Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. Oktober 2019

Facebook sofort abschalten

21. Oktober: Hass und Hetze im Internet – Hamburg sagt Tätern den Kampf an. Senator plant mehr Strafverfahren, mehr Staatsanwälte, Druck auf Facebook & Co.

Was einmal als „soziales Medium“ gefeiert wurde, hat sich inzwischen als durchaus asozial entpuppt. Man sollte Facebook und Co. unverzüglich abschalten. Dann wären die Hassbotschafter gezwungen, wie früher ihre Hetze zu Papier zu bringen, in einen Briefumschlag zu stecken und mit einer Marke versehen in den Postkasten zu werfen. Und weil ihnen das zu mühsam und zu teuer wäre, bliebe die Welt von derlei Unrat verschont. Aber entweder traut sich niemand, Facebook so nahe zu treten oder fürchtet, das könne als Zensur und Behinderung der freien Meinungsäußerung ausgelegt werden, obwohl der Postweg natürlich weiter offenstünde. So wird uns also trotz der Bemühungen von Senator Steffen und vielen anderen das gesamte Hass- und Hetzpotenzial erhalten bleiben.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

Strafverfahren helfen nicht

Glaubt Justizsenator Till Steffen allen Ernstes, mit mehr Strafverfahren dem überbordenden Hass und der gruseligen Hetze in den sozialen Medien Herr werden zu können? Genauso albern ist es, Facebook als bösen Buben an den Pranger zu stellen. Da muss man schon etwas tiefer schürfen und fragen, wie dieser Hass überhaupt entstehen kann. Verständlich, dass Ex-Bürgermeister Scholz solch einem wenig erfolgversprechenden Vorgehen wenig Verständnis entgegenbringt.

Jürgen Hill

Recht auf artgerechte Haltung

21. Oktober: Tausende protestieren gegen Tierversuche. Friedliche Demonstration in Neugraben und eine Mahnwache vor den Toren des Laboratory of Pharmacology and Toxicology

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Tierhaltung der Nutztiere aufmerksam machen. Unsere Mitgeschöpfe, die Tiere, haben das Recht auf artgerechte Haltung. Und nur dafür kann es ein Tierwohl-Label geben. Weitere Tierwohl-Klassifizierungen dienen lediglich der Verbrauchertäuschung.

Erich Hummel, Hamburg

Dank an die Autofahrer

Ganz herzlicher Dank gebührt dem Abendblatt für die Berichterstattung über die Kundgebung in Neugraben, den schier endlos langen Protestzug zum Sitz des Tierversuchsunternehmens und die Mahnwache vor dem Labor in Mienenbüttel. Selbstverständlich war für uns alle auch zu zeigen, dass unser Einsatz gegen Tierquälerei nicht mit Gewalt gegen Personen und Sachen zusammenpasst. Großer Dank gilt den Organisatoren von SOKO Tierschutz und Lobby pro Tier, sowie der Polizei, aber auch den vielen geduldigen und verständnisvollen Autofahrern, die sehr lange ausharren mussten, bis sie weiterfahren konnten, sowie den Restaurants, die den vielen Teilnehmern sehr bereitwillig den Gang zu den Toiletten gestatteten.

Ingrid und Eckard Wendt, Stelle

Raus aus der Bündnisfalle

19./20. Oktober: Auf der Flucht vor Erdogans Krieg. Hunderttausende Zivilisten fliehen vor den türkischen Streitkräften in Nordsyrien. Die mit den USA vereinbarte Waffenruhe ist brüchig

Beim Lesen des Artikels ergreift mich tiefe Scham angesichts des Elends der Kurden, das der türkische Überfall auf Nordsyrien mit sich bringt. Tod und Verderben bringen auch deutsche Waffen über das ewig leidgeprüfte Volk. Und unsere Regierung eiert nur herum, wenn es darum geht, effektiv gegen Erdogans völkerrechtswidrigen Angriff auf sein Nachbarland vorzugehen. Wenn es gegen Russland geht, hält man unbeirrt an massiven Sanktionen wegen des nahezu friedlichen Anschlusses der überwiegend von Russen bewohnten Krimfest. „Unser Nato-Partner“ Türkei hingegen wird wegen seines Angriffskrieges nur lau kritisiert und praktisch nicht aufgehalten bei seiner Invasion, auch nicht von der Nato oder der EU. Derartige „Partner“, die uns in ihre Gräuel mit hineinziehen können, wenn sie den angeblichen Verteidigungsfall bei entsprechender Eskalation der militärischen Auseinandersetzungen auslösen, brauchen wir nicht. Einer solchen Bündnisfalle sollte Deutschland den Rücken kehren und sich voll auf die Seite der gequälten Kurden stellen.

Dr. Sigmund L. Blank

Fischgeschäft in Harvestehude

19./20. Oktober: Der Fisch-Mann von Eppendorf. Frank Tamaschke zählt mit seinem Fachgeschäft in Eppendorf zu den Topadressen für Liebhaber von Meeresfrüchten aller Art

So gern ich den Artikel über den sympathischen Frank „Fischi“ Tamaschke von Fische Schmidt gelesen habe: Er ist entgegen der Überschrift nicht „Der Fischmann von Eppendorf“, sein Geschäft befindet sich in Harvestehude. Das einzige Fischgeschäft in Eppendorf ist Fische Hülsen in der Erikastraße. Der dort langjährig, fröhlich und zuverlässig agierende Fischmann ist der Portugiese Ze Ventura.

Norbert Hübner

Meldung schürt Ängste

18. Oktober: Kann nur ein Elbe-Sperrwerk Hamburg retten? Umweltsenator Jens Kerstan glaubt, dass ein gigantischer Damm vor Hochwasser schützen würde

Grundlage für die Überschrift im Abendblatt war ein geradezu apokalyptisches Horrorgemälde des Weltklimarates (IPCC), wonach im ungünstigsten Fall in 250 Jahren der Meeresspiegel der Nordsee um vier Meter ansteigen könne. Dies veranlasste Umweltsenator Kerstan, ein Sperrwerk in der Elbmündung ins Gespräch zu bringen. Welch ein Unsinn! Die Wahrheit ist, dass in den letzten 160 Jahren der Meeresspiegel am Pegel Cuxhaven gleichmäßig, ohne jede Beschleunigung, um durchschnittlich 2,1 mm/Jahr angestiegen ist. In 250 Jahren wäre demnach ein mittlerer Anstieg um lediglich 52 cm zu erwarten mit, natürlich, Konsequenzen für die Deichkronenanpassung. Mit welchen wissenschaftsfremden Modellen daraus vier Meter werden sollen, bleibt das Geheimnis des IPCC und des Herrn Kerstan. Mit Schreckensmeldungen dieser Art schürt man Ängste in den Köpfen naiver Schulkinder und treibt sie auf die Straße. Das ist unverantwortlicher Alarmismus, auch seitens der Medien. Wer aber, wie Herr Kerstan glaubt, damit auf Wählerfang gehen zu sollen, beschädigt die eigene Glaubwürdigkeit und die seiner Partei.

Prof. Dr. rer. nat. Gerhard Winneke

Aufklärung wurde verhindert

18. Oktober: Damals ,auf der falschen Seite gestanden‘. Prozess gegen einen früheren SS-Wachmann im Konzentrationslager Stutthof. Dem heute 93-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen

Der wirkliche Skandal liegt Jahrzehnte zurück. Die Justiz der jungen und später auch nicht mehr ganz jungen Bundesrepublik hat Einforderungen von Rechenschaft von sicheren oder mutmaßlichen Nazi-Verbrechern viele Jahre verschlampt, verhindert, verzögert. Gut dokumentiertes Beispiel ist bekanntlich der Kampf des Frankfurter Staatsanwalts Fritz Bauer für die Realisierung des sogenannten Auschwitz-Prozesses. Natürlich heißt es immer, „die Deutschen“ wollten von all dem nichts mehr wissen (sind Opfer des NS-Regimes keine „Deutschen“?) und die alten Seilschaften unterstützten sich gegenseitig bezüglich Flucht, Karriere und Entlastungszeugnissen. Das stimmt ja alles. Aber Fritz Bauer hat gezeigt, dass es geht, wenngleich gegen heftige Widerstände. Was war mit den vielen anderen Staatsanwälten und ihren Justizministern? Was ich mir wünschen würde, wäre eine deutliche Einbeziehung der Schuld von Politik und Justiz der früheren BRD in die Berichterstattung. Jetzt, wo viele der damaligen Täter weggestorben sind, schnappt man sich die wenigen noch Übriggebliebenen. Die sehr große Schuld der Verantwortlichen in Politik und Justiz der früheren Bundesrepublik wird nicht mehr zu klären sein. (Eine aufwendige historische Aufarbeitung käme mal wieder zu spät.) Aber solche Prozesse, wie der aktuelle, wären ein guter Anlass, deutlich auf sie hinzuweisen.

Dr. Rudolf Deiml, Hamburg