Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. November 2019

Das soziale Gesicht der SPD

2./3. November: Warum die Linke Scholz die Daumen drücken muss. Ein Sieg des Finanzministers ist die wohl letzte Chance, die SPD als Volkspartei wiederzubeleben – und eine linke Mehrheit zu schaffen

Vom Grundsatz her könnte und müsste ich Herrn Iken eigentlich zustimmen. Aber es geht bei der Wahl zum SPD-Vorsitz nicht darum, ob Scholz nicht der bessere nächste Kanzlerkandidat wäre, anstelle von „NoWaBo“ Norbert Walter-Borjans. Es geht vielmehr darum, dass die SPD endlich ihr „soziales Gesicht“ zurückgewinnt. Seit Schröder (Genosse der Bosse) geht es mit der SPD nur noch bergab und mit dem sozialen Gleichgewicht zwischen Arm und Reich ebenso. Wenn Scholz in den kommenden Tagen seine Einstellung zur sozialen Verantwortung, auch mit dem Abrücken von der schwarzen Null und endlich einer generellen gleichwertigen Besteuerung der globalen und multinationalen Konzerne in unserem Land verspricht, dann wird er wohl kaum die Mitglieder in Mehrheit für sich gewinnen. Er zwingt die Mitglieder quasi gegen sich zu votieren, auch wenn er wohl für viele durchaus der regierungserfahrenere Politiker ist.

Hans-Jürgen Vogt, Pinneberg

Umland attraktiver machen

2./3. November: Warum Grüne gegen Einfamilienhäuser sind. Große Debatte in ganz Hamburg über Koalitionsvertrag im Bezirk Nord. Unterstützung von der Wohnungswirtschaft, massive Kritik von der Opposition

Schluss mit dem Wachstumswahnsinn. Jetzt hat der Virus der Versiegelungswut also auch die Grünen erwischt, was für ein Jammer. Merkt denn niemand, dass man gegen den Wohnungsbedarf nicht blindwütig und zerstörerisch anbauen kann? Erleben wir nicht in der Verkehrspolitik seit Jahrzehnten den gleichen Irrglauben? Mit immer mehr Autobahnen haben wir dort versucht, dem wachsenden Verkehr Herr zu werden. Und mit welchem Ergebnis? Es wurde noch mehr Autoverkehr angelockt und am Ende gibt es noch mehr Staus. Die gleichen Fehler wiederholen wir jetzt in der Wohnungspolitik wieder. Anstatt das Umland attraktiver zu machen, mehr Nahverkehrsanbindungen für Pendler zu schaffen, für schnelles Internet und gute Infrastruktur im ländlichen Raum in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen zu sorgen, betonieren wir Hamburg immer weiter dicht, bis die Stadt erstickt und das Stadtbild endlich einer hässlichen Ruhrpottmetrople gleicht. Dann will vielleicht wirklich keiner mehr in den ehemals schönen Einfamilienstadtteilen wohnen. Dann wäre der geniale Plan der Grünen endgültig aufgegangen.

Tom Meyer, Rahlstedt

Häuser statt Schrebergärten

Es ist sicher sinnvoll, aufgrund des knappen Baugrunds über ein Verbot des Baus von Einfamilienhäuser nachzudenken. Jedoch sollte man sich vorrangig fragen, ob es sinnvoll ist in Barmbek, Borstel, Hamm etc. immer noch Schrebergärten zu dulden. Sie könnten an der Peripherie ein viel ruhigeres Ambiente bekommen. Auch die Nutzungszeiten sprechen nun eindeutig für den Bau von Mehrfamilienhäuser.

Horst Raczkowski

Symbol für reales Leben

2./3. November: Neue Synagoge als Symbol gegen Hass und Hetze. Das Bethaus am Bornplatz war einst ein Wahrzeichen jüdischen Lebens. Jetzt wächst der gesellschaftliche Konsens zum Wiederaufbau

Eine Synagoge am historischen Ort wäre kein Zeichen gegen Hass und Hetze, sondern vor allem doch ein Symbol für reales jüdisches Leben in Hamburg. Ein Ort für die lebendigen Jüdinnen und Juden in der Stadt. Die gibt es nämlich.

Joachim Yoah Grau, Hamburg

Ein Treffpunkt für alle

28. Oktober: ,Lasst uns die Synagoge am Bornplatz wieder aufbauen‘. Shlomo Bistritzky, Landesrabbiner der jüdischen Gemeinde, sagt, was Hamburg und die Hamburger gegen Antisemitismus tun können

Ich kann mich dieser aktuellen Forderung nur anschließen. Diese neu erbaute Synagoge könnte dann ein Treffpunkt für uns alle werden: Wir würden uns dort kennenlernen und miteinander sprechen und miteinander sprechen bedeutet auch, einander zu verstehen. Es gibt sehr informative, geführte Rundgänge durch das Uni- und Grindelviertel, die früheres und heutiges jüdisches Leben in Hamburg zeigen. Ich habe das bereits im Rahmen meiner politischen Tätigkeit organisiert und empfehle, diese Rundgänge auch unseren Schülern zu vermitteln.

Dr. Angelika Heege,

Vorsitzende Frauen Union Harburg

Auch das gehört zu Lokstedt

26./27. Oktober: Hamburgs bester Stadtteil – Lokstedt. Wo ist es in der Stadt am schönsten? Schwierige Frage. Wir versuchen sie zu beantworten. Mit 50 leidenschaftlichen Plädoyers

Ich habe mich sehr über den Bericht des Stadtteils Lokstedt gefreut. Hier ist es einfach – trotz Veränderungen – schön. Auch das gehört zu Lokstedt: Bis 1994 wurden Kemm’sche Kuchen (braune Kuchen/Kekse) in Lokstedt produziert. Das alte Schriftzeichen ziert noch das dortige Gebäude. Ebenso gehört zu Lokstedt das Buch: „Der Wal im Wasserturm“ von Rüdiger Stoye. Das Buch ist ein Klassiker aus dem Jahr 1971. Sogar die Straßenbahn, die damals in Lokstedt fuhr, ist darin verewigt.

Barbara Seefeld, Lokstedt