Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. Oktober 2019

Drei Stunden Wartezeit

2./3. Oktober: Notfälle: Das ist neu am UKE. Wie Hamburgs große Klinik die Wartezeiten für ihre Patienten von sofort an vermindern will

Es ist zu begrüßen, dass die Notfälle klassifiziert und gegebenenfalls der Notfallpraxis zugeordnet werden. Wir haben in der Notfallaufnahme des HeidbergKrankenhaus erlebt, dass wir trotz Einweisung des Ohrenarztes die ganze Prozedur in der Notfallaufnahme durchmachen mussten, mit einer Wartezeit von drei Stunden in einem gesundheitlich schlechten Zustand. Wir waren am Montag beim Hausarzt, da der Ohrenarzt geschlossen hatte. Das Antibiotikum des Hausarztes hatte nicht gewirkt, so haben wir am Dienstag Nachmittag den Ohrenarzt aufgesucht, der sofort eine Krankenhauseinweisung ausgestellt hatte. Wenn man trotz Einweisung durch die Notfallaufnahme muss, kann man sich die Arztbesuche gleich ersparen und direkt zur Notfallaufnahme gehen. Es scheint ja so, dass die Notfallambulanz die Kompetenz der niedergelassenen Ärzte bezweifelt. So bekommt man die Fälle in der Notaufnahme in allen Krankenhäusern nicht reduziert.

Familie Blume

Vorteil: Europäische Standards

2./3. Oktober: Michael Otto klagt Regierung an: Klimapaket viel zu mutlos. Hamburgs Ehrenbürger fordert im Abendblatt deutlich höheren CO2-Preis – und als Ausgleich ein Bürgergeld für alle

Ich finde es klasse, dass Herr Otto sich für nachhaltigere Baumwollproduktion und synthetische Kraftstoffe einsetzt. Der Ansatz, Deutschland soll durch erhöhte CO2-Reduktion Vorbildcharakter haben, ist eine starke Meinung. In der Vergangenheit haben erhöhte Umwelt- und Arbeitsschutzanforderungen zu einer starken Produktionsverlagerung ins Ausland geführt. Man nannte das freundlich „Globalisierung“. Könnte Herr Otto sich denn auch vorstellen mit seinem Konzern und seiner Einkaufsmacht Vorbildcharakter für andere zu sein, indem Otto nur noch Waren verkauft, welche nach europäischen Standards hinsichtlich Umwelt- und Arbeitsschutz weltweit produziert werden? Das ist meines Wissens immer noch nicht Standard. Verbindliche Gesetze dazu könnten, viel mehr zum Umweltschutz beitragen als jedes Klimapaket.

Udo Kellermann, Pinneberg

Vegetation niedrig halten

1. Oktober: Bahn-Fernverkehr im Norden bricht zusammen. Bäume umgestürzt, Straßen überflutet, Lastzug umgeworfen – die Sturm-Bilanz

Ich begreife nicht, warum nicht längst bundesweit einheitlich und massiv gegen dieses seit Jahren immer wieder auftretende Phänomen vorgegangen wird. Es sind immer wieder vornehmlich umgestürzte Bäume entlang der Bahnstrecken, die auf Oberleitungen oder Gleise fallen und so den Bahnverkehr zum Erliegen bringen. Wirksame und nachhaltige Abhilfe dagegen besteht darin, in einem beidseitig durchgehenden Streifen entlang der Strecken dafür zu sorgen, dass die Vegetation so niedrig gehalten wird, dass sie beim Abbrechen von Ästen oder gar beim Umstürzen ganzer Bäume nicht die Fahrtstrecke beschädigen bzw. blockieren kann. Dazu müssen halt nötigenfalls große Bäume gestutzt oder gefällt werden, und das kann man ja auch vielleicht bundesweit einheitlich regeln, nicht wahr? Meinetwegen soll man die Verantwortlichen zu entsprechenden Ersatzpflanzungen an geeigneten Stellen verpflichten. Bei den Bundesautobahnen scheint das ja auch zu funktionieren.

Dr. Hubertus Swaczyna

Verlässlichkeit erhöhen

Die Sturmbilanz bei der Bahn ist katastrophal. Ausfälle durch umgestürzte Bäume und Astbruch gehören dringend abgeschafft. Entlang sämtlicher Bahnstrecken sollten in absehbarer Zeit Sträucher und Bäume eingekürzt werden, um Zerstörungen auf Gleiskörpern zu verhindern. Die Anrainer (privat oder staatlich) sind zum Ausholzen gesetzlich verpflichtet. Bei Nichtbeachtung der Schadensabwehr werden die Kosten auf die Eigentümer umgelegt. Nur durch konsequentes Handeln, bei immer wiederkehrenden Wetterkapriolen, kann die Bahn durch strenge Maßnahmen für mehr Sicherheit und Verlässlichkeit sorgen.

Hans Humpke, Hamburg

Stammhaus wird aufgegeben

1. Oktober: Springer stellt „Welt Hamburg“ und „Welt Kompakt“ ein

Ein bitterer Schlag für Deutschlands einstige Medienhauptstadt Hamburg. Der Abstieg nach der Wiedervereinigung offenbar unaufhaltsam. Wenn man die bittere Konsequenz des Verlustes von 14 Redakteursstellen und zusätzlichen freien Mitarbeitern ins Auge fasst, bedeutet das nun wohl auch die endgültige Aufgabe des offenbar schon verkauften Stammhauses am Axel-Springer-Platz, für dessen Benennung ich einst als Bürgerschaftsabgeordneter auch gegen den teilweisen Widerstand aus der eigenen Partei eingetreten bin. Da mutet die Bezeichnung der Bauten im „Springer-Quartier“ eher als wehmütiger Rückgriff in die Mediengeschichte an.

Peter Schmidt

Neue Form von Egoismus

1. Oktober: Der große Streit um eine kleine autofreie Zone. Das Projekt in Ottensen spaltet das Viertel

Es ist ja nett, wenn sich die Wähler der Grünen in Ottensen über ein autofreies Quartier freuen. Allerdings kann man es auch als asoziales Verhalten betrachten, wenn die Autobesitzer aus diesem kleinen Paradies alternativ einen Stellplatz im weniger wertigem Nachbarquartier suchen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich überall darüber freut, wenn man sich auf dem Rücken der angrenzenden Wohnquartiere saniert. Das scheint doch auch eine Form von neuem Egoismus zu sein.

Christiane Dornecker

Bild der Geschichte verzerrt

12. September: Hamburg-LIVE: Politische Gangsterballade. Ewelina Marciniak inszeniert den Roman „Der Boxer“ im Thalia in der Gaußstraße

Die Autorin stellt in dem Artikel zur Inszenierung des Romans von Szczepan Twardoch über Warschau in der Zwischenkriegszeit fest: „Erst gibt es kleine Diskriminierungen, am Ende steht die – von Deutschen organisierte, von Polen ausgeführte – Vernichtung (…)“ Besonders in diesem Jahr, etwa zwei Wochen nach dem 80. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen und Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges ist es verwunderlich und besorgniserregend, dass Nazis und Polen gleichgeordnet genannt werden. Das verzerrt das Bild der Geschichte. Ja, es gab in der Zeit der deutschen Besatzung manche Polen, die Juden verraten oder sogar umgebracht haben. Dennoch war Polen als Staat und Nation am Holocaust nicht beteiligt. Die Vernichtungsmaschinerie (Ghettos, Konzentrationslager) wurde auf dem – durch Deutschland – damals besetzten polnischen Gebiet errichtet und von den Deutschen betrieben. Des weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass Polen das erste und verhältnismäßig größte Opfer des Zweiten Weltkrieges war. Zwischen 1939 und 1945 kamen ca. sechs Millionen polnische Staatsbürger ums Leben. Unter ihnen waren: 5.700.000 Zivilisten, darunter 3.000.000 polnische Staatsbürger jüdischer Herkunft. Die Polen, z.B. Jan Karski haben die westlichen Staaten über den Holocaust informiert, dennoch um eine Intervention vergeblich gefleht. Dank polnischer Diplomaten, der sogenannten Ładoś-Gruppe, erhielten 8.000 bis 10.000 Juden gefälschte Pässe. Auf der Basis von diesen Identitätsdokumenten konnten Tausende dem Holocaust entkommen.

Mariusz Pindel,

Konsul der Republik Polen in Hamburg

Langweilig und trostlos

2./3. Oktober: Hamburgs größtes Hotel – an den Elbbrücken

Wie zu Erwarten wird nun ein Hochhaus (Elbtower) neben dem anderen an den Elbbrücken gebaut werden. Wenn Hamburg sich auch in dieser Hinsicht zur Weltstadt weiterentwickelt, warum dann so ein langweiliges und trostloses Gebäude? Von „gmp Architekten“ ist man doch besseres gewohnt. Warum nicht etwas Spektakuläres? Lassen das die Hotelbetreiber nicht zu?

Anette Engelhardt, Hamburg