Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. September 2019

Silvesterknallerei verbieten?

21./22. September: Hamburg, das war groß! Bis zu 100.000 Teilnehmer bei ,Fridays for Future‘ in der City. Hansestadt erlebt Demonstration, wie es sie in ihrer Geschichte so noch nie gab

Was ist eigentlich aus der Debatte um die sinnlose Silvesterknallerei geworden? Hier gab es zwar am Anfang des Jahres mal eine kurze Diskussion, aber seitdem ist es wieder ganz still darum geworden. Vermutlich hat die Herstellerlobby bereits ganze Arbeit geleistet. Eine weitere sinnlose Veranstaltung ist die Formel 1. Ein gigantischer CO2-Produzent. Und damit meine ich natürlich nicht nur das eigentliche im Kreis fahren, sondern die gigantische Logistik die dahinter steckt.

Holger Karstens, Hamburg-Ottensen

Da stimmt was nicht...

Wenn man diese Menschenmassen sieht, die für ein besseres Klima auf die Straße gehen, sollte man meinen, dass diese Menschen auch eigenverantwortlich handeln und ihre eigene kleine Welt in Ordnung halten. Wenn man aber sieht, dass in Hamburg ca. eine halbe Million Menschen zu den Cruise Days im Hamburger Hafen gehen, um den extrem umweltverschmutzenden Riesenpötten zuzujubeln, zu den „Fridays-for-future-Demos“ aber nur ca. 100.000 in die Hamburger City kommen, dann kann doch irgendetwas nicht stimmen.

Michael Liedtke

Neutral berichten

Wie groß wollen Sie „groß“ eigentlich schreiben, wenn beim nächsten Schlagermove wieder 350.000 Menschen auf die Reeperbahn kommen. Der CSD hat in diesem Jahr 240.000 Menschen auf die Beine gebracht. Wie viele Menschen zu den Cruise Days gekommen sind, davon schweigen wir. Wenn alle, vielleicht 100.000 Menschen zur Demo „Fridays for Future“ aus Hamburg waren, was nicht realistisch ist, dann waren es eben weniger als 90 Prozent. Ein Zweitligaverein wie der HSV aktiviert jede Woche ca. 50.000 Anhänger. Eine seriöse Tageszeitung sollte in der Lage sein, neutral zu berichten und nicht Meinung zu machen. Demokratie bedeutet die Herrschaft der Mehrheit. Es kann nicht sein, dass lautstarke Minderheiten unterstützt durch Medien entscheiden, wie es in Deutschland weitergeht.

Horst-Dieter Jannek

Bahn total überlastet

Am Freitag konnten wir schon mal eindrucksvoll erleben, wie es sein wird, wenn die Autos zu schnell aus den Städten verbannt werden: Ein Chaos durch Überlastung, dem die Bahnen so nicht gewachsen sind. Natürlich ist es notwendig, dass wir eine Änderung in der Mobilität brauchen, d.h. den Individualverkehr in den Innenstädten massiv einschränken. Aber dann bitte nicht zuerst das Autofahren unbequem machen und verteufeln, sondern sofort damit beginnen, deutlich mehr als bisher in die Erweiterung der Kapazität und in die Verbesserung der Qualität und Zuverlässigkeit der Bahnsysteme zu investieren.

Peter Lauritzen

Fangt bei euch selbst an

Ich bin verwundert. Da laufen mehrere tausend Menschen durch die Stadt und fordern, dass „die Politik“ dringend „etwas machen“ muss. Bisher war ich der Ansicht, dass die Menschheit an sich „etwas machen“ oder besser, vieles lassen muss, damit es positive Auswirkungen auf das Klima hat. Dass also jeder einzelne Bürger bei sich anfängt, sein Verhalten zu ändern. Wenn ich die Jugendlichen und ihre erwachsenen Begleiter jedoch richtig verstanden habe, dann fordern sie von der Politik, ihnen etwas zu verbieten, von dem sie freiwillig nicht lassen mögen. Bin ich zu naiv, dass ich diesen Widerspruch zu einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft nicht verstehe?

Andreas Kaluzny

Die Natur will Resultate sehen

21./22. September: Demokratie gilt auch im Klimanotstand. In Zeiten des Treibhauseffektes muss die Gesellschaft kompromissbereit bleiben

Was wäre es schön, wenn wir die ganze dumme Sache mit dem Klima unter uns ausmachen könnten – monate- und jahrelanges Gefeilsche um Zahlen und Prozente, immer superdemokratisch, und nach vollzogener Einigung können wir uns gar nicht genug auf die Schultern klopfen. Leider leben wir nicht im Auenland, und leider liegt der Fall diesmal anders. Am anderen Ende des Verhandlungstisches sitzen nicht die Funktionäre konkurrierender oder koalierender Parteien, emsige Lobbyisten oder Verbandsvertreter. Unser Gegenüber ist diesmal die Natur selbst, und vor ihr liegt ein uraltes Buch mit physikalischen Gesetzen, die so eisern und unumstößlich sind, dass uns eigentlich sofort klar werden sollte, dass das hier keine Verhandlung mehr ist. Eher eine Urteilsverkündung. Und eines weiß man: Natur macht keine halben Sachen, und auch die Todesstrafe ist bei ihr noch nicht abgeschafft. All unser „Wir haben doch schon sehr viel erreicht…“, unsere flehentlichen Verweise auf E-Auto-Prämien und arbeitslose Braunkohlekumpel finden bei ihr kein Gehör. Die Natur legt nur wortlos die Hand auf ihr eigenes Gesetzbuch, und nun sollten alle am Tisch begreifen: Natur lässt sich einzig von Resultaten überzeugen und zwar nur von solchen, die in ihrer radikalen Umkehr der Brutalität entsprechen, mit der wir unseren Planeten in bislang ungebremst steigendem Maße misshandeln.

Jochen Rudelt