wir Geld aus?

15. November: Millionen-Segen für die Hamburger Kultur. Bund und Staat geben für viele Projekte große Summen frei. Ein Erfolg auch von zwei Bundestagsabgeordneten

Schon die alten Römer wussten, dass das Volk Brot und Spiele brauchte, damit es „gut“ regiert werden konnte. Insofern machen die verantwortlichen Politiker alles richtig, wenn sie solche Summen in „Spiele“ stecken. Ein Schelm, wer dabei denkt, es werden vor allem solche kulturellen Einrichtungen gefördert, welche die aktuelle politische Agenda unterstützen. Aber auch die Kulturschaffenden könnten sich fragen, ob sie bei all der finanziellen Abhängigkeit von der Politik noch die erforderliche Distanz behalten um sich ihre Kritikfähigkeit für gesellschaftliche Entwicklungen zu erhalten. Die Themen Obdachlosigkeit oder Analphabetismus, Hygiene in Krankenhäusern oder Medikamentensicherheit scheinen Niemanden mehr richtig zu interessieren. Aber auch das Thema Brot scheint nicht wirklich wichtig. Oder warum lässt man die Bauern verzweifeln? Vermutlich denken so manche Politiker, das Essen wächst im Supermarkt im Regal. Kurzfristig haben hier zwei Politiker drei Monate vor der Wahl einen Coup gelandet. Aber irgendwann ist Zahltag. Ob die Entscheidung dann noch als klug angesehen wird oder als Ballast wird sich zeigen. PS: Schon sinnig, dass Sie auf den Seiten 16 „Die Invasion der Trecker in Hamburg“ und auf der Seite 17 „Reichlich Geld und ein neues Museum“ titeln. Es ist genug Geld da. Aber wofür geben wir es aus?

Udo Kellermann

Gut zu Papier gebracht

14. November: Kolumne: Wie ich einem sehr netten Mann untreu wurde

Bei den vielen großen Problemen, die uns immerzu beschäftigen, habe ich mich sehr über Ihren Bäcker-Artikel gefreut. Es ist wunderbar, aus so einem „kleinen“ Problem einen herrlichen Artikel zu schreiben. Ich habe mich in allen Bereichen wiedergefunden und empfinde es ebenso, besser kann man es nicht zu Papier bringen.

Ute Gentsch

Wo bleibt die Liberalität?

12. November: Was Lindner vor der Uni Hamburg forderte. Dem FDP-Chef war ein Auftritt in der Hochschule verweigert worden. Vor der Tür begrüßte ihn Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank

Die Universität Hamburg hat dem Politiker Christian Lindner verboten, dort eine Rede zu halten. Anscheinend wird das durch die stellvertretende Bürgermeisterin unterstützt. Für eine Universität, in der es die Studiengänge Politics und Politikwissenschaften gibt, ist das peinlich und eigentlich nicht zu tolerieren. Wo bleibt da die Liberalität einer Weltstadt mit 1,7 Millionen Einwohnern? Das ist eine Steilvorlage für die FDP im kommenden Bürgerschaftswahlkampf. Man könnte aber vielleicht auch von einem Eigentor der Bürgermeisterkandidatin sprechen.

Jürgen von der Heyde

Jeder von uns ist Verbraucher

14. November: Leitartikel: Die Botschaft der Trecker. Immer neue Gesetze, immer mehr Bürokratie – wir müssen die Not der Bauern ernst nehmen

Vielen Dank für den Leitartikel, der meiner Meinung nach wohltuend sachlich ist, ohne unkritisch zu sein. Auch ich finde das Anliegen der Landwirte, auf ihre Lage und Nöte aufmerksam zu machen, nachvollziehbar und wichtig. Das „Wie“ mag für viele heute unbequem und hinderlich gewesen sein – so funktioniert Demokratie eben. Aber auch den Hinweis Ihres Autors, dass Vorsicht bei der Art und Weise geboten ist, wie sich die Landwirte in der Öffentlichkeit selbst präsentieren, finde ich wichtig, ganz besonders, da sie die Berichterstattung über ihre Berufsgruppe oft als unsachlich und diskreditierend empfinden. Leider sind die Demonstrationsteilnehmer, die sich als Interviewpartner für die Medien zur Verfügung stellen, nicht immer gut gewählt. Nur mit dem Argument „Ohne Glyphosat gehen wir bankrott“ wirbt man in der heutigen Zeit nicht um Verständnis, man verprellt die meisten Zuhörer eher. Es ist auch paradox, sich über das „Bauern-Bashing“ in der Öffentlichkeit und in den Medien zu beschweren, gleichzeitig aber mit den Treckern über die Autobahn zu fahren, statt die vorgegebenen Routen einzuhalten und so unnötig zu provozieren. Und schließlich ist auch die Landwirtschaftsministerin mit ihren oft verunglückten und belächelten Auftritten keine Hilfe, was das Aufpolieren des Rufes der Landwirte angeht. Trotzdem: Das Dilemma, mit stetig wachsender Bürokratie, steigenden Kosten, aber sinkenden Preisen für die landwirtschaftlichen Produkte als Landwirt nicht überleben zu können, müsste doch für alle begreifbar sein. Jeder von uns ist Verbraucher und muss sich fragen, warum er oder sie nicht willens ist, das eine oder andere Mal etwas mehr für Milch, Fleisch etc. zu bezahlen, wenn es einer gerechten Entlohnung der Landwirte dient und damit indirekt auch der Möglichkeit, die Landwirtschaft umweltverträglicher zu gestalten.

Katja Lange