Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. Oktober 2019

In den Klimaschutz investieren

7. Oktober: ,Kein ökonomischer Selbstmord‘. Ex-Umweltsenator Fritz Vahrenholt kritisiert die ,maßlose Klimadebatte’ und warnt vor überstürzten Reformen

Vahrenholt benutzt das mediale Phänomen, das wir auch schon bei der Debatte um Feinstaub-Grenzwerte erlebt haben – eine Minderheit bekommt unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit, wenn sie eine vom Konsens abweichende Meinung postuliert. Seit über 40 Jahren sind die Gründe des Klimawandels bekannt, und aufgrund der Vielzahl wissenschaftlicher Erkenntnisse und spürbarer Klimaveränderungen ist endlich auch im Bewusstsein der deutschen Mehrheit angekommen, dass wir beim Klimaschutz keine Zeit mehr zu verlieren haben. Das nun nach Art der AfD als „Mainstream“ abzutun und dazu noch auf eine derartig arrogante Art der FFF-Bewegung Hysterie vorzuwerfen, ist unsachlich und populistisch. Ich hätte mir vom Abendblatt gewünscht, dass Vahrenholts Behauptungen mit wissenschaftlichen Fakten kontextualisiert werden. Denn daran hat kein seriöser Wissenschaftler Zweifel: Wenn wir nicht rasch und global handeln, wird das Problem unlösbar und auch viel teurer, als wenn wir ausreichend Geld in Klimaschutz investieren.

Antonia Herresthal

Fachlich fundierter Bericht

Endlich mal ein fachlich fundierter Bericht von anderer Seite. Vahrenholt ist zwar in der Industrie tätig, aber seine umweltmäßige Historie spricht für ihn. Da er keine politischen Ambitionen hat, muss er dem derzeitigen Hype auch nicht folgen. Endlich benennt mal einer den natürlich bekannten Umstand, dass es auf der Erde immer mal kältere und wärmere Perioden gibt. Und z.B. die offenbar durch CO2 steigende Begrünung war mir nicht bekannt. Ich wünschte mir ein notfalls anonymes Gespräch mit einem Klimaforscher, der die wirklichen Fakten nennen kann. Unbestritten muss etwas getan werden. Aber solange wir erst in 20 Jahren aus der Kohle aussteigen, während China dieses weiter ausbaut, den Waldbränden im Amazonas tatenlos zusehen, Windräder stillstehen, Schiffe noch ewig Schweröl verbrennen; andererseits aber Projekte wie einst Deserttec, nämlich Strom aus der Wüste zu holen, plattgemacht werden – solange kann es noch nicht zu schlimm sein. Aber bei dem von Deutschland im weltweiten Vergleich sehr geringem prozentualen Schadstoffausstoß wird es die CO2-Steuer sicher richten!

Holger Schütz

Mit ökonomischer Vernunft

Fritz Vahrenholt hat Recht, wenn er in der Klimastrategie ökonomische Vernunft einfordert. Wir werden uns die Investitionen in neue Technik nur leisten können, wenn ausreichend Wohlstand dafür vorhanden ist. Der Blick in unsere Geschichte und auch in ärmere Länder dieser Welt müsste jedem klar machen, dass den Menschen das Klima egal ist, wenn sie keine Arbeit haben und/oder sich um ihr täglich Brot sorgen müssen. Fritz Vahrenholt hat auch Recht wenn er anklagt, dass die Klimadebatte mit irrationalen Weltuntergangsszenarien geführt wird. Mit der Angst vor dem Weltuntergang hat man im Mittelalter Hexenverbrennung und Ablasshandel betrieben. Ein moderne aufgeklärte Gesellschaft sollte sich solcher Mittel nicht bedienen, zumal damals wie heute eine gesicherte Wissensbasis fehlt, warum nun gerade demnächst der Weltuntergang droht. Wir sollten vernünftig und mit Augenmaß den Weg in eine CO2-freie Wirtschaftsordnung beschreiten.

Dr. Peter Ruland, Hamburg

CO2-Reduktion ist hilfreich

Es gibt sie immer wieder, die sich mit kruden Thesen ins Gespräch bringen. Diesmal der ehemalige Hamburger Umweltsenator (SPD), der in seiner Amtszeit auch „Feuerfritze“ genannt wurde, da er viel zu viele Müllverbrennungsanlagen installieren ließ, die Hamburg aufgrund der eingegangenen Verträge viel Geld gekostet haben mit ihrer Überkapazität. Es tun sich Parallelen zu dem Lungenarzt Köhler auf, der seinerzeit die Giftigkeit von Stickoxiden bezweifelte und sich damit gegen 99 Prozent der relevanten Wissenschaftler stellte. Selbst wenn etwas dran wäre an dem was Herr Vahrenholt erzählt, wäre eine CO2-Reduktion hilfreich, da sie auch weniger schädliche Abgase bedeuten würde.

Matthias Christen, Eimsbüttel

Unternehmerische Weitsicht

5./6. Oktober: Warum die Stadt eigene Handwerker einstellt

„Fördern & Wohnen“ baut eigene Handwerkerressourcen auf. Weil es schlicht erforderlich ist, um die anfallende Arbeit getan zu bekommen. Das ist unternehmerische Weitsicht und Sorgfalt. Herr Kleibauer von der CDU aber beklagt dies. Hat denn er seinen Auftrag als Abgeordneter richtig verstanden? Es geht in diesem Fall zuvorderst um sparsamen Umgang mit öffentlichem Geld sowie um Daseinsvorsorge für alle Hamburger, nicht um Protektion des Handwerks. Nur zwei Seiten zuvor in der Samstagsausgabe kann Herr Kleibauer zum Fall der Firma Kock & Sack nachlesen, wie zwingend und gut es ist, dass ein Unternehmen zeitgemäße Antworten auf sich wandelnde Anforderungen findet.

Wolfgang Jurksch, Hamburg

Höchst subjektiver Ansatz

seit 31. August: Serie: Hamburgs bester Stadtteil

Mit Kritik durfte bei diesem höchst subjektiven Ansatz der Serie „Hamburgs schönster Stadtteil“ naturgemäß gerechnet werden. Vielleicht hätte man den subjektiven Charakter durch eine andere Formulierung deutlich machen sollen z.B.: „Warum der Stadtteil, in dem ich wohne, für mich der schönste ist – eine Serie unserer Redakteure.“ Im Übrigen wird die Abgrenzung des Bereichs, in dem man sich eben so heimisch fühlt, nicht durch verwaltungsmäßige Grenzen eines Stadtteils definiert. So leben meine Frau und ich seit 1974 in Marmstorf und finden diesen Stadtteil sehr viel liebenswerter als Harvestehude, wo wir vorher gewohnt haben und ich groß geworden bin. Aber eigentlich ist es ein Gebiet, dass den alten Kern von Marmstorf umfasst mit seinem einmaligen dörflichen Charakter, u.a. durch sechs noch vorhandene reetgedeckte Bauernhäuser, den Feuerteich, der alljährlich im Januar Austragungsort der Teichwette ist, aber auch dem daran angrenzenden Appelbütteler Tal mit seinen dem Alpenvorland ähnlichen Rinderweiden. Dazu gehören aber auch Teile von Sinstorf und Langenbek. Der Nordwestteil Marmstorfs hat dagegen mit seiner Mietshausbebauung der fünfziger Jahre wenig gemeinsam mit dem, was wir als unser Marmstorf empfinden. Ich denke, dass es in anderen Stadtteilen ähnlich ist. Besonders deutlich wird uns das jedes Mal, wenn wir durch den angrenzenden Stadtpark mit dem wunderschönen Außenmühlenteich nach Harburg gehen, wie dicht unterschiedliche Lebenswelten in Hamburg zu finden sind. Dabei wird einem auch bewusst, dass es einen objektiv schönsten Stadtteil nicht geben kann, weil die Menschen unterschiedlich sind.

Jürgen Schmidt

Tempolimit ist überfällig

7. Oktober: Kulturkampf gegen das Auto. Die Grünen machen konkrete Vorschläge zum Klimaschutz

Die Diskussion für ein Tempolimit auf bundeseigenen Autobahnen gibt es doch bereits seit Jahrzehnten und zwar völlig unabhängig von der Klimadebatte, die erst jetzt im Fokus steht. Es geht doch in erster Linie um Sicherheit im Verkehr und um eine Reduzierung der vielen Verkehrstoten. An dieser Ausgangsüberlegung hat sich nichts geändert, auch nicht durch die Klimadebatte. Insofern ist ein Tempolimit eine überfällige und vernünftige Maßnahme. Wenn dabei nun auch der CO2-Ausstoß um einiges reduziert wird, so kann man das als willkommenen Zusatzeffekt betrachten. Unter den gegebenen Verhältnissen, wie hohes Verkehrsaufkommen und notwendige Reparaturmaßnahmen, sprich Baustellen auf den Autobahnen kann ohnehin niemand auf lange Strecken eine größere Durchschnittsgeschwindigkeit als 130 Stundenkilometer erreichen, und das völlig unabhängig von der Motorisierung seines Wagens. Ich hoffe, die Abstimmung für eine Geschwindigkeitsbegrenzung wird eine Mehrheit im Bundestag finden. Die Aussage von Verkehrsminister Andreas Scheuer dass sich „eine Geschwindigkeitsbegrenzung gegen jeden Menschenverstand“ richtet, kann man nur als puren Unfug bezeichnen.

Ekkehard Below