Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Oktober 2019

Bauzeit völlig inakzeptabel

1. Oktober: Brückenpfeiler marode – Hochbahn sperrt U 3 in der City 14 Monate lang. Die Baumaßnahme startet frühestens im September 2020. Es soll kein Busersatzverkehr eingerichtet werden

Das ist völlig inakzeptabel. Es muss möglich sein, eine so kurze Strecke in viele kürzerer Zeit umzubauen. Macht die Hochbahn jetzt die S-Bahn nach? Wir brauchen kein zweites Pannenunternehmen im Öffentlichen Nahverkehr.

Wieland Schinnenburg

Akkus nachrüsten

1. Oktober: Bahn-Fernverkehr im Norden bricht zusammen. Bäume umgestürzt, Straßen überflutet, Lastzug umgeworfen – die Sturm-Bilanz

Derzeit führt eine Oberleitungsstörung, die bei Stürmen nahezu regelmäßig vorkommt, immer zum Stillstand des Zuges mit enormen Folgen für die Fahrgäste und den gesamten Betrieb. Notwendig ist, dass die elektrisch betriebenen Züge mit Akkus versehen werden, die während der normalen Fahrt nachgeladen werden. So könnte man Strecken ohne, oder mit beschädigter Oberleitung, überbrücken. Eine Nachrüstung müsste doch auch bei bereits in Betrieb befindlichen Zügen möglich sein.

Michael Rothschuh

Freiwild Fußgänger

1. Oktober: Der große Streit um eine kleine autofreie Zone. Das Projekt in Ottensen spaltet das Viertel?

Ich erlebe das aus einer ganz anderen Perspektive: Als Fußgänger, der sich nur ab und zu in Ottensen aufhält, habe ich den Eindruck, dass unsereins seit Einführung der Autofreiheit zum Freiwild geworden ist. Nicht nur die Überquerung der Ottenser Hauptstraße ist durch die Abschaffung der Zebrastreifen lebensgefährlich geworden. Auch in der Fußgängerzone vor dem Mercado lassen viele Radfahrer inzwischen alle Hemmungen fallen. Ich meide diesen Bereich inzwischen, so weit es mir möglich ist.

Kay Schulz, Altona-Nord

Realitätssinn verloren

1. Oktober: Der rote Riese China wankt

Der Artikel zum 75. Jahrestag der VR China war bebildert mit dem unvermeidlichen Hongkong-Foto nebst Text, nach dem die Demonstranten dort um den Erhalt der demokratischen Rechte fürchten. Dies ist ja nicht der Fall: In Hongkong hat es zu keinem Zeitpunkt jemals eine Demokratie gegeben, als Kronkolonie Englands nicht, und wer nun erwartet, dass es ausgerechnet nach Rückgabe an China, als chinesisches Territorium, dort eine Demokratie geben müsste, hat den Realitätsbezug komplett verloren.

Hans-Peter Stelter, Hamburg

Das war ein Genuss!

28./29. September: Ein Land rutscht nach links. Das ist vor allem für die Rechtspopulisten eine gute Nachricht – und sollte allen Demokraten Warnung sein und Leserbrief der Woche: Mehr Respekt, bitte

Ich habe ein paar Tage gezögert, aber jetzt muss ich es doch noch loswerden: Die Seite zwei am vergangenen Wochenende war eine Sternstunde! „Ein Land rutscht nach links“ von Matthias Iken und daneben der kluge Kommentar des Lesers Dr. Holzmüller – das war ein Genuss und ein fulminanter Start ins Wochenende. Es gibt sie also doch noch – die Vernunft! Möge sich diese klare Sicht ihre Bahn brechen in der deutschen Journalistik und Medien. Es ist der etwas kranke und verkrampfte „Mainstream“, der unserer Gesellschaft schadet.

Alfred Spohr, Norderstedt

Einmalige Rentenkürzung

30. September: Sozialminister Heil will sprunghaften Rentenanstieg verhindern

Erinnern wir uns, die aktuelle Rentensystematik wurde nicht nur auf den Weg gebracht, um das damals aktuelle Rentenniveau auf nunmehr knapp 48 Prozent deutlich zu senken, sondern auch um zukünftig stärkere Steigerungen zu verhindern, außer in Jahren starken Wirtschaftswachstums. Diese Systematik ist so effektiv, dass sogar trotz aktuell hohem Wirtschaftswachstums dieses Rentenniveau gefährdet ist und ohne Gegenmaßnahmen weiter zu sinken droht. Grund dafür waren letztlich auch die Finanzierung vieler sachfremder Leistungen aus der Rentenkasse seit Helmut Schmidt. Angeblich nur die Effekte der regelmäßigen Statistikkorrekturen vorwegzunehmen und die Erhöhung auf zwei Jahre zu verteilen, also den Rentnern für ein Jahr die ihnen zustehende Rentenerhöhung zu halbieren, das ist eine einmalige Rentenkürzung. Weiterhin will Heil aber zukünftig bei der Rentensystematik die Nachjustierung auf Basis der Daten der „beitragspflichtigen Entgelte“, die offenkundig immer sehr viel später verfügbar sind, ausfallen lassen. Dies funktioniert nur, wenn man auf die Einbeziehung vorgenannter Daten zum bisherigen Termin verzichten will, was offenkundig nicht geplant ist, oder wenn man die jeweiligen Erhöhungen signifikant verschiebt bis diese Daten verfügbar und ausgewertet sind. Das würde aber eine deutlich spätere Rentenerhöhung bedeuten, also regelmäßig eine reale Rentensenkung im Verhältnis zur aktuellen Systematik. Vielleicht genug, um im Widerspruch zu bisherigen Aussagen von Heil die Grundrente doch zumindest teilweise direkt oder indirekt aus den Rentenkassen zu finanzieren?

Michael Bröker

Klimaschutz reicht nicht

30. September: „Jetzt ist es raus, jetzt gibt es kein Zurück mehr“. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Katharina Fegebank, erklärt erstmals, dass sie Hamburgs Bürgermeisterin werden will – und warum

Frau Fegebank ist in meinen Augen durchaus eine geeignete Bürgermeisterkandidatin. Ich glaube aber, dass sie für viele Hamburger erst dann wählbar wird, wenn sie sich neben dem Klimaschutz auch glaubwürdig für die Sicherheit und Gerechtigkeit in unserer Stadt einsetzt. Hier gibt es sicherlich noch erheblichen Korrekturbedarf im „Regierungsprogramm“ der Grünen.

Dieter Buchholz, Hamburg

Venedig öffnet das Herz

28./29. September: Venedig, der Irrsinn und wir. Klimawandel, Kolonialismus, Konsum: Die Biennale thematisiert drinnen, was draußen passiert

Leider muss ich Herrn Schumacher zum Thema Venedig im Großen und Ganzen recht geben. Aber mein Mann und ich haben Venedig vor drei Wochen wieder auf diese unbeschreiblich Weise genossen, die mir einfach das Herz öffnet: Am frühen Vormittag mit einem fast menschenleeren Bus zur Anlegestelle, dann mit dem Schiff Richtung San Marco, Sonnenschein, dann nach 20 Minuten diese „Skyline“, und die Alpen immer im Hintergrund. Angenehm wenige Touristen, kein Kreuzfahrtschiff, einheimische Mitarbeiter, die Müll und Hotelwäsche entsorgen, Proviant liefern, sich durchkämpfen an den vielen Brücken und sich dabei immer freundlich Platz verschaffen. Der Wochen- und Fischmarkt, der gut gekühlte „Ombre“, eine Kleinigkeit zum Essen und der unvermeidliche Blick vom Ponte dell’Academia auf den Canale Grande. Und unglaublich nette Menschen. Scheuklappen habe ich natürlich nicht, aber „mein“ Venedig gibt es auch. Wer weiß, wie lange noch.

Beate Boeck

Unsicherheiten des Torwarts

30. September: Ein kleiner Warnschuss. HSV spielt beim 2:2 in Regensburg phasenweise so schlecht wie noch nie in dieser Saison. Hecking bleibt gelassen

Wenn Herr Hecking keine Torwartdiskussion möchte, kann man das verstehen. Die Torwartposition wechselt man nicht ungestraft alle zwei Wochen. Nicht verstehen kann man aber, dass die Unsicherheiten des neuen HSV-Torwarts bei Flanken in den Strafraum schon seit dem ersten Spiel in dieser Saison auffallen und sich munter fortsetzen. Das kann man natürlich trainieren, denn so viele Tore wird der HSV nicht immer schießen, um diese „Eigentore“ auszugleichen. Zumal sich diese Unsicherheiten irgendwann auf das Spiel übertragen oder die Gegner sich hierauf einstellen werden.

Claus Klindworth