Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. Oktober 2019

Ursache: hohe Ladenmieten

9. Oktober: Leitartikel: Der Hilferuf der City. Geschäftsleute fürchten um die Zukunft der Innenstadt, die sich dringend neu erfinden muss

Nun rächt sich, dass durch hohe Ladenmieten die inhabergeführten Geschäfte aus der City vertrieben wurden. Diese machen eine Innenstadt attraktiv und nicht die austauschbaren Ladenketten, dann kann ich auch im Internet kaufen! Ich hoffe, dass den Geschäftsleuten noch etwas Besseres einfällt!

Petra Lüth, Lokstedt

Wir sind nicht mehr jung

Warum HafenCity „ja“ und City „nein“? Wir sind nicht mehr jung und nicht mehr gut zu Fuß. Wir fahren aus unserer Tiefgarage und parken in der Tiefgarage im Überseequartier in der HafenCity. Der Ausgang ist (bequem mit Fahrstuhl) direkt am Überseeboulevard. Hier können wir mit kurzen Fußwegen einkaufen, stöbern in kleinen Geschäften, ausruhen auf ausreichend Bänken, die Bildergalerie bewundern und kleine Mahlzeiten einnehmen. Wo gibt es Ähnliches in der City? Dort sind weite Wege zurückzulegen, wenig Bänke, die Parkhäuser sind weit entfernt und besetzt. Die neue und teure Elbpromenade vom Baumwall bis zu den Landungsbrücken hat architektonisch hochgelobte Stufen, auf denen junge Leute gerne sitzen, aber wo sitzen die Senioren? Es gibt keine einzige Bank! Die Bevölkerung wird immer älter, viele sind mit dem Rollator unterwegs. Aus unserem Bekanntenkreis bleiben viele Menschen in ihren Quartieren und meiden die Innenstadt. Mit Spannung warten wir auf die Veränderungen.

Annegret Botermann, Bramfeld

Wird das wirklich gebraucht?

Zu Ihrem Leitartikel möchte ich anmerken, dass ich die Citykaufleute durchaus verstehen kann. Da wird einem Investor in der HafenCity ermöglicht, ein Einkaufszentrum mit mehr als 200 Geschäften zu bauen, um damit Gewinne zu generieren. Wird das aber wirklich gebraucht? Schaffen wir damit nicht unnötig Konkurrenz für die bestehende City? Und werden nicht sowieso nur die ohnehin schon überall vertretenen Filialisten dort einziehen? Nicht nur das Beispiel Harburg mit dem Phoenixcenter zeigt es, auch hier in Bergedorf verödet die ehemalige Einkaufsstraße Sachsentor durch die neuen Zentren immer mehr.

Christian Gontard, Hamburg

Nach Alternativen suchen

9. Oktober: Bolivien – Proteste gegen deutschen Lithium-Abbau

Leider erwähnen Sie in Ihrem Artikel zu den Protesten in Bolivien nicht, dass der Lithiumabbau auch erhebliche Umweltprobleme mit sich bringt. Für den Abbau werden Millionen von Litern an Grundwasser verbraucht, was schon jetzt zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels in den Wüsten Südamerikas geführt hat und die dortige Trinkwasserversorgung gefährdet sowie weiterhin zur Austrocknung der natürlichen Salzlagunen führt. Auch dagegen richten sich Proteste der örtlichen Bevölkerung. Auch wird bei der Debatte um E-Autos immer wieder vergessen, dass für deren Batterien Lithium gebraucht wird. Je mehr E-Autos, umso größer die Nachfrage nach Lithium, desto massiver die Umweltschäden in den Abbaugebieten. E-Autos sind also bei der notwendigen Einsparung von CO2 nur scheinbar die perfekte Lösung. Tatsächlich produzieren sie an anderer Stelle neue Umweltprobleme bzw. verstärken diese und niemand weiß, wie sich dies global auswirken wird. E-Mobilität mit Batterien ist also nicht der Weisheit letzter Schluss, es muss weiter nach Alternativen gesucht und geforscht werden.

Doris Holzmüller-Meyenbörg

Wie aus dem Bilderbuch!

7. Oktober: ,Kein ökonomischer Selbstmord‘. Ex-Umweltsenator Fritz Vahrenholt kritisiert die ,maßlose Klimadebatte‘ und warnt vor überstürzten Reformen

Nach der Lektüre des Interviews von Herrn Vahrenholt war mein erster Gedanke: Wie aus dem Bilderbuch! Wie aus dem Bilderbuch der Klimaveränderungsleugner, das der Klimaforscher Michael E. Mann in seinem Buch „The Hockey-stick and the Climate Wars“ so einprägsam aufgeschlagen hat. Geradezu klassisch ist dabei die Verbindung zur Erdölindustrie. Der erste Satz, den man bei Wikipedia zu Guus Berkhout liest, der die Initiative der 500 angeblichen Forscher gestartet hat, lautet: „Augustinus Johannes „Guus“ Berkhout (*1940) ist ein niederländischer Ingenieur, der für die Öl- und Gasindustrie und als Professor gearbeitet hat“. Qualifikation als Klimaforscher? Fehlanzeige. Gleiches trifft auch auf Herrn Vahrenholt zu. Man könnte ihn zutreffender als Manager bezeichnen. Das Interview ist eine Aneinanderreihung von Behauptungen und Halbwahrheiten ohne wissenschaftliche Substanz. Ich beschränke mich auf ein Beispiel: Wenn mehr CO2 in der Luft ist, nehmen Pflanzen es leichter auf. Richtig! Aber was passiert dann? Durch Verdauung, Verrottung und Verbrennung gelangt der größte Teil nach kurzer Zeit wieder in die Umwelt zurück. Das größere Weizenkorn, von dem Herr Vahrenholt spricht, wird gegessen und verstoffwechselt. Der CO2- Anteil gelangt durch die Atemluft bald wieder nach draußen. Das wird verschwiegen. Stattdessen wird so getan, als werde durch intensivere Photosynthese das Klimagas endgültig aus der Umwelt entfernt. So geht das bei anderen Teilen seiner Argumentation: Wenn man nur einen Schritt weiterdenkt, erweist sich deren Hohlheit. Herr Vahrenholt glaubt nicht an eine Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur bis zum Jahre 2100 über 1,5 Grad hinaus. Ein Mutmaßung ohne jegliche Begründung. Zum Beispiel auf dem Brocken hat sich die Durchschnittstemperatur bis heute bereits um 1,4 Grad erhöht. Michael E. Mann hat in seinem Buch die Argumente der Klimaveränderungsleugner in einer Stufenleiter zusammengefasst, die von Stufe eins bis Stufe sechs reicht. Im vorliegenden Fall könnte man eine von dem Kabarettisten Pelzig inaugurierte Argumentation als siebente Stufe hinzufügen: Ich weiß, dass es den Klimawandel gibt, aber ich glaub nicht dran.

Dr. Peter-Paul Grundke, Geesthacht

Sträflich vernachlässigt

9. Oktober: Mehrheit der Deutschen sieht in DDR einen Unrechtsstaat

73,9 Prozent der Deutschen sieht also die DDR als Unrechtsstaat, d. h. 26,1 Prozent sehen sie nicht als Unrechtsstaat an. Genügt uns das? Was wäre, wenn 26,1 Prozent der Deutschen das Dritte Reich nicht als Unrechtsstaat ansehen würden? Man muss sich jedenfalls über diese Zahlen nicht wundern, wenn die alten SED-Seilschaften in den Fernsehtalkshows als ehrenwerte Herrschaften stattfinden (oder stattgefunden haben). Haben sie in den Neuen Bundesländern ganze Arbeit geleistet? Hier hält gerade knapp die Hälfte der Bevölkerung die DDR für einen Unrechtsstaat. Oder wurde der Unrechtsstaat nicht als solcher empfunden, wenn man nicht auffiel? Entsprechendes berichteten mir meine Eltern über das Dritte Reich. Auf jeden Fall wird auch in den Schulen das Thema DDR sträflich vernachlässigt. Kaum ein junger Mensch weiß heutzutage mit dem Datum 17. Juni 1953 etwas anzufangen. Eine ehemalige Schülerin meiner Frau – die Mutter stammt aus der DDR – vertrat die Meinung, der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 sei eine vom Westen lancierte Revolte gewesen. Und was Herrn Bodo Ramelow betrifft: Hätte er – abgesehen von der Vermeidung des Wortes „Unrechtsstaat“ – das Gegenteil behauptet, hätte er gegen seinen eigenen Koalitionsvertrag verstoßen!

Dr. Gerhard Diercks

Fluglärm fällt nicht auf

2./3. Oktober: Hamburgs bester Stadtteil – Fuhlsbüttel. Teil 26: Entspanntes und familiäres Leben zwischen Alstertal und Flughafen. Teil 27: Ein Märchen aus alten Schlössern, gutem Essen und leuchtender Natur

Wer in Fuhlsbüttel wohnt, wundert sich, dass der Autor den morgens um sechs beginnenden und mit überschaubaren Ruheperioden zwischen den Stoßzeiten bis manchmal gegen 24 Stunden andauernden Fluglärm nur hin und wieder wahrnimmt. Und dem Autor des Artikels über Poppenbüttel ist der auch hier sehr präsente Fluglärm gleich gar nicht aufgefallen, einschließlich der dadurch bedingten Wertminderung der Grundstücke.

Herbert Hengstenberg