Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. September 2019

Strafe für Stromüberschuss

19. September: Wasserstoffschlepper fährt Koffer am Airport. Flughafen präsentiert Innovation. IHK sieht Küstenländer als Vorreiter bei der Technologie und fordert Modellregion in Norddeutschland

In welcher Republik leben wir eigentlich? Erst fehlen Ersatzteile wie in einer Planwirtschaft, dann fehlt der Mut, eine zukunftsträchtige Technik weiter zu entwickeln, und nicht zuletzt fördert die Politik eine sicher endende Technik mit Steuergeldern, die für die Forschung besser eingesetzt wären. Aber der Lobbyismus hat eben seine Blütezeit! E-Mobilität ist wirklich eine zukunftsträchtige Sache, aber bitte nicht mit veralteten Techniken. Für zu viel produzierten Strom müssen die Windenergie-Lieferanten Strafe zahlen. Was soll dieser Unfug? Gut, dass der Norden jetzt aktiv wird.

Ulrich Schauer

Zahlen überzeugen nicht

18. September: Warum Homeoffice vielen auf die Nerven geht. Eine Studie der AOK zeigt: Die psychischen Belastungen beim mobilen Arbeiten sind größer als erwartet

Schon mit der Überschrift wird suggeriert, dass Homeoffice negativ eingeschätzt wird. Dabei sehen viele der Befragten eine höhere Arbeitszufriedenheit und Dreiviertel meinen, zu Hause konzentrierter arbeiten zu können. Somit sollten jene, die mit dem Homeoffice nicht klarkommen, schnellstens darüber nachdenken, ins Büro zurückzukehren. Viel beeindruckender aber sind die Grafiken über Arbeitsform und Gesundheit: Danach klagen deutlich über fünfzig Prozent über Erschöpfung, Wut und Verärgerung, Nervosität, Reizbarkeit und Lustlosigkeit. Und zwar alle. Die im Büro und im Homeoffice. Haben die alle keine Lust mehr zu arbeiten und empfinden Arbeit als eine Belastung? Dreiundsiebzig Prozent im Homeoffice und sechsundsechzig Prozent im Büro sollen über Erschöpfung klagen? Sorry, aber solche Statistiken klingen nicht besonders glaubwürdig oder überzeugend. Grundsätzlich aber wünsche ich mir eine positivere Berichterstattung über neue Arbeitsmöglichkeiten, wenn nur ein geringer Teil der Homeoffice-Beschäftigten unzufrieden ist.

Dietmar Johnen-Kluge

Qualität braucht keine Likes

18. September: Warum kein Grundrecht auf Likes?

Früher galt: Lade ich viele Leute zu meiner Party ein, werde ich auch oft eingeladen. Die Investition in die Bewirtung der Gäste war also auch eine Investition in die Steigerung der Beliebtheit, nur mit dem Unterschied, dass nicht vollkommen Fremde eingeladen wurden. Dieses Prinzip lässt sich auch auf die sozialen Netzwerke anwenden, was aber Arbeit und Zeit benötigt. Wer also ganz viele Likes auf alle möglichen und unmöglichen Beiträge versendet, wird mit Likes belohnt. Nur welche Aussage diese Gefälligkeiten besitzen, bleibt fraglich. Für Geschäftsleute ist das Kaufen von Likes bestimmt eine gute Geschäftsidee, um auch den größten Schrott an den Mann oder die Frau zu bringen. Wenn etwas wirklich gut ist, braucht es keine Bestätigung. Oder entscheidet heute nur die Masse über Qualität?

Christiane Mielck-Retzdorff

Pflege wird kostengünstiger

17. September: Zahl der Unfälle auf Hamburgs neuen Fahrradstreifen steigt. CDU kritisiert rot-grünes Konzept des Fahrens auf der Straße. ADFC fordert für Radler mehr Platz

Eine wirkliche Überraschung kann das eigentlich nicht sein, denn ein Fahrradstreifen direkt neben der Fahrbahn und fast stets im toten Winkel der Autofahrer kann nur zu Unfällen führen. Ich habe den Eindruck, dass man diese Fahrradstreifen auch nicht zur größeren Sicherheit der Radfahrer errichtet hat, sondern weil die Reinigung mit einer Kehrmaschine viel einfacher ist und die Kosten der Radwegepflege, die oftmals sogar durch einen Grünstreifen von der Straße getrennt sind, drastisch senkt. Es wäre schön, wenn die Stadt Hamburg die vorhandenen „alten“ Radwege auch mit einem entsprechenden Gebotsschild kennzeichnen würde. Ich beobachte immer wieder, dass Radfahrer auf der Straße fahren, obwohl direkt daneben auf dem Gehweg ein Radweg vorhanden ist, und damit sich und auch andere gefährden. Leider machen es die Erwachsenen den Kindern oftmals vor. Wäre es nicht schön, wenn sich alle im Verkehr ein bisschen mehr an die vorhandenen Regeln halten würden?

Michael Commentz

Gravierender Fehler der SPD

18. September: Hamburgs Grüne planen jetzt doch eine neue Stadtbahn. Kampfansage an SPD. Was bedeutet das Projekt für die U 5? CDU will Willy-Brandt-Straße in Tunnel verlegen

Es ist schon lächerlich, dass jetzt schon wieder das Thema Stadtbahn aus der Mottenkiste hervorgekramt wird – diesmal von den Grünen. Alle Regierungsparteien in Hamburg haben sich dieses Themas angenommen, es befürwortet und letztendlich wieder verworfen. Jetzt ist der Zug abgefahren, und wir müssen weiter mit den meist überfüllten und oft im Stau stehenden Dieselbussen leben. Die Abschaffung der Straßenbahn und das Herausreißen der Schienen in den 1970er-Jahren war ein nicht wiedergutzumachender Fehler der SPD und ist unumkehrbar. Wenn man vor 20 oder 30 Jahren auf die Fachleute gehört und sich für eine moderne Stadtbahn entschieden hätte, wären wir heute wesentlich besser dran und hätten weitaus weniger Probleme im Öffentlichen Personennahverkehr. Das wird aber nicht mehr kommen, und die Bewohner der betroffenen Stadtteile müssen eben ohne Schienenanschluss weiter mit den Bussen leben und hoffen, dass die hochgejubelte U 5 irgendwann in ferner Zukunft realisiert wird.

Helmut Jung

Parteiübergreifend denken

SPD gegen Stadtbahn? Das war nicht immer so: Vor Olaf Scholz war die Hamburger SPD sehr für eine Stadtbahn in Hamburg, wollte sogar die HafenCity mit ihr anbinden. Auch jetzt schließt der Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion eine Stadtbahn mittelfristig nicht aus. CDU-Weinberg spricht von einer Stadtbahn light. Verkehrsexperten sollten dieses System besonders für die Hamburger Randgebiete und das Umland ernsthaft prüfen. Keine Rolltreppen und Lifts, kein Gewackel in XXL-Bussen, dazu viel preiswerter als eine U-Bahn in ferner Zukunft. Bitte einmal parteiübergreifend neu denken.

Michael Dose, Heimfeld

Der Polizei glaubt man immer

18. September: Polizeigewalt wird untersucht. Wissenschaftler haben erstmals Tausende Betroffene befragt, um das Dunkelfeld der Attacken zu erforschen

Vor vier Jahrzehnten erzählte ein Studentenheimmitbewohner mal, wie er nach einem feuchtfröhlichen Abend in Gewahrsam kam, auf der Wache in einen Kellerraum geführt worden sei und dort erstmal „was auf die Mütze“ bekommen habe. Er sagte es mit einem breiten Ist-doch-normal-Grinsen. Von Wut keine Spur. Dazu noch ein Zitat meines Anwalts: „Vor Gericht hat man in Aussage-gegen-Aussage-Situationen null Chance, wenn der ,Andere‘ ein Polizist ist. Der Polizei wird grundsätzlich immer geglaubt.“

Ralf Marquardt

Bezahlbare Wohnungen fehlen

18. September: Groß, größer, Lanserhof. Neues Luxusresort in List soll 2021 eröffnet werden. Im Frühjahr ist das Richtfest für das 68-Zimmer-Hotel geplant

Der ausführliche Bericht über das Bauvorhaben des Luxusresorts Lanserhof bestätigt leider das Image der Insel. Sylt hat aber ein Problem mit dem Wohnraum und benötigt stattdessen eher bezahlbare Wohnungen. Hat man bei diesem Gesundheitszentrum/Health Resort im Luxussegment daran gedacht, wenigstens auch Wohnraum für die dutzenden Beschäftigten zu schaffen, oder verschärft sich die Situation auf der Insel? Außerdem: Nur wer auf der Insel wirklich „wohnt“, sichert öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Feuerwehr, etc.

Kai Callesen