Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Oktober 2019

HVV-Anbindung wäre clever

15. Oktober: Konkurrenz zu groß – erster neuer Fahrdienst in Hamburg gibt auf. Bahn-Tochter CleverShuttle stellt Betrieb in der Hansestadt ein

Es ist schade, dass dieser Dienst jetzt schon den Betrieb in Hamburg wieder einstellt. Der Fahrservice selbst war gut, aber auch der hat den Nachteil, dass sein Geschäftsgebiet in Hamburg eingeschränkt war und das noch in noch größerem Umfang, wie es bei Moia der Fall ist. Das ist überhaupt eines der großen Probleme bei diesen Alternativangeboten zum HVV. Besonders die Gebiete, die auch schlecht vom HVV versorgt werden, sind häufig auch keine Geschäftsgebiete dieser Mobilitätsdienste. Aber jeder dieser Anbieter verkauft sich, als wenn er in Hamburg überall verfügbar sei. Und da CleverShuttle nicht günstiger war als seine Mitbewerber und man dafür extra eine App herunterladen musste, hat dieser es schwer, sich durchzusetzen. Uber ist durch die Medien schon mehr bekannt und Ride ist über die MyTaxi-App aufrufbar. Meiner Meinung nach hat das Management und Marketing von CleverShuttle einfach versagt, denn als ein Unternehmen an dem die DB beteiligt ist, hätte es zuerst die Versorgung der S-Bahn-Stationen in Hamburg mit den anderen Partnern vom HVV analysieren müssen, um dort Alternativen zu den Bussen anbieten zu können. Von der S-Bahn-Station Billwerder- Moorfleet oder Mittlerer Landweg gibt es Zeiten, in denen kein Bus in das Gewerbegebiet Allermöhe fährt, obwohl zu diesen Zeiten, auch mit Schichtdienstwechseln gearbeitet wird. So wäre CleverShuttle eine gute Ergänzung gewesen.

Holger Bennesch

Es gibt eine bessere Lösung

15. Oktober: Der Akku-Triebwagen kommt zum Zug

Und wieder kommt ein alter Hut „zum Zuge“. Akku-Triebwagen sind nicht neu, sie gab es schon vor dem Krieg bei der Reichsbahn; die Bundesbahn musterte die letzten Fahrzeuge in den 70er-Jahren aus. Auch wenn es heute leistungsstärkere Batterien gibt, wäre die bessere Lösung der Ausbau von Oberleitungen, was in anderen Bundesländern, insbesondere in Bayern, seit Jahrzehnten Standard ist. Nur die sogenannte „externe“ Stromversorgung (Oberleitung, Stromschiene) garantiert eine sichere und stabile Beförderungsleistung, was U-, S-, Straßenbahnen und auch Trolleybusse seit über 100 Jahren beweisen.

Jens Ode

Eine Geschmacklosigkeit

7. Oktober: Priester segnet Tiere und ihre Besitzer. Feierliche Zeremonie in katholischer Kirche St. Ansgar in Tonndorf. ,Schöpfung hegen und pflegen‘

Was für eine Geschmacklosigkeit angesichts der Millionen von Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten, die jedes Jahr in Deutschland nach qualvollem kurzen Leben in der Massentierhaltung einen elenden Tod in deutschen Schlachthäusern sterben.

Dr. Dieter Firnrohr

Alarmstufe Rot für den Hafen

11. Oktober: Neue Köhlbrand-Querung: Bleibt Hamburg auf Milliardenkosten sitzen? Finanzierung von Tunnel oder Brücke noch völlig unklar. Senat und Bundesregierung ringen um eine Lösung

Die Köhlbrandbrücke als Teil der Haupt-Hafenroute ist spätestens 2030 nicht mehr einsatzfähig. Ist das nicht Alarmstufe Rot für den Hamburger Hafen? Schließlich laufen über diese Lebensader des Hafens mit 38.000 Fahrzeugen 90 Prozent des täglichen Hafenverkehrs. Aus Hamburger Sicht hat die Finanzierung der neuen Köhlbrandquerung absolute Priorität. Die A26-Ost dagegen nutzt dem Hafen herzlich wenig. Neuerdings „Hafenpassage“ genannt, passiert sie den Hafen tief im Süden – weit weg von den großen Terminals. Diese sind allesamt im Norden via Waltershof bzw. Köhlbrandquerung an die A7 angebunden. Außerdem gibt es eine Ausweichstrecke mit Anschluss an die A7 in Moorburg: Wenn nach der neuen Rethebrücke demnächst auch die zweite Brücke über den Kattwyk fertig ist. Für den Hafen macht hier eine zusätzliche Transit-Autobahn wenig Sinn. Im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass Hafen fremde Durchgangsverkehre die Hafenrouten zusätzlich belasten. Aus Steuerzahlersicht droht mit der A26-Ost ohnehin ein Milliardengrab. Schon jetzt ist von 1,5 Milliarden Euro die Rede – für weniger als zehn Kilometer Autobahn. Bei ähnlich schwierigem Baugrund wie beim Bau der neuen Wilhelmsburger Reichsstraße (hier stiegen die Kosten von ursprünglich 67,4 Millionen Euro auf schließlich 315 Millionen Euro) darf auch bei der A26-Ost mit dem vier- bis fünffachen gerechnet werden. Im Interesse Hamburgs und seines Hafens gäbe es eine einfache Lösung: Verzicht auf die A26-Ost und im Gegenzug Sicherung der Bundesmittel für eine neue Köhlbrandquerung. Viel mehr als den Mut zu einer nüchternen Neubewertung Hamburger Interessen bräuchte es dafür eigentlich nicht.

Manuel Humburg

Das Miteinander zählt

12./13. Oktober: Hamburgs bester Stadtteil – Volksdorf

Als katholischer Pfarrer umfasst meine große „Pfarrei Seliger Johannes Prassek“ fast den ganzen Regierungsbezirk Wandsbek und einige Dörfer in Schleswig-Holstein. Ich sage, welch eine Freude, denn mehrere in der Reihe „Hamburgs bester Stadtteil“ schon beschriebene Stadtteile gehören zu uns, wo wir gemeinsam Kirche sind: z.B. Rahlstedt, Poppenbüttel, Volksdorf, Bramfeld und Farmsen. Alle Vorteile und Vorzüge, manchmal auch die Nachteile und Rivalitäten der Stadtteile haben wir in der Pfarrei also alle gemeinsam, die Seelsorgerinnen und Seelsorger, die Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen und alle Kirchenmitglieder, bei gut 24.000 sind das etwa knapp zehn Prozent der Einwohner. Das macht viele von uns zufrieden. Dennoch bin ich und viele mit mir glücklich, nicht nur in einem Stadtteil zu leben, zu arbeiten, zu flanieren, Kultur zu erleben, sondern in ganz Hamburg. Ein Vorzug der Kirchen, aber sicher auch der Politik, der Medizin oder anderer Berufe, die einen rumkommen lassen. Also diese Serie ist gut und informativ, aber die positive Weitsicht und den Wert des Miteinanders sollte man sich nicht verstellen lassen.

Hans-Joachim Winkens, SAC-Pfarrer der Pfarrei Seliger Johannes Prassek

Vollständige Anrechnung

11. Oktober: Gewerkschaften fordern Lösung für Grundrente

Bevor von den hohen Rücklagen in der Deutschen Rentenversicherung die Grundrente eingeführt wird, ist es ratsam, dass die noch ausstehende zweite Hälfte der dritten Kindererziehungszeitenrente für vor 1992 geborene Kinder vom Bundestag verabschiedet wird. Für alle nach 1992 geborenen Kinder werden den Müttern drei Jahre Kindererziehungszeiten in der Deutschen Rentenversicherung angerechnet. Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung die Zahlung der dritten Kindererziehungszeitenrente für vor 1992 geborenen Kinder vereinbart. Zum 1.1.2019 wurde die erste Hälfte der dritten Kindererziehungszeitenrente in Höhe von einem halben Rentenpunkt von 16 Euro Rente im Monat für vor 1992 geborene Kinder von der Bundesregierung bewilligt. Jetzt steht noch die fehlende zweite Hälfte aus.

Elisabeth Carstens, Hamburg-Bramfeld

Keine vernünftige Reaktion

15. Oktober: FC St. Pauli stellt Sahin auf unbestimmte Zeit frei

Vorweg: Ich bin gegen Erdogans Position und Handlungsweise im syrischen Konflikt. Der türkische Angriff auf Syrien (denn das ist es) ist ein Rückfall in mittelalterliche Handlungsweisen. Jedoch: Eine Freistellung vom Spielbetrieb für Cenk Sahin ist keine vernünftige Reaktion auf eine Meinungsäußerung per Twitter. Auch Herr Sahin muss seine Meinung sagen können – ebenso, wie die Leser dann diese Äußerung für „dämlich“ halten dürfen. Seine Äußerung hat nichts mit seinem Fußballspiel zu tun. Er ist kein Repräsentant irgendeiner Institution oder des Staates. „Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine“ (Helmut Schmidt). Streit geht aber nur, wenn man seine Meinung auch sagen darf!

Kai Rickertsen