Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. Oktober 2019

Vorhersehbarer Wahlausgang

28. Oktober: Linke und AfD sind die großen Sieger bei der Wahl in Thüringen. Schwere Verluste für CDU und SPD

Das Wahldesaster für CDU und SPD in Thüringen war vorhersehbar. Wenn zwei Parteien, die erklärtermaßen zum Ziel haben, gut und erfolgreich zusammenzuarbeiten, ein solches Maß an Uneinigkeit an den Tag legen wie die beiden Parteien es vorführen, ist das Wahlergebnis kein Wunder. AKK formuliert bedeutende Vorschläge zu Syrien, ohne sich angemessen mit dem Außenminister abzustimmen, dieser reist anschließend in die Türkei, um sich dort die Bestätigung abzuholen, wie unsinnig die Vorschläge seiner Ministerkollegin doch seien. Kein Wunder, dass darauf das gar nicht so dumme Wahlvolk demokratisch reagiert, leider zugunsten der politischen Ränder.

Arnold Rump, Aumühle

Firmen im Umland billiger

26./27. Oktober: Abwasserleitungen: Hamburger Hausbesitzern drohen hohe Kosten

Ich wurde glücklicherweise bereits im Frühjahr auf das Problem durch Bekannte hingewiesen und konnte entsprechend reagieren. Auf eine gleichlautende Mailanfrage (mit detailliertem Lageplan und allen erforderlichen Maßen) an diverse zugelassene Firmen in meiner näheren Umgebung erhielt ich für ein sechs Meter langes Abwasserrohr Angebote zwischen 400 und 700 Euro. Einige Firmen haben bis heute nicht geantwortet, haben es vermutlich nicht nötig. Aufgrund der recht hohen Kosten habe ich in einem zweiten Schritt einige Firmen im Umland angefragt und ein Angebot über 162 Euro erhalten. Inzwischen ist alles zur vollsten Zufriedenheit erledigt und die Prüfbescheinigung bei der Behörde für Umwelt und Energie (BUE) eingereicht. Erkenntnis: Es lohnt sich, über den Stadtrand zu schauen.

Klaus Risser, Hummelsbüttel

Angst verhindert Lösungen

26./27. Oktober: ,Greta Thunbergs Aussage ist lachhaft‘. Der Hamburger Klimaforscher Hans von Storch über die aus seiner Sicht zu aufgeregte Klimadebatte, sinnlose Verzichtsforderungen und sinnvolle Maßnahmen gegen die Erderwärmung

Es tut gut, neben der allgemeinen Hysterie auch mal wieder eine besonnenere Meinung wie die von Herrn von Storch zu lesen. Er hat Recht, dass Angst kein guter Ratgeber ist, wenn es darum geht, Lösungen für komplexe Probleme zu finden. Sie hilft hier nicht, sie paralysiert uns eher und verhindert dadurch Lösungen. Wir sollten uns als Gesellschaft auch nicht vor den Karren apokalyptischer Reiter und Weltuntergangsapostel spannen lassen. Ich hoffe, es melden sich noch mehr logisch denkende Wissenschaftler und Sachverständige wie Herr von Storch zu Wort und diskutieren mit uns und den Politikern über Lösungen statt über Ängste. Vor allem sollten wir uns nicht blenden lassen von der wirklich gut gemachten Marketing-Kampagne „Fridays for Future“ und ihrer Prophetin Greta. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass es auch kritische Journalisten gibt, die diese Marketing- und Propagandamaschinerie „Fridays for Future“ durchleuchten und transparent machen. Mir ist bange, wohin diese Diskussion – kann man es noch Diskussion nennen, oder ist das schon Meinungsdiktat? - läuft und was es mit unserer Demokratie macht. Wenn ich etwas aus unserer Geschichte gelernt habe, dann ist es das: Wehret den Anfängen!

Michael Dembeck

Ein Wandel ist notwendig

Die Aussagen von Herrn von Storch spiegeln die Vorgehensweise und Argumentationen der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) wieder, dem verlängerten Arm der Großindustrie. Zwar kann der Klimawandel nicht mehr geleugnet werden, aber man tut so, als wenn wir als „kleines“ Land nichts bewirken können. Es werden diejenigen diskreditiert, die sich dafür aussprechen, endlich aktiv zu werden gegen die Klimakatastrophe und es wird ihnen die Kompetenz dafür abgesprochen. Die INSM hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Politik in den letzten Jahrzehnten nichts gegen die Klimakatastrophe unternommen hat und sich auch keine Gedanken über einen notwendigen Umbau unseres Wirtschaftssystems gemacht hat. Viele Bürger spüren, dass ein Wandel ansteht und notwendig ist. Diese Diskrepanz zwischen politischem Handeln und den Notwendigkeiten, die die Bürger sehen, macht die AfD stark.

Jörg Behrschmidt, Hamburg

Klimahysterie legt sich

Endlich einmal eine nüchterne Betrachtung des Klimawandels. Den Aussagen stimme ich voll zu, insbesondere die über die jugendlichen Aktivisten Thunberg und Neubauer sowie die eher versteckte Kritik an einigen Wissenschaftlern, die etwas populistisch auf das Thema aufgesprungen sind. Was mir nicht gefallen hat, sind die Hinweise auf die AfD, die nicht zu einer sachlichen Debatte beitragen. Immerhin, die Hysterie um Greta scheint sich langsam zu legen.

Hans-Peter Hansen, Hamburg

Jeder Beitrag ist wichtig

Es ist auch eine Frage der Haltung und der persönlichen Initiative, aus der Trägheit aufzuwachen und – wenn wir etwas für richtig und wichtig halten – dann auch versuchen, es umzusetzen. Und: Jeder von vielen Beiträgen ist wichtig. Umgekehrt formuliert: Mit der Haltung, die man aus den Aussagen im Interview ableiten kann, wird sich nichts ändern, da jeder sich darauf zurückziehen kann, dass sein Beitrag keinen relevanten Einfluss hat. Im Übrigen: Dass es bei den Aussagen von Herrn Storch nicht nur um „objektive“ Wissenschaft geht, wird an der Aussage zur CO2-Steuer deutlich, die dazu führe, dass „der Eppendorfer Radiologe mit seinem Tesla keine Steuern zahlt, die Hebamme mit ihrem Diesel weiter löhnen muss“. Die Aussage ist schlicht falsch und populistisch, da die Einführung einer CO2-Steuer bekanntermaßen von sozialen Ausgleichsmaßnahmen begleitet werden soll.

Wolfgang Thoss

Große Literatur

28. Oktober: Unterfordert und übertrieben. Der Kurz-Auftritt von Lang Lang mit einem Mozart-Konzert und dem Pittsburgh Symphony in der Elbphilharmonie

Nun muss man aber einmal den Klassik-Fuchs Joachim Mischke loben, dem es gelungen ist, in zwei Sätzen die Tragödie Lang Lang so anschaulich darzustellen, dass sie nun ein jeder begreifen kann. „Schnellster Mendelssohn nach Sonnenuntergang“, das ist große Literatur. Wenn es nicht einmal den Teilzeitlehrern Barenboim und Eschenbach gelungen ist, Lang Lang ein Grundverständnis für die Strukturen der Werke – für das „Klassische“ – beizubringen, wie soll es weitergehen, wenn sich auch nach der Auszeit nichts geändert hat? Zugegeben, für die chinesischen „Gummihände“ ist der geformte Anschlag nicht einfach, auch Yuja Wang, die derzeit Größte unter den Virtuosinnen, hat da ihre Probleme. Es scheint, als sei doch die auf Schnelligkeit ausgerichtete Ausbildung in Asien, wo auch gern „Süße“ für Ausdruck gehalten wird, ursächlich beteiligt an dem Dilemma.

Cord Garben, ehem. Produzent Deutsche Grammophon

Eine Stadtbahn für Hamburg

25. Oktober: Kaum noch Fahrgastzuwächse im öffentlichen Nahverkehr. CDU fordert Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung

Mancher Fahrgast wird den geringen Zuwachs als Segen empfinden, angesichts der an ihre Kapazitätsgrenzen stoßenden Buslinien, die dazu oft noch unpünktlich sind, weil der ungebremste Individualverkehr die Busse behindert. Wie das Beispiel S-Bahn zeigt, bevorzugen die Hamburger Schienenverbindungen, auch wenn die Nutzung der S-Bahn den Fahrgästen täglich viel abfordert. Es fehlt in Hamburg ein weiteres leistungsfähiges Schienenverkehrsmittel. Es geht nicht um die automatische und teure U5, mit der der SPD-Senat seit acht Jahren meint, die Probleme lösen zu können. Nein, gemeint ist die Stadtbahn, die heute schon in weiten Teilen von Hamburg fahren könnte, hätte nicht 2010 der Kurzzeit-Bürgermeister Ahlhaus von der CDU das Projekt überraschend gestoppt.

Lutz Achilles