Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. Oktober 2019

Das kann ich nicht verstehen!

1. Oktober: BUND kritisiert Planung der U5. Naturschützer bemängeln, Stadtbahn sei als Alternative nicht genug geprüft worden

In der letzten Woche war ich für einige Tage in Frankfurt/Main und konnte feststellen, wie entspannt und sicher die Stadtbahn durch die Innenstadt fuhr. Es handelt sich um moderne Wagen, die viele Passagiere befördern können. Wenn ich die stressigen Situationen sehe, die unsere Busfahrer täglich erleben müssen, mit inzwischen sehr vielen Unfällen (einmal bin ich selbst sehr schwer bei einer Vollbremsung verletzt worden), kann ich wirklich überhaupt nicht verstehen, dass die Stadt sich nicht für die Stadtbahn entscheiden kann. Die Busse müssen gegen den Gesamtverkehr (rücksichtslose Rad-, Auto- und inzwischen sogar Scooter-Fahrer und Fußgänger) ankämpfen. Die Stadtbahn wäre auf ihren Schienen allein unterwegs. Auch wenn ich keine Ingenieurin bin, sagt mir allein die Logik, dass die Planung und Einführung einer Stadtbahn viel weniger Kosten und eine viel geringere Umweltbelastung verursachen würde, als die einer U-Bahn. Dies sollte doch ein wichtiger Punkt sein! Ich freue mich sehr, dass der BUND hartnäckig seine Einwände gegen die Planung des ersten Abschnitts eingereicht hat und frage mich immer wieder, warum der Hamburger Senat sich ebenso hartnäckig dagegen stemmt. Warum zeigen sich die Grünen irritiert, „dass ein Naturschutzverband sich gegen den ÖPNV-Ausbau durch eine U-Bahn stellt“? Gerade die Grünen sollten doch für und nicht gegen die Umwelt sein. Und wenn ich lese, dass die Planer „nicht wirklich vernünftige Alternativen geprüft hätten“, dann sollten sie dies spätestens jetzt tun. Ich kann einfach nicht verstehen, dass eine Stadtbahn, die so viel schneller und kostengünstiger eingeführt werden könnte, für die Planer überhaupt nicht in Frage kommt. Es wäre an der Zeit, dass Befindlichkeiten der einzelnen Parteien und Politiker bei solchen Planungen keinen Einfluss mehr haben.

Karin Schramm

Deutschland als Vorreiter

2./3. Oktober: Michael Otto: ,Schluss mit der Wegwerfgesellschaft‘

Es ist sehr zu begrüßen, dass Dr. Michael Otto als gestandene und geachtete Persönlichkeit des öffentlichen Lebens den Mut hat und die Chance erhält, im Abendblatt zum Klimawandel Stellung zu nehmen und die Politik deutlich zu kritisieren. Vielleicht hilft das den Menschen, die Brisanz der Lage zu erkennen. Eine höhere CO2-Bepreisung als die jetzt beschlossene wäre unweigerlich eine wichtige Stellschraube, um beim CO2-Ausstoß Lenkungswirkung zu haben. Schnell wirksam wären aber auch ein Tempolimit, um die Luft schlagartig zu verbessern, eine höhere Besteuerung der PKW nach CO2-Ausstoß, die Abschaffung der steuerlichen Begünstigung von Dieselfahrzeugen und Dieselkraftstoff, eine Kerosinsteuer, die Abschaffung der Subventionen für klimaschädliche Produkte und ein Verbot der milliardenfach produzierten Coffee-to-go-Becher und unnötiger Plastikverpackungen. Als Vorreiter könnte Deutschland sogar andere Länder ermutigen, ihrerseits Maßnahmen für den Klimaschutz zu ergreifen. Sehr richtig weist Herr Dr. Otto darauf hin, dass klimabedingte größere Verwüstungen bewohnter Gebiete auf der Erde schon bald bislang nicht vorstellbare Flüchtlingsströme mit all ihren Verteilungskämpfen auslösen werden. Da sind die oben genannten Maßnahmen für uns sicher das kleinere Übel.

Andreas Kirchner

Ist alles ein frommer Wunsch?

Es ist schon erstaunlich, wie schnell viele auf den „Grünen Zug“ aufspringen. Unsere Bundesregierung, mit der Klimakanzlerin an der Spitze, findet eine geniale Möglichkeit, wie man dem Klima helfen kann. Man führt eine CO2-Steuer ein und wie von Geisterhand ist die schlechte Luft gar keine mehr. Nur Steuer konnte man das Ganze nicht nennen, denn man versprach ja keine neuen Steuern. „Bepreisung“ ist doch dann eine unverfängliche Bezeichnung. Dann merkt keiner mehr, dass es im Hintergrund doch eine Steuer ist. Nur, was bringt das alles? Wo Steuergelder verschwinden, weiß heute auch keiner so wirklich. Den Industrieunternehmen werden Zertifikate verkauft, anschließend können diese wie gewohnt so weiter machen. Eine Reduzierung der Abgase ist dann nur ein frommer Wunsch. Die Autobranche betrügt weiterhin mit nicht ausreichender Technik. Von dem Gesetzgeber gibt es keine Vorgaben, analog die Maschinerie zu verbessern. Es wird nur ein Update installiert, das letztendlich gar nichts bringt. Hier braucht man ja nur am Computer ein wenig „arbeiten“. Das macht heute jeder auf dem Mobiltelefon auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn oder im Bus (oder im fahrenden Auto).

Helmut Marx