Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. November 2019

Mehr Hilfe für junge Ärzte

9./10. November: 20 Stadtteile ohne Hausarzt: Wo in Hamburg Mediziner fehlen. Manche Gebiete sind erheblich unterversorgt, in anderen gibt es ein Überangebot

Niemand, auch kein Arzt, zieht gerne weg aus seinem vertrauten Viertel, und mit Zwangsmaßnahmen schafft man nur demotivierte Ärzte. Wenn einzelne Hamburger Bezirksverwaltungen den Zuzug von Ärzten für nötig halten, müssen sie eben etwas dafür tun, z.B. Hilfestellung bei der Suche nach bezahlbaren Praxisräumen oder Hilfe bei der Anschubfinanzierung geben, anstatt nur zu jammern. Problem ist eben, dass es in Hamburg nicht nur zu wenige Wohnungen, sondern auch zu wenige Praxisräume gibt und dass Jungärzte bei den Banken selten kreditwürdig sind. Bei meiner eigenen Niederlassung vor Jahren hätte ich anderswo deutlich mehr Hilfen bekommen als in Hamburg. Im Übrigen kenne ich Patienten, die jeden Tag 80 Kilometer zur Arbeit fahren, da ist es doch zumutbar, wenn Patienten in Nienstedten für ihre wenigen Praxisbesuche z.B. vom unterversorgten Stadtteil Nienstedten nach Blankenese fahren.

Dr. med. Dietger Heitele

An einem Strang ziehen

8. November: Händler wollen Busse in Steinstraße umleiten. Die Mönckebergstraße soll attraktiver werden – mit mehr Platz für Fußgänger

Wenn selbst die Einzelhändler die Verlegung der genannten 2000 Busse pro Tag befürworten, dann sollte die Hochbahn kein Spielverderber sein und mit allen an einem Strang ziehen. Sie braucht sich überhaupt keine Sorgen um die Erreichbarkeit ,,der verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten und Gesundheitseinrichtungen“ für ihre Fahrgäste zu machen, dank der U-Bahn-Stationen in absolut zumutbarer Nähe der Mönckebergstraße und auch direkt unter ihr. Bequemer geht es wohl kaum, und ein Stadtbummel über die dann nicht wiederzuerkennende Mönckebergstraße wird zu einem wahren Erlebnis. Ahoi Hamburg, Du Perle an Alster und Elbe.

Herbert Goy, Hamburg-Wohldorf

Konzept ist nicht durchdacht

Haben die Geschäftsinhaber und das Management der Mönckebergstraße ihr Vorhaben, die HVV-Busse aus der Mönckebergstraße zu verbannen, zu Ende gedacht? Wer kommt denn mit den Bussen? Das ist ihre eigene Klientel, ihre Kundschaft, junge und ältere Menschen, die vielfach bewusst ihr Auto stehen lassen. Und die wollen sie verbannen, obwohl jetzt schon vielfach über mangelnden Umsatz geklagt wird? Eine große Entlastung wäre schon erreicht, wenn die Taxen, Touristenbusse und Rundfahrtbusse nicht mehr durch die Mönckebergstraße fahren dürften. Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Forderung des ADFC: Wenn dieser Verein eine Fußgängerzone fordert, dann dürfen auch keine Fahrräder mehr durch die Mönckebergstraße fahren, denn in Fußgängerzonen, das sagt schon der Name, haben Radfahrer nichts zu suchen.

Gerhard Schultz

Datenschutz ist egal

8. November: Gesundheits-Apps auf Rezept. Die große Koalition ermöglicht die Verschreibung von digitalen Anwendungen – die Opposition sorgt sich um Datensicherheit

Jens Spahn geriert sich als Prophet des Fortschritts mit seinem Digitalen Versorgungsgesetz und seinem neuen Registergesetz für Implantate. Datenschutz ist ihm egal. Jeder, der sich ab Januar 2020 ein künstliches Gelenk, einen Herzschrittmacher oder ein anderes Implantat einbauen lässt, muss seine kompletten Krankendaten der Wissenschaft (und vermutlich auch anderen „Nutzern“) zur Verfügung stellen. Ein Widerspruchsrecht ist explizit ausgeschlossen. Ärzte, die sich dagegen wehren, dass die Daten ihrer Patienten auf zentralen Servern gespeichert werden, müssen mit harten Honorarabzügen rechnen. 25 Prozent der Ärzte weigern sich bislang. Einige von ihnen haben eine Petition an den Bundestag eingereicht. Sie wird bislang nicht einmal angenommen. Der forsche, Kritik ausblendende Politikstil von Jens Spahn soll Macherqualitäten demonstrieren. Aber er wird – da hat „Die Linke“ wirklich recht – allen Patienten teuer zu stehen kommen. Denn sie zahlen mit ihren Persönlichkeitsrechten.

Dr. med. Matthias Soyka

Studierverbot für Kritiker

9./10. November: ,Unrechtsstaat DDR‘: Steffen hat damit ein Problem

Wenn heute ein Hamburger Justizsenator Angst davor hat, die DDR einen Unrechtsstaat zu nennen, dann hat das nichts mit Unklarheit über die tatsächlichen Lebensbedingungen bis 1989 zu tun. Es ist vielmehr der Wahltaktik geschuldet, vielleicht lässt sich ja die eine oder andere Stimme bei einer der anstehenden Wahlen abgreifen. Denn wie anders denn als Unrecht soll man einordnen, dass Regimekritiker oder auch nur Mitglieder einer Religion in der DDR im günstigsten Fall mit Studierverbot belegt oder zur Ausbildung in nicht erwünschte Berufe gezwungen wurden? Die Klaviatur des Staatsapparates war fantasievoll: Bespitzelung der Wohnung, Hausarrest bei Dissidenten, Entziehung der Kinder, mehrfaches Abholen zu tagelangen Verhören, im schweren Fall verschwanden auch Menschen spurlos. Glücklich war, wer irgendwann zum „Freikauf“ in den Westen angeboten wurde.

Friedrich Buchsbaum, Hamburg

Der einzig richtige Weg

7. November: Mehr Mut, liebe Bürgerschaft! Wiederaufbau der alten Synagoge wäre ein Signal

Dem Kommentar von Peter Ulrich Meyer ist nur zuzustimmen, denn der Wiederaufbau der Synagoge am Bornplatz ist der einzig richtige Weg. Menschen jüdischen Glaubens sind ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft und unserer Kultur jetzt und auch in Zukunft. Deshalb ist auch der Meinung des Herrn Unglaube entgegenzutreten, wonach dieser Baulücke symbolische Bedeutung zuzumessen sei und der „Stachel“ bleiben sollte, als Teil unserer Erinnerungskultur. Kann das eine Brachfläche sein? Wir sollten bedenken, dass gerade jüngere Menschen oft wenig über das Schicksal so vieler jüdischer Menschen wissen. So wäre der Wiederaufbau der Synagoge ein kraftvolles, sichtbares Zeichen von Staat und Gesellschaft. Die Zustimmung aus den Reihen der Politiker, bis hin zum Ersten Bürgermeister, lassen hoffen, dass der Wiederaufbaumöglichst bald Realität werden kann.

Kai Müller

Die Anwohner mit einbeziehen

6. November: Hamburg soll um asiatische Touristen werben. 18-Punkte-Plan: Verband fordert ,Welcome Center‘ und Masterplan für City. Ein neuer Übernachtungsrekord wird für dieses Jahr erwartet

Mehr Touristen, mehr Flugverkehr. Wann werden wir Hamburger eigentlich mal gefragt, ob wir noch mehr Lärm über unseren Köpfen haben möchten? Klar, mehr Tourismus ist bedingt gut für die Entwicklung der Stadt. Aber ausgeschlafene Bürger, sprich Arbeitnehmer, sind ebenso wichtig. An großen Straßen und an Bahnstrecken wird für Lärmschutz gesorgt, aber was ist über uns? Soll Hamburg überdeckelt werden? Der Pachtvertrag für den Flughafen wird still und heimlich verlängert, ohne uns Bürger mal zu fragen. Wo wohnen denn unsere Politiker? Bestimmt dort, wo kein Flieger sie ab sechs Uhr morgens aus den Betten schmeißt. Ob der Flughafen inmitten einer immer größer werdenden Stadt noch sinnvoll ist, sollte für die Politiker dringend wieder mal auf die Tagesordnung und mit den Bürgern und der Presse diskutiert werden, anstatt uns immer wieder nur kurz und knapp darüber zu informieren, dass alles nur mehr und lauter wird.

Susanne Kilb-Steppke

Die Idee ist nicht neu

6. November: Kommt das Recht auf Wohnungstausch?

Die Idee der Grünen ist nicht neu. Schon im Januar 1953 haben meine Eltern die Wohnung getauscht. Ich vermute über eine Zeitungsanzeige. Beide Wohnungen gehörten nicht zu einer Genossenschaft. 1955 gab es dann den „Umschichtungsschein“. Wenn man eine billige Wohnung zur Verfügung stellte, konnte man in eine teurere Neubauwohnung einziehen.

Herta Obermeier