Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 26. September 2019

Ideologische Diskussion

25. September: Grüne fordern: Wählen ab 14, Parken verteuern, Cannabis legalisieren. Partei stellt Hamburger ,Regierungsprogramm‘ für 2020 vor

Dank Freifahrtschein von Klima-Greta glauben die Ökofreaks jetzt mit dieser Stadt machen zu können, was sie wollen, und wir sollen das bezahlen. Das sich Justiz und Polizei heute noch mit Kiffern beschäftigen müssen, halte ich auch für unsinnig, solange es an jeder Ecke Flachmänner zu kaufen gibt. Das zu ändern kostet kein Geld, sondern wäre eine große Ersparnis. Alle anderen Pläne kosten allerdings Milliarden, die bei dem drohenden Weltuntergang besser in Deichbau und Sicherung der Grundwasserreservoirs angelegt werden sollten. Die Menschheit wird auf zehn Milliarden anwachsen, und es sind weltweit allein 1400 Kohlekraftwerke in Bau oder Planung. Insofern ist es klimatechnisch völlig irrelevant, was wir hier noch tun oder lassen. Dies ist eine rein ideologisch geführte Diskussion, glaube kaum, dass die Grünen die Straßen wieder freigeben, wenn wir morgen alle Wasserstoffautos fahren würden.

Armin Dreyer

Angebote auch für Senioren

25. September: Mehr ,Aufstiegs-Bafög‘ für Fortbildung. Lebenslanges Lernen wird in Zeiten des digitalen Wandels immer wichtiger

Wichtig ist aber auch, dass es für alle Zielgruppen bis 100+ ermöglicht wird und bezahlbar bleibt. Politische Programme für digitale Bildung hören oft bei Menschen 65+ auf oder sie kosten Geld, die sich gerade altersarme Menschen nicht leisten können. Was aber noch schlimmer ist, dass jetzt ganz versteckt Bildungsangebote, die nicht berufsbegleitend sind, von der Steuerbefreiung ausgenommen werden. Das bedeutet, dass Bildungsangebote auch der Volkshochschulen und Senioren Clubs, teurer werden. Die digitale Welt darf nicht zur weiteren Spaltung beitragen, wir als Gesellschaft müssen alle mitnehmen und passende Angebote machen.

Dagmar Hirche,

Wege aus der Einsamkeit e.V.

In Peking geht das schneller...

25. September: Alles neu am Schwanenwik – fünf Jahre Bauzeit. Kreuzung an der Alster wird umgestaltet. Für Radfahrer und Fußgänger sind deutliche Verbesserungen geplant. Aber 86 Bäume werden dafür gefällt

In Peking wird der größte Flughafen der Welt nach nur vier Jahren Bauzeit eingeweiht. Und in der Staustadt Hamburg wird für den Umbau einer einzigen mittelgroßen Kreuzung mit einer Bauzeit von fünf Jahren geplant. Eine solche Planung macht deutlich, warum Hamburger Autofahrer ständig im Stau stehen. Um Straßenbaumaßnahmen zu beschleunigen, könnte vielleicht externes Fachwissen hilfreich sein.

Joachim Tappe

Die Energiewende macht Spaß

21./22. September: Hamburg, das war groß! Bis zu 100.000 Teilnehmer bei ,Fridays for Future‘ in der City

Es ist großartig zu sehen, dass in Hamburg 100.000 Menschen für die Energie- und Verkehrswende auf die Straße gehen und demonstrieren. Wichtigste Botschaft ist: „Don’t talk, act!“. Das Gute an der Energiewende ist, dass jeder kann, wenn er möchte. Die Zeiten von 500 Megawatt Kraftwerken sind hoffentlich bald vorbei. Die negativen Konsequenzen von Garzweiler, Tschernobyl, Harrisburg, Fukushima u.v.m. werden wir alle noch lange zu schultern haben. Interessant und gleichzeitig enttäuschend ist, wie vielfältig die Ausreden sind, die man zu hören bekommt, wenn man in seinem Umfeld nachfragt, welchen konkreten Beitrag er leisten möchte. Ohne die Ausreden alle aufzuzählen, möchte ich mit einem Argument aufräumen: „Ökologische Energiegewinnung ist schön, aber ich kann es mir nicht leisten“. Dies stimmt definitiv nicht und reiht sich ein in die endlose Liste von Argumenten, sein Nichtstun zu entschuldigen. Wir haben seit Anfang des Jahres ein E-Auto und brauchen hierfür ca. 2000 kWh Strom mehr als sonst, dafür kein Benzin bzw. Diesel. Als nächsten konsequenten Schritt haben wir auf unserem Dach eine zehn kW Peak Photovoltaik-Anlage zusammen mit einer Speicherbatterie installiert. Damit sind wir nach 53 Lebensjahren nicht mehr nur Energieverbraucher, sondern selbst auch Erzeuger der höchstwertigen Energieform: Strom. Und diesen erzeugen wir lautlos, regenerativ und erzielen damit eine fast autarke, rein auf Sonnenstrom basierende Energieversorgung der Familie, inklusive der für uns notwendigen Mobilität. Die Kosten der Gesamtanlage werden über zehn Jahre mit einen KfW-Kredit getilgt. Dem steht eine Stromkostenersparnis von 2100 Euro entgegen. Wer ein Dach hat, über das er hinsichtlich der Installation einer PV-Anlage verfügen kann, sollte lieber gestern als heute mit der Planung und Umsetzung beginnen. Seit Inbetriebnahme am ersten Juli haben wir bereits 1,3 MWh Sonnenstrom erzeugt, davon 890 kWh selbst verbraucht, den Überschuss für elf Cent/kWh ins Netz eingespeist und damit auch schon ein paar Bierchen verdient. Wenn ich täglich mit meinem E-Bike 12 km zur Arbeit fahre, sehe ich keine Dächer mit PV-Anlagen. Meine Schätzung: Vielleicht ein Dach von 1000. Da sind sicher noch viele Dächer dabei, die zur Erzeugung von Ökostrom genutzt werden können. Die Energiewende bringt auch Spaß: Sei es der tägliche Blick auf die App, die den erzeugten Sonnenstrom anzeigt, sei es das fantastische Fahrgefühl mit dem neuen E-Auto.

Dr. Robert Buchholz

Zu wenig Studienplätze

25. September: Hamburg baut 44 neue Schulen. Schulsenator Ties Rabe (SPD) legt geänderten Schulentwicklungsplan vor. Baukosten: mehr als vier Milliarden Euro

Super, neue Schulen werden geplant. Klar, werden wir brauchen, so wie die Bevölkerungsentwicklung dieser wachsenden Stadt zurzeit aussieht. Statt 19.000 Geburten jetzt schon 25.000, es mangelt schon an Hebammen in den Krankenhäusern, Kitaplätze und Kinderärzte fehlen. Von Lehrerinnen und Lehrern ganz zu schweigen. Und was passiert an der Uni? Junge Menschen werden abgelehnt, weil es zu wenig Studienplätze für Lehramt gibt und dazu sind es illusorische NCs für die Fächer. Es fehlen andere und bessere Auswahlkriterien für das Fach Lehramt wie z.B. Praktikaerfahrungen oder Tests. Da gibt es doch andere Möglichkeiten als nur die Abschlussnote, die wenig über die Interessen und Möglichkeiten des jungen Menschen aussagt. Wo sollen denn die Lehrerinnen und Lehrer herkommen?

Kerstin Fischer-Wienert

Keine neuen Berufsschulen?

44 neue Schulen in Hamburg: Grundschulen, Stadtteilschulen, Gymnasien, wunderbar. Keine neuen Berufsschulen? Wird die Lehre in Hamburg abgeschafft? Oder wird nur noch studiert?

Ilse Müller, Rissen

Politischer Paukenschlag

25. September: Wird der Brexit abgesagt? Die Zwangspause des britischen Parlaments ist rechtswidrig, so das oberste Gericht. Doch Premier Johnson plant schon den nächsten Coup

Ein Paukenschlag für die Politik der Briten, und eine vernichtende Niederlage für Johnson. Kein Wunder, wenn Johnson erklärt, dass er überhaupt nicht mit dem Urteil der Richter einverstanden ist. Alles vor dem Hintergrund, dass alle elf Richter für das Urteil gegen Johnson entschieden haben. Auch wenn in London Politiker verkünden, dass es wahrscheinlich einen solchen Fall nie wieder geben wird, muss man sich fragen: Wie konnte Johnson überhaupt eine solche Zwangspause einleiten, in einem demokratischen, königlichen Großbritannien? Parlamente sollten in einer Demokratie niemals zum Schweigen gebracht werden. Wenn alle elf Richter ein Urteil gegen Johnson gefällt haben, so dürfte es bereits vorher absehbar gewesen sein, wie dieses Urteil ausfallen wird. Sowohl Johnson, als auch die Königin, hätten hier entsprechend reagieren müssen. Trotzdem hat sie dem undemokratischen Verhalten von Johnson entsprochen. Leider. Man mag sich kaum vorstellen, wie es Großbritannien mit einem Brexit wirtschaftlich, politisch, und sozial gehen wird, für alle Briten.

Dirk Wanke