Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. Oktober 2019

Diplomatisch ungeschickt

23. Oktober: Zu viele offene Fragen. Der Vorstoß einer Sicherheitszone in Syrien kommt vorschnell und ist nicht durchdacht

Man fragt sich, was in aller Welt Frau Kramp–Karrenbauer bewegt haben mag, ihren unausgegorenen Plan der Errichtung einer internationalen Sicherheitszone ohne Absprache mit dem Koalitionspartner zu präsentieren. Ist ihr nicht klar gewesen, dass sie sich selbst einen Bärendienst erwiesen hat, wenn sie tatsächlich beabsichtigt, die Nachfolge von Frau Merkel anzutreten? Es zeugt von Naivität und diplomatischer Ungeschicklichkeit, wenn sie glaubt, ihr eigenes Profil und Ansehen, das in den letzten Monaten ohnehin gelitten hat, auf diese Weise zu stärken. Verwunderlich ist allerdings, dass die Bundeskanzlerin, mit der Frau Kramp-Karrenbauer ihren Vorstoß mit Sicherheit abgesprochen hat, diese sehenden Auges gewähren lässt.

Dr. Claus Rabe

Sinnvoller Vorschlag

Der Vorschlag der Schaffung einer internationalen Schutzzone in Nordsyrien macht nicht nur auf den ersten Blick Sinn. Ganz abgesehen davon, dass dort täglich Menschen sterben und es schon deshalb wichtig und richtig ist, schnell Vorschläge zu machen, wie dieser völkerrechtswidrige Einfall der Türken gestoppt werden kann, ist insbesondere Europa gefordert, sich endlich wirksam zu beteiligen. Einen neuen, sinnvollen Vorschlag gleich durch klein karierte Bedenken jeglicher Art zu beerdigen, ist absolut verantwortungslos. Natürlich müssen die Vorschläge konkretisiert werden, es muss darüber diskutiert werden, aber es muss auch endlich mal angefangen werden, die Initiative zu ergreifen. Und ein Außenministerium unter Heiko Maas vorher einbinden – wozu? Unser Außenminister mahnt, befürchtet, warnt, äußert Bedenken, usw. Glaubt wirklich ernsthaft irgendjemand, damit die Herren Erdogan oder Putin beeindrucken zu können? Auch wäre es fatal, eine gute Idee nur deshalb nicht zu äußern, weil der Koalitionspartner „kollektiv aufschreien wird“. Sollen sie doch – aber vielleicht auch mal ernsthafte, praktikable Vorschläge machen.

Gerhard Maack, Hamburg

Höfe müssen kleiner werden

23. Oktober: Treckerkorso für mehr Respekt. Die Proteste zeigen, wie groß die Not der Bauern ist

Der Kommentar ist richtig, es liegt in unserer Hand regionale Lebensmittel zu kaufen und das sollten wir auch unbedingt tun. Doch leider gibt es in vielen Supermärkten oft gar kein oder nur ein ganz geringes Angebot an regionalen Lebensmitteln, das müsste unbedingt geändert werden, da müsste es mehr Anreize geben. Es müsste auch deutlich sichtbarer gemacht werden, was aus der Region kommt. Wer liest schon immer das Kleingedruckte? Es muss aber auch wirklich ein Umdenken stattfinden, die immer größeren Höfe müssen wieder kleiner werden, weil sonst das berechtigte Tierwohl nicht gewährleistet werden kann. Kleinere Betriebe müssten von der Bürokratie entlastet und mehr subventioniert werden. Wer nur so viel Tiere hält, wie er aus eigener Kraft auch ernähren kann, sollte klar bevorzugt werden. Wir können nicht die Entwicklungsländer zwingen, zu Monokulturen zu werden, um unsere Tiere zu ernähren. Das ist umwelt- und energiepolitisch ein Desaster.

Elvira Kleinschmidt

Schicksal in der NS-Zeit

22. Oktober: Aufstand der Anständigen. CDU-Fraktionschef André Trepoll legt ein wichtiges Programm gegen den Antisemitismus vor

Kurz gesagt: Besser kann man das traurige Thema nicht formulieren! Der Leitartikel gehört ins Lehrbuch für Lehrerfortbildung und in den Unterricht. Mein Vater war vier Jahre in Auschwitz. Er starb an den Folgen seiner schweren Haftzeit, als ich ein kleiner Junge war. Meine Kinder sind erwachsen und ich bin erleichtert, dass sie ihren Vater erleben. An meinen Vater habe ich keine Erinnerung. Das macht mich auch heute noch traurig. Dieses Schicksal teile ich sicher mit vielen Kindern von Verfolgten der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Das darf sich nie wiederholen!

Lutz J. (Name der Redaktion bekannt)

Centermanager für Märkte?

22. Oktober: Wochenmärkten droht das Aus. Stände in Hamm, Finkenwerder, Rothenburgsort und St. Georg nicht kostendeckend. Bezirkspolitik ist alarmiert

Die vollmundige Erklärung der SPD- Bürgerschaftsabgeordneten: „Mit uns gibt es keine Schließung“ ist nichts wert, solange es keine neuen ortsspezifischen Ideen zur Belebung gibt. Der Wochenmarkt auf dem Hopfenmarkt wurde aufgrund streng ausgelegter Vorschriften geschlossen, bis die Katharinenkirche den Marktbeschickern auf ihrem Kirchhof Asyl gewährte. Jetzt läuft dort alles wie geschmiert, jedoch mit dem Schwerpunkt „Mittagstisch“. Wie wäre es, wenn man an den kriselnden Standorten in St. Georg, Hamm, Finkenwerder und Rothenburgsort statt mit der Marktaufsicht mit Freiluft-Centermanagern arbeiten würde?

Bruno Brandi

Treffpunkt Haus der Jugend

22. Oktober: Hamburgs bester Stadtteil – Bramfeld. Die Serie Wo ist es in der Stadt am schönsten? Schwere Frage. Wir versuchen sie zu beantworten. Mit 50 leidenschaftlichen Plädoyers

Der Artikel über Bramfeld ist lebendig geschrieben und gibt den Stadtteil gut wieder. Leider fehlt mir in dem Artikel ein sehr wichtiger Treffpunkt: Das Haus der Jugend Bramfeld in der Herthastraße, direkt am Marktplatz. Das Haus der Jugend besteht seit 1965 und ist und war Anlaufplatz für inzwischen tausende Kinder und Jugendliche. Inzwischen kommen Großeltern, die das Haus von früher kennen und bringen ihre Enkel. Im Bezirk Wandsbek ist es das flächenmäßig größte Haus der Jugend und es hat ein sehr vielfältiges Angebot wie Sport, Theater, Medienarbeit, Graffiti, Musikangebote wie Gitarre und Klavier, es gibt eine Sporthalle auf dem Dach, einen riesigen offenen Bereich zum Entspannen und Treffen und jede Menge Aktivitäten und gemeinsame Aktionen mit anderen Einrichtungen im Stadtteil.

Claudia Böhmer

Nette Nachbarn in Harburg

19./20. Oktober: Serie: Hamburgs bester Stadtteil – Harburg. Wo ist es in der Stadt am schönsten? Schwere Frage. Wir versuchen sie zu beantworten. Mit 50 leidenschaftlichen Plädoyers

Die Harburger scheren sich bis heute herzlich wenig um ihre Eingemeindung Ende der 30er-Jahre und begreifen sich nach wie vor als „Stadt in der Stadt“. Wenn der Harburger „in“ die Stadt geht, meint er die Seevepassage mit der darin mündenden Lüneburger Straße, den Einkaufszentren Marktkauf Center, Phönix Center und Harburg ARCADEN, sämtlichen darin enthaltenen Geschäfts- und Gastronomiebetrieben inklusive Netto oder Karstadt. Sobald die Elbe passiert wird (allerspätestens ab Veddel der Fall), fährt der Harburger „nach“ Hamburg. Ich lebe gerne hier. Ich habe echt tolle Nachbarn und würde nirgendwo anders wohnen wollen. Auch liebe ich die hiesige „Melange“, die man sonst so nicht anders vorfindet. „Typisch“ Harburg ist vor allem die zwischenmenschliche Nähe der Bewohner untereinander: So duzt man sich von Anfang an – egal, ob man sich näher kennt oder nicht.

Saskia Schneider, Hamburg-Harburg

Urlaub in Ersatzkleidung

22. Oktober: Bombenentschärfung: Gepäck erst nach vier Tagen am Flughafen

Glücklich ist der Reisende, der sein Gepäck am Flughafen abholen darf. Wir warten seit nunmehr sechs Tagen an der Algarve auf unser Gepäck, das am letzten Mittwoch wegen Stillstands der Gepäckbänder nicht befördert wurde. Weder die Fluggesellschaft, der Flughafen Faro, noch der Flughafen Hamburg können irgendeine Auskunft darüber geben, wo sich die Koffer befinden, da sie nicht gescannt wurden und somit nicht nachverfolgt werden können. Also werden wir wohl noch eine weitere Woche in billiger Ersatzkleidung auf die Koffer lauern und sie vielleicht unter denen in der Ankunftshalle finden?

Petra Coley