Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. Oktober 2019

Lautloser Protest gegen Lucke

19./20. Oktober: AStA: Lucke hat Lage ,angeheizt‘. Studentenvertretung betont aber das Recht des AfD-Gründers, an der Uni zu lehren

Ein lautloser Protest gegen die Vorlesung des AfD-Gründers Bernd Lucke, indem man seiner Vorlesung ferngeblieben wäre, und er deshalb vor fast leerem – bis auf seine Anhängern – Auditorium seine Vorlesung gehalten hätte, wäre sicherlich für ihn beschämend gewesen. Wenn er bei seinen weiteren Vorlesungen immer wieder ein fast leeres Auditorium vorfindet, wird er vielleicht einmal darüber nachdenken und Konsequenzen daraus ziehen.

Hans-Jürgen Odrowski, Hamburg

Keine Spur von Streetart

19./20. Oktober: Graffiti an der B 75 – Polizei ermittelt gegen Sprayer

Wenn sich die Graffiti an der neuen B 75 im Handumdrehen „über einen Abschnitt von mehreren Kilometern“ erstrecken können, dann ist das ein Beleg mehr, dass der Kampf gegen diese Form der ästhetischen Umweltverschmutzung und strafbaren Sachbeschädigung schon lange aufgegeben wurde – seitens der Behörden, aber auch der unmittelbar betroffenen Bewohner und Gewerbetreibenden. Wer mit der Bahn von der S-Bahnstation Sternschanze nach Altona fährt, muss feststellen, dass es kaum noch eine freie Fassadenfläche gibt, die nicht restlos vollgesprüht ist – keine Spur von „Streetart“, sondern reine Schmiererei. Ob es sich um Bauzäune, Schuppenwände, hochwertige Neubau- oder sorgsam restaurierte Gründerzeitfassade handelt – überall das Gleiche. Falls Polizei und Staatsanwaltschaft überhaupt noch diesbezüglich privates wie gemeinschaftliches Eigentum zu schützen gedenkt – wie wäre es mit einer Soko „Graffiti“?

Ulrich Reppenhagen

Hamburgs Fläche ist begrenzt

19./20. Oktober: Leserbrief der Woche: Wohnraum gesucht

Wenn Herr Blechschmidt meint, dass unbedingt noch sehr viel mehr gebaut werden muss als bisher und er als Beispiel die Städte Wien und Kopenhagen anführt, liegt er meines Erachtens falsch. Diese können sich nämlich beliebig ausdehnen, was Hamburg als Stadtstaat nicht möglich ist. Und wenn weiter in diesen engen Grenzen massiv gebaut wird, führt es zu immer mehr Verlust von Lebensqualität. Aber die Wohnungsnot wird nicht gemindert, denn wo gebaut wird, gibt es Zuzug aus dem ganzen Bundesgebiet. Was bleibt, sind zusätzlicher Lärm, vermehrter Feinstaub und weniger Grün. Aber vielleicht haben dann viele Hamburger das Leben in der Stadt satt und ziehen ins Umland. Dann haben wir den ungewollten Effekt der freigewordenen Wohnungen ohne Verdichtung.

Egon Rühl

Slalomlauf für Fußgänger

18. Oktober: Ansturm auf Lastenräder – Behörde stockt Fördergelder auf. Fast 400 Anträge sind bereits eingegangen. Die Subventionssumme von 1,5 Millionen Euro soll deshalb sofort komplett zur Verfügung stehen

Na toll, nach den E-Tretrollern nun die Lastenräder. Nicht nur, dass die Roller nach Gebrauch irgendwo auf den Straßen oder Bürgersteigen „entsorgt“ werden, nein jetzt verstopfen auch noch Lastenräder die schmalen Radfahrwege und in zunehmendem Maße die Fußgängerwege. Mal eben zum Einkaufen vor den Geschäften abgestellt, gerne auch während eines Coffee-Shop-Besuchs. Fußgänger können sich im Slalomlauf bewähren. Und von hinten brausen die E-Roller heran... Der ganze Wahnsinn erfährt nun noch die finanzielle Förderung. Was kommt als Nächstes? Personen in Drohnen?

G. Kleinefeld, Wedel

Gleiche Maßstäbe für alle

18. Oktober: Damals ,auf der falschen Seite gestanden‘. Prozess gegen einen früheren SS-Wachmann im Konzentrationslager Stutthof. Dem heute 93-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen.

Es ist wohl aus heutiger Sicht kaum zu klären, welche Möglichkeiten ein 17-jähriger, frontuntauglicher Junge im Jahre 1944 hatte, sich einem Einsatz als Wachmann zu entziehen. So fand sich doch zum Beispiel auch ein Günter Grass unfreiwillig kurz vor Kriegsende plötzlich in einer SS-Uniform wieder. Nun haben Juristen 2011 entschieden, dass diese Wachmänner auch ein Teil der Vernichtungsmaschine waren und daher zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Viele sagen, damit sucht man sich die kleinsten Lichter heraus. Stimmt, denn was ist denn mit den Polizisten, die jüdische Familien aus ihren Wohnungen holten und zum Abtransport brachten? Was ist mit den Eisenbahnern, die ihre Züge bis an die Rampe von Auschwitz gesteuert haben? Waren sie nicht auch Teil der Vernichtungsmaschinerie? Oder was ist eigentlich mit den Richtern und Staatsanwälten, die Menschen ganz bewusst zum Tode verurteilt haben, die ein Stück Brot gestohlen, ein Flugblatt verbreitet haben oder einfach nur Mitglied einer Gewerkschaft waren? Ein 17-jähriger Bauernjunge hatte mit Sicherheit 1945 nicht die Kenntnisse, die ein Marinerichter Filbinger allerdings sehr wohl hatte, der noch am 7. Mai 1945 Matrosen zum Tode verurteilt und hinrichten lassen hat. Er war später viele Jahre Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Ja, Verantwortung muss auch nach 70 Jahren noch übernommen werden, aber dann bitte von allen und mit gleichen Maßstäben.

Reinhold Huff, Neu Wulmstorf